Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Arge-Alp-Konferenz: WWF kritisiert Angriff auf den Artenschutz
Während sich der Bundespräsident bei der UNO für den Schutz der Artenvielfalt einsetzt, will der Salzburger Landeshauptmann Wölfe leichter abschießen lassen – WWF fordert Herdenschutz und mehr Unterstützung für die Almwirtschaft im Alpenraum

Salzburg, 30. September 2020. Die Naturschutzorganisation WWF Österreich kritisiert den Salzburger Landeshauptmann für seinen Angriff auf den Artenschutz bei der Konferenz der Arbeitsgemeinschaft der Alpenländer (Arge-Alp). „Während der Bundespräsident bei den Vereinten Nationen für den stärkeren Schutz der Artenvielfalt wirbt, macht der Salzburger Landeshauptmann Stimmung gegen eine streng geschützte Art. Seine Aussagen sind nicht nur ein völlig verkehrtes Signal, sondern gehen auch inhaltlich in die falsche Richtung“, kritisiert WWF-Experte Christian Pichler. „Wölfe sind ein wichtiger Teil der alpinen Biodiversität und europarechtlich streng geschützt. Wer der Almwirtschaft wirklich helfen will, setzt daher auf vernünftige Herdenschutz-Lösungen", sagt Pichler. "Gerade die Wiederbelebung des Hirtenwesens bringt nicht nur mehr Schutz, sondern kann auch der Almwirtschaft neues Leben einhauchen. Hirtinnen und Hirten können Herden gezielt lenken, was in der Beweidung große Vorteile für die Artenvielfalt und den Erosionsschutz bietet. Zugleich werden Nutztierverluste durch Abstürze, Krankheiten oder Blitzschläge reduziert. Mit Österreich vergleichbare Länder wie die Schweiz zeigen seit Jahren vor, wie es geht“, erklärt Pichler.
Auf der Suche nach neuen Territorien wandern Wölfe viele Kilometer, deshalb werden immer wieder Tiere aus umliegenden Ländern durch Österreich streifen. Werden sie rechtzeitig durch fachgerechten Herdenschutz abgeschreckt, meiden sie Weidetiere und konzentrieren sich auf ihre ökologische Rolle als eine Art „Gesundheitspolizei“ des Waldes. „Wölfe halten den Wildbestand und damit den Wald gesund, indem sie vor allem kranke und schwache Tiere selektieren. Zusätzlich profitieren andere Schlüsselarten von den hinterlassenen Nahrungsresten“, erklärt WWF-Biologe Pichler.
Der WWF Österreich fordert eine ausgewogene Beratung und bessere Förderung für die betroffene Landwirtschaft: „Herdenschutz ist kein Selbstläufer, sondern muss an die jeweilige Lage angepasst werden, was gerade im alpinen Gelände eine gute Vorbereitung und professionelle Unterstützung erfordert“, bekräftigt Christian Pichler.
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
+43 676 83 488 276
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