Artenlexikon
Der Sumatra Orang-Utan – Waldmensch in Bedrängnis

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Pongo abelii
Icon Unterarten
Familie
Menschenaffen
Aktueller Bestand
14000 (IUCN 2017)
Gefährdungsstatus
Vom Aussterben bedroht (IUCN, 2017)

Verbreitung

Asien
ARTENLEXIKON: Der Sumatra Orang-Utan – Waldmensch in Bedrängnis         Die Fakten Bilder und MedienWeiterführende InfosNews

Sumatra Orang-Utan

Übersetzt bedeutet sein Name Waldmensch. Und die großen Baumbewohner, die sich vorsichtig von Ast zu Ast tasten, sind einfach sympathisch. Außerdem sind sie liebevolle Mütter und geschickt mit Werkzeug. Doch Lebensraumverlust und Wilderei haben die Menschenaffen an den Rand der Ausrottung gebracht.

Körperliche Merkmale

Orang-Utans sind die größten Baumbewohner im Tierreich. Der Sumatra Orang-Utan unterscheidet sich von seinem Verwandten, dem Borneo Orang-Utan nur geringfügig: Er hat einen etwas zierlicheren, leichteren Körperbau, das Fell ist ein wenig heller und rötlicher. Die Wangenwülste der Borneo-Orang-Utans stehen zu den Seiten ab und sind mit feinem rotbraunen Haarflaum bedeckt, während die der Sumatra-Orang-Utans nach hinten anliegen und mit feinen weißen Härchen bewachsen sind. Außerdem tragen Borneo-Orang-Utan-Männchen einen kurzen, dunklen Bart, bei den Sumatra-Orang-Utans hingegen ist er lang und hell. Auch verschwinden die hellen Augenringe bei der Unterart Sumatras, während sie bei den Vertretern auf Borneo bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.

Alle Orang-Utans besitzen einen großen Kopf mit hervorspringender Mundpartie und einen kräftigen Körper. Ebenso wie bei allen Menschenaffen außer den Menschen, sind die Arme länger als die Beine, im aufrechten Stand reichen die Hände den Tieren bis an die Knöchel. Im Gegensatz zu den muskulösen Armen, ist die Muskulatur der Beine relativ schwach ausgebildet.
Das lange, strähnige Haarkleid leuchtet orangerot bis rotbraun, Gesicht, Ohren, Handflächen und Fußsohlen sind dunkelgrau oder dunkelbraun. Die Lebenserwartung von Orang-Utans beträgt rund 40 Jahre.

Lebensweise und Fortpflanzung

Anders als afrikanische Menschenaffen sind Orang-Utans meist Einzelgänger. Da auf Sumatra – anders als in Borneo – das Nahrungsangebot sehr groß ist, kommt es aber auch vor, dass mehrere Orang-Utans gleichzeitig am selben Baum fressen. Die Sozialisierung ist daher etwas häufiger als auf Borneo. Orang-Utans sind tagaktiv. Sie verbringen ihre meiste Zeit in den Bäumen und halten sich nur selten am Boden auf. In den Baumkronen bewegen sie sich aufgrund der Körpermasse jedoch recht langsam voran und testen immer ab, ob der jeweilige Ast ihr Gewicht tragen kann. Jeden Abend bauen sie sich ein neues Schlafnest in den Ästen. Dafür benötigen sie in der Regel weniger als zehn Minuten. Während sich Sumatra-Orang-Utans häufig zudem ein Nest für den Mittagsschlaf errichten, ist dies bei Borneo-Orang-Utans seltener. Ebenso wie andere Menschenaffen benutzen Orang-Utans Werkzeuge, wenn auch weniger ausgefeilt als andere. Es wurde beispielsweise schon beobachtet, dass die Affen mit einem Stock als Speer Fische fangen oder Blättern als eine Art Handschuhe beim Öffnen von stacheligen Früchten verwenden.

Bei den Männchen werden dominante und nachrangige Männchen unterschieden. Dominant sind diejenigen adulten Männchen mit Wangenwülsten. Sie besetzen typischerweise ein Revier, das sich mit den Streifgebieten von drei bis vier Weibchen überlappt. Die jüngeren adulten Männchen ohne Wangenwülste sind nachrangig, weniger sesshaft und streifen weiträumiger umher. Während dominante Männchen nachrangigen Männchen normalerweise das Durchstreifen ihres Revieres zugestehen, verteidigen sie es streng gegen andere dominante Männchen. Es wird angenommen, dass dominante Männchen die Entwicklung von nachrangigen Männchen hormonell unterdrücken. Allerdings ist dieser Mechanismus noch nicht vollständig verstanden. Die Reviere der dominanten Männchen besitzen eine Größe von einigen Hundert Hektar.

Männchen und Weibchen kommen nur zur Paarung zusammen und verbringen dann wenige Tage miteinander. Die Weibchen sind typischerweise in Begleitung von bis zu zwei Jungtieren verschiedenen Alters. Nach einer Tragzeit von acht bis neun Monaten gebären die Weibchen zumeist ein einzelnes Junges, pflanzen sich aber nur alle sechs bis acht Jahre fort. Orang-Utan-Kinder sind sehr stark von der Fürsorge ihrer Mütter abhängig und werden bis zu vier Jahre lang gesäugt. Im Alter von sieben bis acht Jahren verlassen die jungen Orang-Utans ihre Mütter und ziehen von da an alleine umher. Manchmal bilden sie vorübergehend kleine Gruppen mit anderen Adoleszenten. Orang-Utan-Männchen werden etwa mit 14 Jahren geschlechtsreif. Weibchen bekommen ihren ersten Nachwuchs im Alter von rund 15 Jahren.

Ernährung

Orang-Utans ernähren sich fast ausschließlich pflanzlich. Am liebsten fressen sie Früchte. Hinzu kommen Samen, Kräuter, Wurzeln, Blätter, Blüten, Innenrinde, Pflanzenmark und Erde. Ihr Nahrungsspektrum umfasst insgesamt mehr als 200 Pflanzenarten. Während sie außerdem regelmäßig Wirbellose wie Ameisen, Termiten und Raupen zu sich nehmen, stehen kleine Wirbeltiere nur sehr selten auf ihrem Speiseplan. Die Ernährungsweise der Orang-Utans ist deutlich geprägt von der klimatischen Wechselhaftigkeit auf der Insel sowohl während des Jahres als auch über die Jahre. Der Anteil von Früchten in ihrer Nahrung macht je nach Jahreszeit und Jahr zwischen 16 und 99 Prozent aus.

Ernährungsart
Allesfresser
Besonderheiten
Orang-Utans sind die größten Baumbewohner im ganzen Tierreich. Ihre langen Arme haben eine Spannweite von bis zu 2,2 Meter.
Tags
Affe
Arten
Artenschutz
Orang-Utan
Thematisch

Orang-Utan und Mensch

Gerade seine Menschlichkeit wird für den Orang-Utan oft zur Gefahr – die süßen Babys müssen als Touristenattraktion herhalten, nicht selten kommt die Mutter bei dem Versuch, den Nachwuchs zu schützen, zu Tode. Obwohl der Lebenswandel streng verboten ist, sind Orang-Utans als Haustiere beliebt, man zahlt hohe Preise auf dem Schwarzmarkt. Mitunter landen die sensiblen Tiere auch in der Unterhaltungsindustrie, also in privaten Zoos, Zirkussen und Freizeitparks. Orang-Utans werden oft auch in Menschen-Wildtier-Konfliktsituationen getötet, zum Beispiel, wenn sie Nahrung auf Plantagen und Feldern suchen.

Auch Orang-Utans sind von der Problematik um das Buschfleisch betroffen – Schätzungen zufolge werden jährlich tausende Tiere von Wilderern zum Verzehr getötet. Bedroht sind Orang-Utans auch und vor allem durch Lebensraumverlust und Fragmentierung. Dafür sorgt vor allem der Holzeinschlag und die Umwandlung von natürlichem Orang-Utan-Lebensraum in landwirtschaftlich genutzte Flächen, auf denen vor allem Ölpalmen und Kautschuk angebaut werden.
Durch die niedrige Reproduktionsrate, die lange Phase der Abhängigkeit der Jungtiere von ihren Müttern und die späte Geschlechtsreife können Orang-Utans ebenso wie andere Menschenaffen Bestandsverluste nur schwer ausgleichen.

Der Orang-Utan in der Kulturgeschichte

Der Legende nach können Orang-Utans – auf Borneo ebenso wie auf Sumatra – sprechen. Doch sie sind zu weise, um es sich anmerken zu lassen. Denn sonst müssten sie womöglich Arbeiten verrichten. Lieber bleiben sie also stumm und überlassen das Arbeiten anderen.
Im Japanischen hat der Orang-Utan seinen Namen „Shojo“ von einem Fabeltier bekommen: Der menschenähnliche Affe mit hellem roten Haar ist ein Naturgeist, der die Zunft der Sakehändler repräsentiert. Die Wesen lieben den weißen Sake, von dem sie sogar eine nie versiegende Quelle besitzen – und dementsprechend immer betrunken sind.

Projekte und Engagement des WWF

Wir als WWF setzen uns weltweit für den Erhalt kritischer Lebensräume ein, außerdem überwacht TRAFFIC, eine Kooperation des WWF mit der Naturschutzorganisation IUCN, den Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten und setzt sich für eine Eindämmung des illegalen Wildtierhandels ein. In Indonesien unterstützen wir außerdem Strafverfolgungsbehörden sowie Richter und Staatsanwälte in Indonesien bei der Verbesserung der Straferkennung und -verfolgung von Artenschutzdelikten.

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