Flussentwicklungsplan – ein Modell für Österreich

WWF-Studie zeigt: Hochwasserschutz und Ökologie gleichzeitig verbessern ist möglich

Flüsse sind Lebensadern unserer Landschaften, Trinkwasserspeicher, Grundlage für Land- und Energiewirtschaft sowie – in Verbindung mit intakten Ufern und Auwäldern – die wertvollsten Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen.

Die Schattenseite unserer Flüsse sind begradigte, monotone Kanäle, die zwar weitgehend sauberes Wasser führen, aber ihre anderen ökologischen Funktionen nur mangelhaft erfüllen.

Aus ökologischer Sicht besteht an zwei Drittel aller österreichischen Fließgewässer Verbesserungsbedarf. In der ersten Periode des Nationalen Gewässerschutzplans von 2009 bis 2015 wurde viel in die Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Flüssen investiert, vergleichsweise wenig aber in die über weite Strecken verbauten und begradigten Uferbereiche. Den Flüssen fehlt vielerorts einfach der Platz.

Das und auch die Siedlungsentwicklung der vergangenen Jahre führt zu einer stetig steigenden Gefahr durch Hochwässer, die uns – durch Klimawandel und extremer werdende Niederschlagsereignisse – in Zukunft vermehrt beschäftigen werden.

Verheerende Hochwasser könnten in Zukunft häufiger werden, © by WWF / F. Petri
Verheerende Hochwasser könnten in Zukunft häufiger werden, © by WWF / F. Petri

Es bedarf einer integrierten Planung um die vielfältigen Herausforderungen im Hochwasser- und Gewässerschutz der kommenden Jahre zu meistern.

Grafik: Anhand einer 5 teiligen Skala wird sichtbar, wo Defizite in den einzelnen Flussfunktionen liegen, hier am Beispiel Hochwasserschutz, © by WWF
Grafik: Anhand einer 5 teiligen Skala wird sichtbar, wo Defizite in den einzelnen Flussfunktionen liegen, hier am Beispiel Hochwasserschutz, © by WWF

Der Flussentwicklungsplan (FEP) des WWF bietet die Möglichkeit, auf der Grundlage von vorhandenen Daten zu den verschiedenen Fluss-Funktionen alle großen Flüsse und Flussräume Österreichs, das sind insgesamt an die 5.900 Flusskilometer, in 500-Meter-Abschnitten zu bewerten.

An 11% bzw. 640 Flusskilometern besteht dringender Handlungsbedarf für Hochwasserschutzmaßnahmen. Gravierende ökologische Defizite durch hart verbaute Ufer und Gewässersohle bestehen an 16% oder 920 Flusskilometern. Durch unpassierbare Querbauwerke fallen 2.500 Flusskilometer oder 42% in die Kategorien großer und sehr großer Handlungsbedarf. Eine Beeinträchtigung des natürlichen Abfluss wie Restwasser, Stau oder Schwall besteht an 41% bzw. 1.390 Flusskilometern. An 65% der untersuchten Strecken fehlen Auen oder Au-Strukturen. Dort, wo mehrere Funktionen nicht erfüllt werden, besteht der größte Handlungsbedarf. Die Gewichtung hängt davon ab, welche der jeweiligen Funktionen kombiniert betrachtet werden.

Flussstrecken mit Synergieeffekten aus Ökologie und Hochwasserschutz

Ausgehend von einer Priorisierung notwendiger Hochwasserschutzmaßnahmen unter Berücksichtigung der Funktionen Morphologie (also der Beschaffenheit von Ufer und Sohle), Durchgängigkeit, Hydrologie und Auen wird eine Karte erstellt, die die Hotspots für zukünftige Verbesserungen identifiziert.

Prioritäre Flussstrecken: 40 Strecken an 31 Flüssen, wo Hochwasserschutz-  und ökologische Sanierungsmaßnahmen gleichzeitig durchgeführt werden sollten , © by WWF
Prioritäre Flussstrecken: 40 Strecken an 31 Flüssen, wo Hochwasserschutz-  und ökologische Sanierungsmaßnahmen gleichzeitig durchgeführt werden sollten , © by WWF

Neben oder anstatt den klassischen Hochwasserschutz-Maßnahmen wie Dämmen oder Rückhaltebecken sollen hier besonders solche Maßnahmen zum Zug kommen, die einen Mehrwert für Natur und auch Naturerlebnis bieten. Dazu gehören in erster Linie Gewässeraufweitungen, die Anbindung von Augewässern, Seiten- und Altarmen, aber auch schlicht die Sicherung von natürlichen Überflutungsflächen vor weiterer Verbauung.

Dabei ist die Frage zentral, wo es in den Bereichen überhaupt noch freie Flächen (unabhängig von ihrer Verfügbarkeit) gibt. Auch dazu bietet der FEP Aufschluss. Für jede der Synergiestrecken Ökologie und Hochwasserschutz wurden auch die Flächenpotenziale erhoben.

Von bestehenden Beispielen lernen

In den letzten Jahren hat der Schutzwasserbau in Österreich immer mehr die ökologische Komponente berücksichtigt. Dies belegen Beispiele an vielen Gewässern quer durch das Bundesgebiet. Da ökologische Maßnahmen aber in der Regel kostspieliger sind als klassische „nur Hochwasserschutz-Maßnahmen“, besteht die Gefahr, dass in Zeiten sich verknappender öffentlicher Mittel, sowie dem Bedarf an schneller Schutzwirkung diese ins Hintertreffen geraten. Daher appelliert der WWF an die Politik, erforderliche Finanzmittel für eine nachhaltige Flussraumentwicklung zur Verfügung zu stellen. Dies garantiert einen Mehrwert für die Menschen und die Flüsse.

Drau, Obergottesfeld nach Maßnahmenumsetzung  , © by Amt der Kärntner Landesregierung / S. Tichy
Drau, Obergottesfeld nach Maßnahmenumsetzung  , © by Amt der Kärntner Landesregierung / S. Tichy

Der Flussentwicklungsplan für Österreich erscheint Ende Juni 2018 in Druckversion und als Webtool unter: www.flussentwicklungsplan.at.

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