© Karin Enzenhofer WWF

Für mehr Artenvielfalt in den Wäldern der Österreichischen Bundesforste

Seit dem Jahr 2000 arbeiten die Österreichischen Bundesforste und der WWF erfolgreich zusammen. Gemeinsames Ziel ist, die biologische Vielfalt zu schützen und ein engmaschiges Netzwerk wertvoller Lebensräume zu weben.

Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) sind mit der Betreuung und Bewirtschaftung von 10 % der Staatsfläche betraut und haben damit eine besondere Verantwortung für den Naturraum in Österreich. Sie bewirtschaften 510.000 Hektar Wald. Holz und Holzverarbeitung ist eine der wichtigsten österreichischen Export- und Import-Branchen. Doch neben dem Geschäftsfeld Forst und Holz, haben die ÖBf den Auftrag, die Fläche in verschiedenen Bereichen – wie auch dem Naturraummanagement – nachhaltig und gewinnbringend zu bewirtschaften. Dieselbe Fläche unterliegt zugleich internationalen Protokollen, Verträgen und Konventionen, die die Republik Österreich unterzeichnet hat.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist der wesentliche Grundpfeiler des Unternehmenskonzepts. Ökologische Ziele, gesellschaftliche Interessen und wirtschaftliches Bewusstsein sollen bei jeder Entscheidung gleichermaßen mitbedacht werden. In diesem Sinne wurde 2015 das ÖBf-Projekt „Ökologie und Ökonomie“ gestartet, dessen Ziel es ist, eine langfristige Strategie zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu schaffen und zu etablieren.

Die Österreichischen Bundesforste

  • Bewirtschaften insgesamt 850.000 Hektar – das sind 10 % der Staatsfläche
  • 510.000 Hektar davon sind Wald
Logo der Österreichischen Bundesforste

Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf), der größte österreichische Grundbesitzer, tragen gemeinsam mit dem WWF zum Erhalt der heimischen und internationalen Arten- und Lebensraumvielfalt bei.

Seit mehr als zehn Jahren kooperieren WWF und ÖBf in verschiedenen Bereichen des Naturschutzes – zuletzt verstärkt an strategischen Konzepten zur Ausbalancierung der vielfältigen Landnutzungsansprüche. Es wird ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Schutz und Nutzung der Ökosysteme und Landschaften sowie eine Stärkung der ökologischen Säule innerhalb der Nachhaltigkeitsbestrebungen angestrebt. Dies erscheint umso dringlicher, als der Flächen- und Ressourcenverbrauch in Österreich immer größer wird, während zur gleichen Zeit der Biodiversitätsverlust voranschreitet und intakte Ökosysteme, Ökosystemprozesse und Ökosystemleistungen verloren gehen.

Ein großer Erfolg war die Initiative zum Schutz der Moore, in deren Rahmen gemeinsam mit der Universität Wien 25 Moore renaturiert wurden und die Studie „Moore im Klimawandel“ erarbeitet wurde.

Cover sder Studie Moore im Klimawandel
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Eine Studie des WWF Österreich, der Österreichischen Bundesforste und des Umweltbundesamtes.

Studie „Moore im Klimawandel“ 2011

Ökologisches Landschaftsmanagement (Ö.L.)

Eine wesentliche strategische Neuausrichtung im Bereich Naturschutz der ÖBf ist die Etablierung eines Ökologischen Landschaftsmanagements. Dieses Konzept wurde gemeinsam von WWF und ÖBf entwickelt, mit dem Ziel, ökologische Aspekte besser und nachvollziehbarer ins Flächenmanagement zu integrieren.

Ökologisches Landschaftsmanagement setzt sich aus vier Handlungsfeldern zusammen:

I. Dem Schutzgut-Buch:

Ein Highlight bei der Entwicklung des Ö. L. war die Geburt des Schutzgut-Buches, das für jeden Forstbetrieb erstellt wird. Darin werden alle Schutzgebiete eines Forstbetriebs (kartografisch) aufbereitet und die in den Gebieten vorkommenden Schutzgüter dargestellt. Die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen werden ebenfalls detailliert im Schutzgut-Buch beschrieben. Dieses Praxis-Werkzeug ermöglicht es, wichtige Naturschutzaspekte jederzeit auf einen Blick parat zu haben.

Das Wissen, welche Schutzgüter in einem Revier vorkommen und was das für die Nutzungs- und Projektplanung bedeutet, ist ein wichtiger erster Schritt. Danach gilt es Überlegungen anzustellen, welche Arten besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich der Vernetzung ihrer Lebensräume bedürfen. Das betrifft beispielsweise jene anspruchsvollen Waldarten, die im Wirtschaftswald oft selten gewordene Strukturen brauchen.

II.  Der Lebensraumvernetzung:

Darum wurde ein Konzept zur Lebensraumvernetzung für Arten entwickelt, die auf Totholz, Biotopbäume, Prozessschutzflächen und sehr naturnahe Flächen angewiesen sind. Durch die Förderung dieser besonderen Waldstrukturen auf bestimmten Flächen wird einerseits für viele Arten Lebensraum und Nahrung geschaffen. Andererseits werden viele Ökosystemleistungen des Waldes wie Wasserspeicherung, Klimaregulation und Schutzfunktion erhalten.

Für Vogelarten und anspruchsvolle Totholz bewohnende Arten sowie für z.B. Schalenwild, Auerwild, Wildkatzen oder Fledermäuse werden in jedem Forstbetrieb Überlegungen sowie Bekenntnis zur Umsetzung von Vernetzungsmaßnahmen angestellt.

III. Der Erhaltung und Renaturierung:

Analyse des Erhaltungszustands und des Renaturierungspotenzials von Mooren und weiteren besonderen Offenland-Biotoptypen wie Trockenrasen, Gewässern und seltenen Waldbiotoptypen.

IV. Dem Prozessschutz:

Identifikation bestehender und möglicher neuer Prozessschutzflächen, die von „Wildnisecken“ (< 2.000 m²), Naturwaldreservaten, Altholzinseln oder Biodiversitätsinseln und in Einzelfällen bis zu großflächigen Wildnisgebieten mit Vertragsnaturschutz reichen können.

Das Ökologische Landschaftsmanagement

  • Ist seit 2018 Bestandteil der forstlichen Tätigkeiten der ÖBf
  • Integriert die Erhaltung und Ausbau der Biodiversität in die Waldbewirtschaftungspläne
  • Weiters ergänzen Vorschläge für Wiesen, Almen, Feuchtgebiete, Moore oder hochalpine Flächen die Sicherung der Artenvielfalt

Vernetzung für einen lebenswerten Wald

Die Waldbiodiversität ist – wie ihr Name schon verrät – sehr vielfältig: Neben weit verbreiteten und häufigen Arten gibt es im Wald auch Arten, die ganz bestimmte Strukturen und Bedingungen zum Überleben brauchen, etwa Totholz. Dieses wird aber oftmals bei der Bewirtschaftung entfernt, weshalb diese Arten sehr selten geworden sind. Ca. 30 Prozent aller Arten, die nur im Wald vorkommen, sind auf Totholz angewiesen. Darum ist das Belassen und Zulassen von Totholz so wichtig. Unterschieden wird zwischen stehendem und liegendem Totholz. Beides soll möglichst vielfältig – also dick und dünn, alt und frisch – und in entsprechender Menge im Wald vorkommen.

Neben Qualität und Menge spielt auch die zeitliche und räumliche Verteilung von Totholz eine große Rolle: Das bedeutet, dass in einem Wald solche Elemente einerseits kontinuierlich – also ohne große zeitliche Lücken wie nach einem Kahlhieb – und auch auf der Fläche gut verteilt sein müssen. Der Weg zwischen den Totholz-Elementen darf für die darauf angewiesenen Arten nicht unüberbrückbar sein.

Win-win-Situation im Wald

Auf Totholz spezialisierte Arten nutzen dieses auf ganz unterschiedliche Weise: So verwendet die Mopsfledermaus stehendes Totholz gerne als Quartier. Für den Hirschkäfer hingegen dient Totholz als Brutplatz, Lebensraum und Nahrung. Die Totholz-Bewohner erfüllen auch wichtige Funktionen im Wald. Gäbe es diese Spezialisten, die sich um die Zersetzung von Totholz kümmern würden, unter den Waldbewohnern nicht, so bliebe das Holz im Wald liegen, Verjüngung könnte nicht stattfinden und dem Boden würden die Nährstoffe fehlen. Schließlich sorgen viele dieser Arten für Recycling und Düngung im Wald.

Totholz und die forstliche Planung

Der Schutz der Biodiversität in bewirtschafteten Wäldern ist also im Wesentlichen eine Frage des gezielten Belassens von Totholz. Wie das funktioniert? Man schaut, welche Waldflächen von der Struktur für die verschiedenen Tierarten geeignet sind. Dann versucht man, in den jeweiligen Abschnitten ein Mosaik aus günstigen Flächen zu schaffen. Je besser diese verteilt sind, umso besser können sie sich austauschen.
Im Rahmen des Ökologischen Managements wird die Lebensraumvernetzung erstmals direkt in der forstlichen Planung berücksichtigt. Es werden „Lebensraumvernetzungsflächen“ für die nächsten Jahrzehnte festgelegt und regelmäßig überprüft. In jedem Forstrevier der ÖBf werden so 150 – 200 Hektar ausgewählt. Auf diesen Flächen wird Totholz erhalten und gefördert. Kahlschläge sind hier verboten. Mit diesem richtungsweisendem Projekt möchten wir zeigen, dass sich der Schutz von anspruchsvollen Arten und Waldbewirtschaftung nicht ausschließen müssen. Eines ist dafür aber jedenfalls notwendig: viel Liebe zur Natur.

Der Wald braucht Totholz

  • Etwa 30 % aller Arten, die nur im Wald vorkommen, sind auf Totholz angewiesen

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