© Brian J. Skerry

Mittelwälder im WWF Auenreservat Marchegg

Waldschutz in den Unteren March-Auen

Das Auenreservat Marchegg liegt zwischen Marchegg und Zwerndorf und wird östlich von der March und westlich zumeist durch den Hochwasserschutzdamm eingegrenzt. Das gesamte Gebiet hat eine Fläche von ca. 1.100 Hektar. Davon sind 850 Hektar von Auwäldern bedeckt. Diese gehören zu den bedeutendsten Hartholzauwäldern Europas. Seeadler, Weißstorch und Mittelspecht, gefährdete Käfer, wie der Eichenbock und der Hirschkäfer und vielfältige Pflanzen, wie die Schmalblättrige Esche, die Wilde Weinrebe und die Sommerknotenblume haben in diesem Gebiet eines ihrer bedeutendsten Vorkommen in Österreich.

Das Gebiet befindet sich zur ideellen Hälfte im Besitz des WWF und wird von einer kleinen Forstverwaltung in Baumgarten an der March betreut. Oberstes Ziel ist dabei die Erhaltung einer vielfältigen und möglichst naturnahen und unbeeinflussten Landschaft.

Kernzonen und Pflegezonen

Der überwiegende Teil der Wälder soll sich unter dem Einfluss der Überschwemmungen der March natürlich entwickeln und wird nicht genutzt. Forstwirtschaftliche Maßnahmen waren in den letzten 40 Jahren darauf ausgerichtet, die Waldstruktur (nach der intensiven Nutzung durch die Vorbesitzer) naturnäher zu gestalten. Fremdländische und standortfremde Arten werden entfernt, der Altersaufbau vielschichtiger gestaltet und die Niederwälder wurden so ausgedünnt, dass sie alten Bäumen wieder Platz bieten.

Daneben gibt es auch Bereiche wo eine regelmäßige Pflege aus Naturschutzsicht zielführend ist. So werden beispielsweise Kopfweiden alle 15 Jahre zurückgeschnitten, damit sie neu austreiben und lange weiterwachsen. In den urigen Stammgebilden leben eine Vielzahl von seltenen Käferarten, wie der Eremit. Gerade entlang des Marchufers und entlang von Forststraßen ist es zunehmend erforderlich fremdländische Gehölze zurückzudrängen. Dazu zählen vor allem der Eschen-Ahorn und die amerikanische Rot-Esche.

Im Rahmen eines mehrjährigen EU-Projekts wurde ab 2016 die Mittelwaldbewirtschaftung versuchsweise erprobt und schlussendlich nach einer mehrjährigen Testphase etabliert.

Mittelwälder

Mittelwaldnutzung ist eine Jahrhunderte alte, traditionelle Nutzungsform, die vor allem in Gemeinschaftswäldern überlebt hat. In Mittelwäldern wird zwischen dem jungen Unterholz, mit beispielsweise Hainbuchen und Hasel, und einer alten Oberschicht aus alten Eschen und Eichen unterschieden. Im Zuge der Nutzung, die etwas alle 25 Jahre stattfindet, wird nur das Unterholz zur Brennholzgewinnung geerntet, während große Überhälter und einige jüngere Anwärter im Bestand verbleiben und zu mächtigen Bäumen heranwachsen.

Durch diese Nutzungsweise sind die Bestände zeitweise sehr licht und offen. Das fördert nicht nur lichtliebende Pflanzen und der Wald verjüngt sich natürlich, sondern auch typische Vogelgemeinschaften und Totholzkäfer. Durch das lange Belassen der Überhälter im Bestand, haben Mittelwälder zudem einen sehr hohen Anteil an Altholz. Davon profitieren zum Beispiel Greifvögel und Störche, die damit geeignete Bäume für ihre großen Horste vorfinden.

Das Mittelwaldprojekt – Vom Versuch zur etablierten Bewirtschaftung

Der WWF startete 2016 ein Projekt, in dem die alte Mittelwaldtradition wiederbelebt wurde. Die seit dem Mittelalter praktizierte Mittelwaldbewirtschaftung wurde versuchsweise wieder aufgenommen. Selbstwerber durften auf den Testflächen nach naturschutzfachlichen Vorgaben Brennholz gewinnen. Durch die Nutzung junger Hainbuchen und Linden aus dem Unterholz bekamen die alten Eichen und ihre Bewohner wieder mehr Platz und Licht.

Der Versuch wurde begrenzt auf sechs Flächen (einem Bruchteil des gesamten Gebietes) durchgeführt. Auf den Probeflächen wurden alte Eichen, Totholz- und Höhlenbäume sowie seltene Arten, wie Wildbirne und Wildapfel gezielt erhalten und gefördert. Rund um die Brutplätze seltener Vogelarten, wie Seeadler und Schwarzstorch, wurden so genannte Hortschutzzonen eingerichtet, in denen Waldarbeiten ausgeschlossen wurden.

Erkenntnisse nach den ersten Jahren

Umfassende wissenschaftliche Untersuchungen begleiten dieses ambitionierte Projekt. Die Auswirkungen auf Pflanzen, Vögel, Käfer und Amphibien wurden genauestens untersucht und mit anderen Mittelwäldern im Weinviertel verglichen.

Der Versuch ließ aufhorchen: bereits nach nur 3 Jahren versuchsweiser Mittelwaldbewirtschaftung erhöhte sich die Artenvielfalt enorm. Die seltene Weinrebe keimte völlig unterwartet auf den Freiflächen zwischen den Überhältern, Neuntöter und Baumpieper kehrten in die Au zurück und nisteten erfolgreich in den Stockaustrieben der geschlagenen Bäume. Aber auch der blitzblaue Alpenbock wurde auf den Mittelwaldflächen nachgewiesen. Er profitiert, wie auch andere Käferarten von dem nun besonnten Altholz.
Nach dieser erfolgreichen Testphase entschied sich der WWF die Mittelwaldbewirtschaftung in einem Teil des Auenreservat fest zu etablieren. In einer 25-jährigen Umtriebszeit werden nun jährlich einige Hektar Wald nach den Gesichtspunkten des Mittelwaldes naturschutzfachlich bewirtschaftet.

Das Mittelwaldprojekt wurde aus Mitteln des österreichischen Programmes für ländliche Entwicklung 2014-2020 gefördert. Es hat zum Ziel, Eichenwälder und deren Bewohner nachhaltig zu schützen und zu fördern.

Downloads

WWF Factsheet Mittelwald

WWF Broschüre Mittelwald (pdf, ca. 10 mb)

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