Nashorn-Wilderei in Südafrika bedroht Arterhalt – Umsiedlung von Tieren nach Botswana zum Aufbau neuer Populationen – WWF vor Ort im Einsatz gegen illegale Jagd und Handel mit Nashorn-Horn
CITES-Meeting: WWF warnt vor Tigerfarmen als Deckmantel für illegalen Wildtierhandel
Wien/Genf, am 2. November 2026 – Anlässlich der heute beginnenden Tagung zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) in Genf fordert die Naturschutzorganisation WWF ein Verbot von Tigerfarmen und strengere Regeln für die Haltung von Tigern in Gefangenschaft. Denn bei der Kontrolle solcher Einrichtungen bestehen erhebliche Lücken: Laut der vom WWF ausgewerteten Tagungsunterlagen haben nur sechs Länder über Maßnahmen gegen Handelsrisiken bei der Haltung und Zucht von Tigern berichtet. Die Berichte lassen zudem offen, ob die Länder die Zahl der Tiger in Gefangenschaft wie vorgeschrieben begrenzen. „Einrichtungen, die Tiger in Gefangenschaft halten und am illegalen Wildtierhandel beteiligt sind, gefährden den Tigerschutz: Sie steigern die Nachfrage, die die Wilderei auf wild lebende Tiger antreibt“, sagt Georg Scattolin, Artenschutzexperte beim WWF Österreich. Konkret fordert der WWF strengere Kontrollen und eine lückenlose Erfassung aller Tiger in Gefangenschaft – einschließlich Geburten, Todesfällen und Tiertransfers. Das soll verhindern, dass Tiere oder Körperteile in den illegalen Handel gelangen. Tigerfarmen für den kommerziellen Handel mit Körperteilen müssen schrittweise geschlossen und bestehende Artenschutzbeschlüsse konsequent umgesetzt werden. Zudem braucht es ausreichend Mittel für unabhängige Untersuchungen. „Wir dürfen nicht riskieren, dass die Nachfrage nach Tigern und ihren Körperteilen die mühsam erreichten Fortschritte des Artenschutzes zunichtemachen”, sagt Scattolin.
Fast 20 Jahre nach Beschluss fehlen zentrale Bestandsdaten
Bereits 2007 vereinbarten die CITES-Vertragsparteien, dass Tiger nicht für den Handel mit ihren Körperteilen und daraus hergestellten Produkten gezüchtet werden dürfen. Die Bestände in Gefangenschaft sollen auf ein Maß begrenzt werden, das ausschließlich dem Schutz wild lebender Tiger dient. Fast zwei Jahrzehnte später lässt sich die Umsetzung wegen fehlender Informationen weiterhin nur eingeschränkt beurteilen.
Berichte legten laut der internationalen WWF-Auswertung China, Mexiko, die Slowakei, Thailand, die USA und Vietnam vor. „Es fehlen jedoch ausreichende Angaben zur Zahl der Einrichtungen und der dort gehaltenen Tiger. Ohne diese Daten lässt sich kaum nachvollziehen feststellen, ob die Bestände in Gefangenschaft ausschließlich Artenschutzzwecken dienen“, sagt Scattolin vom WWF.
Mehr Tiger in Gefangenschaft als in freier Wildbahn
Laut WWF Living Planet Report ist die Zahl der wild lebenden Tiger dank intensiver Artenschutzmaßnahmen seit 2010 um über 70 Prozent gestiegen – von etwa 3.200 auf rund 5.700. Trotz dieser Erfolge bleiben die Großkatzen stark gefährdet: Wilderei, illegaler Handel, Lebensraumverlust und Konflikte mit Menschen setzen ihnen weiterhin stark zu.
Heute leben sehr viel mehr Tiger in Gefangenschaft als in freier Wildbahn. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass über 8.000 Tiger in mehr als 200 Tigerfarmen in Ost- und Südostasien gehalten werden. Etwa drei Viertel dieser Tiger befinden sich in China. Hinzu kommen weltweit rund 12.000 in Gefangenschaft lebende Tiger, die ihr Dasein in Privatbesitz, Zoos oder Zirkussen fristen.
Hintergrund:
Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) regelt den internationalen Handel mit rund 40.000 Tier- und Pflanzenarten. Seine 184 Vertragsparteien verpflichten sich, deren Überleben zu sichern. Vom 2. bis 6. November 2026 berät der Ständige Ausschuss in Genf über die Umsetzung und Einhaltung des Abkommens sowie die Bekämpfung des illegalen Handels.
Neben dem WWF schließen sich weitere Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie der Wildlife Conservation Society (WCS), der Environmental Investigation Agency UK, Four Paws International, Wildlife Justice Commission und der Zoological Society of London (ZSL) den Forderungen nach strengeren Regeln für die Haltung von Tigern in Gefangenschaft bei der CITES-Tagung ein.
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