Mutmaßlicher Fall von Wildtierkriminalität – Naturschutzorganisation fordert konsequente Ermittlungen
Der WWF eröffnet das Nationale Flussheiligtum Isel
Prägraten, am 19. September 2012 – Der WWF Österreich zeichnete heute die Isel offiziell als „Nationales Flussheiligtum“ aus. Eine reich bebilderte Tafel wurde am Prägratener Iselufer installiert. Sie soll künftig Einheimische und Besucher des Iseltales über die Bedeutung, Schönheit und Schutzwürdigkeit des letzten Gletscherflusses der Alpen informieren. Gemeinsam bekräftigten der WWF und eine breite Allianz Osttiroler Initiativen heute einmal mehr: „Ja zum Schutz der Isel – Nein zu Kraftwerken in der Nationalparkregion!“
Bereits im Jahr 1998 haben das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium und der WWF 74 besonders wertvolle Flussstrecken in Österreich zu „Flussheiligtümern“ erklärt und sich gemeinsam verpflichtet, sie dauerhaft vor allen Eingriffen zu schützen. Erst jüngst hat auch der Beirat der „Nationalparks Austria“ die Einzigartigkeit und Besonderheit der Isel gewürdigt und sich gegen Wasserkraftprojekte an diesem Flussjuwel ausgesprochen. Bald soll die Isel als Flusslebensraum von gesamteuropäischer Bedeutung zudem das Prädikat Natura 2000-Gebiet erhalten.

Kraftwerk Virgental widerspricht Österreichischem Wasserkatalog
Dennoch liegen Pläne für gleich mehrere Großkraftwerke an der Isel und ihren Zuflüssen auf dem Tisch. Das konkreteste Projekt ist das von den Gemeinden Prägraten und Virgen in Zusammenarbeit mit der Planungsfirma INFRA angestrebte Vorhaben, den Fluss auf mehr als fünfzehn Kilometern Länge knapp unterhalb der Umbalfälle auszuleiten, um 130 Gigawattstunden Strom zu erzeugen. „Dieses Projekt ist vollkommen an der Natur vorbei geplant“, ärgert sich Bernhard Kohler, Leiter des Österreichprogramms im WWF. Das Kraftwerksprojekt fällt im Fachbereich Ökologie sowohl im Tiroler Kriterienkatalog, als auch im Bundeskriterienkatalog Wasserkraft eindeutig durch. „Wir erwarten von Umweltminister Nikolaus Berlakovich, das Versprechen von 1998 einzulösen und sich gegenüber der Tiroler Landesregierung massiv für den Schutz des Flussheiligtums Isel einzusetzen“, forderte Kohler heute in Prägraten.
Tamariske, Äsche, Flussuferläufer & Co: Bedrohte Arten in Gefahr
„Die Ausleitung des Iselwassers wäre eine Katastrophe für die einmalige und einzigartige Lebewelt des Flusses“, warnt WWF-Biologe Kohler. Derzeit gilt die Isel als einer der wenigen Alpenflüsse, an denen noch die ursprüngliche Artenvielfalt besteht.
So ist etwa der lerchengroße Flussuferläufer zum Brüten auf die unbewachsenen Kiesbänke der Isel angewiesen. Wird Wasser ausgeleitet, verringert sich die Schleppkraft des Flusses. Dadurch können sich keine neuen Kiesbänke mehr bilden, und die alten werden von Pflanzen überwuchert. Auch Fischarten wie Äsche und Bachforelle, Pflanzenarten wie die vom Aussterben bedrohte Deutsche Tamariske, und sogar der seltene, bis zu zwei Meter lange Huchen, brauchen die intakte Isel zum Überleben.

Kein Stromgewinnungspoker auf Kosten der Natur
Professor Bernd Lötsch, Vorsitzender des WWF-Stiftungsrates untermauert: „In Tirol existieren bereits an die tausend Kraftwerke. Osttirol hat schon genug Bäche dem Stromhunger geopfert. Die Isel aber gehört zu den letzten Relikten europäischer Flussnatur. Ihre seltenen Tiere und Pflanzen sind echte Raritäten“, mahnt Lötsch, einen dauerhaften Schutz der Isel-Lebensräume ein. „Es muss auch betont werden“, so Lötsch weiter, „dass die Errichtung derartiger Kraftwerke einzig geschäftlichen Interessen dient und keinerlei Beitrag zur Entlastung Österreichs von seiner Klimaschuld leistet. CO2-Reduktion muss dort erfolgen, wo CO2 emittiert wird, statt bislang unberührte Naturräume mit falschen Argumente zu opfern!“
Osttiroler Bürger kämpfen für die Naturschätze der Heimat
Anna-Maria Kerber, Sprecherin der Osttiroler Initiative Iselfrauen, stößt ins gleiche Horn: „Unsere Isel soll frei fließen können! Sie ist Lebens- und Erholungsraum für uns, unsere Kinder und für unsere Gäste, die sicherlich nicht an einem Druckstollen entlang wandern, sondern die unberührte Natur genießen wollen!“
Auch für Dr. Wolfgang Retter vom „Netzwerk Wasser Osttirol“ und für Adolf Berger von der „Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental“ wäre es ein Affront das Naturwunder Isel für ein paar Kilowattstunden Strom zu opfern.
Statt mit fragwürdigen Kraftwerksprojekten Geld machen zu wollen, sollten die Virgentaler Gemeinden lieber konsequent auf Naturtourismus und die Besonderheiten der Nationalparkregion setzen, fordern die Vertreter der Bürgerinitiative.
Rückfragehinweis:
Franko Petri, WWF-Pressesprecher, Tel. 01/488 17 231, E-Mail: franko.petri@wwf.at
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