Studie der Uni Graz zeigt steigende Kosten des Nicht-Handelns – WWF fordert verbindliche Klimaziele, Abbau klimaschädlicher Förderungen und mehr natürlichen Schutz vor Extremwetter
Donau am Scheideweg: Lebensader oder Kanal
Wien, 29. 6. 2007 – Auch wenn viele am heutigen internationalen „Danube Day“ die Donau feiern – zur Freude ist es vielleicht zu früh: Flussbauprojekte, vorangetrieben von den nationalen Regierungen und unterstützt von der Europäischen Union, drohen unsere lebendige Donau in einen leblosen Kanal für die Schifffahrt zu verwandeln.
Europaweit sollen im Zuge des so genannten EU-Transportkorridors Nummer VII über 1.000 Kilometer der Donau künstlich vertieft, reguliert oder gestaut werden. Diese Maßnahmen bedrohen den Großteil der noch verbliebenen natürlichen Flussstrecken und Auwälder – Naturjuwele wie die weitgehend intakten Flusslandschaften entlang der ungarischen, serbischen, und bulgarischen Strecke und das Donau Delta. Wichtige Brutplätze von Seeadler und Rosa Pelikan sowie die letzten Laichplätze der Donaustöre sind an diesen wertvollen Flussstrecken zu finden. Zwischen den Städten Calarasi und Braila in Rumänien werden mit Hilfe von EU-Geldern gar 200 Kilometer natürlicher Flusslauf und dutzende kleine und größere Inseln bedroht.
Auch Österreich plant im Rahmen eines „flussbaulichen Gesamtkonzepts“ die Donau zwischen Wien und Bratislava auf einer Länge von 48 Kilometern baulich der kommerziellen Schifffahrt anzupassen. „Obwohl ökologische Ausgleichsmaßnahmen geplant sind, bedeutet die Verbauung einen massiven Eingriff in das Ökosystem der Donau“, kritisiert Andreas Wurzer, stellvertretender Geschäftsführer des WWF. „Das Hauptproblem ist die Vorbildwirkung für andere Donau-Regionen. Das Projekt ist nur ein erster Baustein im Ausbau des Flusses zur 2,8 Meter tiefen Schifffahrtsstraße“, warnt Wurzer.
Grund für die baulichen Eingriffe entlang der gesamten Donau ist die angeblich zu geringe Tiefe des Stroms für die Schifffahrt. Die Befürworter der Regulierung wollen eine Tiefe von 2,80 Metern auf der gesamten Länge des Flusslaufes garantieren. Laut den Donau-Experten des WWF gibt es jedoch längst Alternativen zu einem massiven Ausbau der Donau: Durch bereits erprobte, neue Technologien in Schiffsbau, Logistik, Kommunikation und sanften wasserbaulichen Maßnahmen, die mit dem Fluss und nicht gegen ihn arbeiten, könnten die Kapazitäten für die Schifffahrt ebenso gut ausgeschöpft werden. „Passt die Schiffe dem Fluss an und nicht den Fluss an die Schiffe!“, fordert daher die Naturschutzorganisation.
„Die politischen Entscheidungsträger haben sich unter Leitung der ‚Internationalen Kommission zum Schutz der Donau’ ambitionierte Ziele gesetzt und auch wichtige Fortschritte in einem aktuellen Dialogprozess erzielt. Dies betrifft v.a. den Einbezug der EU-Wasserrahmenrichtlinie auf der Suche nach nachhaltigen Schifffahrtslösungen“, so Christine Bratrich vom WWF Donau Karpaten Programm. „In der Praxis bedrohen jedoch bereits laufende und geplante Projekte die Donau und viele ihrer natürlichen Ressourcen. Der eigentliche Erfolg des Dialogprozesses wird also davon abhängen, gerade für die ökologisch bedenklichen Projekte nachhaltige Lösungen zu finden – ansonsten könnte der positive Prozess leicht als theoretische Übung belächelt werden.“
Um auf die drohende Zerstörung der Donau aufmerksam zu machen, hat der WWF im März dieses Jahres einen Bericht veröffentlicht, der die Donau unter die zehn am stärksten bedrohten Flüsse der Welt reiht. Zusätzlich startet er heute in Kooperation mit Partnern in Deutschland und anderen Donaustaaten eine Kampagne: „Rettet die Donau – Stoppt den Kanal“ informiert über die geplanten Flussbauprojekte, nachhaltige und ökologische Alternativen und darüber, wie die Donau auch für zukünftige Generationen ein lebendiger Fluss bleiben kann.
Link zur Donaukampagne: www.danubecampaign.org,
Rückfragehinweis: Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel. 0676/83 488 203
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Niederösterreich: WWF plant Rückbau von sechs Flussbarrieren
Rund 24 Kilometer von Fugnitz und Fellingbach sollen für Fische wieder durchgängig werden: WWF-Projekt stärkt wertvolle Lebensräume im Thayatal
Waldbrände auf Borneo: WWF fordert Soforthilfe für Orang-Utans
Feuer und Rauch bedrohen Menschenaffen – Zerstörte Wälder verschärfen Nahrungsmangel – Regierungen sollen bei Weltnaturkonferenz Mittel für Rettung und Waldschutz zusagen
Bagger am Pitztaler Gletscher: WWF fordert strengeren Gletscherschutz
Naturschutzorganisation warnt vor immer neuen Eingriffen durch Gletscherschwund – Land Tirol soll Ausnahmen einschränken und verbindliche Ausbaugrenzen festlegen
Good News: Finn ist neuer WWF-Naturschutzhund
Der 5-jährige Rüde hilft mit seiner Spürnase dabei, Fälle von Wildtierkriminalität aufzudecken. Er gilt als besonders ausgeglichen und arbeitsfreudig.
Neuer WWF-Spürhund Finn soll illegale Wildtiertötungen aufdecken
Schäferhund-Mischling unterstützt Polizei-Ermittlungen durch Suche nach Tierkadavern und Giftködern – Einsätze vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark
WWF-Analyse: Zu wenig Bodenschutz bei neuen Betriebsgebieten
Bodenschutz bei Betriebsgebieten: Alle neun Bundesländer fallen im WWF-Check durch – Täglich fast zwei Fußballfelder zusätzlich beansprucht – WWF fordert Ende des Wildwuchses – LÄNDER-ZEUGNIS im Detail
Weltnaturkonferenz: WWF warnt vor Verfehlen der 2030-Ziele
Globale Halbzeitbilanz zeigt unzureichende Umsetzung – WWF fordert wirksame Maßnahmen und gesicherte Finanzierung, auch in Österreich – COP17-Konferenz startet am Montag
Klimastreik: WWF fordert Notfall-Programm für Klima und Natur
Umweltschutzorganisation verlangt verbindliches Klimagesetz und wirksamen Renaturierungsplan – Natürliche Schutzmaßnahmen stärken, fossile Großprojekte stoppen












