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Gelingt der europäische Waldnaturschutz in Österreich?

29. Feb 2024

Der WWF hat den europäischen Waldnaturschutz in Österreich analysiert und die wichtigsten Belastungsfaktoren identifiziert

Basierend auf den offiziellen FFH-Berichten (Fauna-Flora-Habitat Richtlinie) Österreichs an die Europäische Kommission hat der WWF die aktuelle Situation des europäischen Waldnaturschutzes in Österreich analysiert und die wichtigsten Belastungsfaktoren identifiziert. Diese Berichte sind gemäß Artikel 17 der FFH-Richtlinie alle sechs Jahre von den Mitgliedstaaten an die Europäische Kommission zu übermitteln und enthalten unter anderem die Erhaltungszustände der Schutzgüter (Arten und Lebensraumtypen), vorherrschende Belastungsfaktoren und benötigte Maßnahmen.

Inhalt dieses Artikels:

Trotz des hohen Flächenanteils und der wichtigen Funktionen des Ökosystems Wald fehlten in Österreich bisher Auswertungen zu waldbezogenen Naturschutz-Daten. Ein neuer WWF-Bericht, der hier zusammengefasst wird, legt diese nun im Detail vor.

Neben den Erhaltungszuständen von Arten und Lebensräumen gibt die Analyse auch Einblick in die Belastungsfaktoren und diskutiert notwendige Schutzmaßnahmen. Die Erhebung basiert auf Daten zu in Österreich vorkommenden, nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie erhobenen Waldlebensraumtypen und Waldarten.

Artikel verfasst von:


Mag.a Karin Enzenhofer
Expertin für Wald
WWF Österreich

1. Wo ist das Problem?

Der Zustand der Wälder in Österreich ist schlecht. Das belegen etliche Daten (Linser, 2020; Kirchmeir et al., 2020). Gehen intakte Wälder verloren, so schwinden damit auch wichtige Ökosystemleistungen. Zudem werden rechtliche Verpflichtungen auf EU-Ebene durch die FFH-Richtlinie nicht eingehalten.

Hinzu kommt, dass die Datenlage verbessert werden muss – noch immer gibt es große Wissenslücken.

1.1. Was zeigen die aktuellen Daten zum Erhaltungszustand?

Für Österreichs FFH-Wald-Schutzgüter zeigt sich generell ein dramatisches Bild:

Insgesamt befinden sich nur knapp über zehn Prozent der FFH-Waldlebensraumtypen in einem günstigen Erhaltungszustand, das heißt, ihr Überleben ist aktuell gesichert. Die weiteren knapp 90% der Lebensraumtypen sind hingegen durch negative Einflüsse beeinträchtigt und teilweise stark gefährdet. In der alpinen biogeografischen Region sind rund 20 Prozent in einem günstigen Erhaltungszustand, in der kontinentalen Region befindet sich kein einziger FFH-Waldlebensraumtyp im günstigen Erhaltungszustand.

Bei den FFH-Waldarten zeigt sich ein ähnliches Bild: Rund 20 Prozent der analysierten FFH-Waldarten sind in einem günstigen Erhaltungszustand – das gilt sowohl für die alpine als auch die kontinentale Region.

Sowohl bei den FFH-Waldlebensraumtypen als auch bei den FFH-Waldarten gibt es immer noch Schutzgüter, deren Erhaltungszustand unbekannt ist. Dies weist auf gravierende Mängel im Monitoring und fehlende Datengrundlagen hin.

Ein Vergleich der Daten mit jenen aus dem davor gültigen Bericht aus dem Jahr 2013 zeigt, dass sich bei den Waldlebensraumtypen gleich viele Erhaltungszustände tatsächlich verschlechtert wie verbessert haben, wobei die Verbesserung noch immer keinen günstigen Erhaltungszustand bewirkt hat. Bei den Waldarten haben sich drei Erhaltungszustände tatsächlich verschlechtert und kein Erhaltungszustand hat sich tatsächlich verbessert.

Auch dadurch wird ersichtlich, dass sich der Waldzustand in Österreich eher in die Gegenrichtung entwickelt als das vorgegebene Ziel, den günstigen Erhaltungszustand für alle Schutzgüter zu erreichen.

2. Was sind die Ursachen für die aktuell schlechten Zustand?

Die Auswertung der Belastungsfaktoren macht deutlich, dass die Forstwirtschaft – also Aktivitäten innerhalb der Waldbewirtschaftung – hauptverantwortlich ist.  Ein Blick auf die Detailanalyse zeigt, dass das Fehlen von altem und totem Holz sowie Kahlschläge die größten Auswirkungen haben.

3. Wie ist der Zusammenhang zwischen Natura 2000-Gebieten und dem Zustand von Schutzgütern einzustufen?

Die Auswertung der Abdeckung der Schutzgüter durch Natura 2000-Gebiete zeigt bei Waldlebensraumtypen eine Abdeckung zwischen unter einem und 87 Prozent und bei Waldarten zwischen acht und 100 Prozent. Die Daten zeigen deutlich, dass die Abdeckung in keinem erkennbaren Zusammenhang zum Erhaltungszustand steht. Damit wird klar, dass eine hohe Abdeckung alleine nicht ausreicht, um Schutzgüter in einen günstigen Erhaltungszustand zu bringen. Stattdessen ist ein gezieltes Management von Natura 2000-Gebieten unabdingbar.

4. Was sind die Auswirkungen? Was ist zu befürchten?

Bei Fortführung des aktuellen Trends ist ein (weiterer) Verlust von Waldflächen und -arten, die einen günstigen Erhaltungszustand aufweisen, zu befürchten. Damit einher geht, dass die österreichischen Wälder nicht so gesund und zukunftsfit sind, wie sie sein könnten und sollten.

5. Welche Lösungen gibt es?

Die aktuellen Zahlen zeigen großen Handlungsbedarf: Die bisherigen Schutzmaßnahmen reichen nicht aus, um den Zustand der FFH-Waldlebensräume und FFH-Waldarten wesentlich zu verbessern und damit die rechtlich verbindlichen Ziele zu erreichen. Es müssen dringend nötige Schutzaktivitäten umgesetzt werden:

Es bedarf einer ausreichenden Ausweisung von Schutzgebieten, die ein gutes Management der Schutzgüter gewährleisten. Gezieltes Schutzgebietsmanagement ist also dringender denn je.

Außerdem muss die Datengrundlage nach wie vor verbessert werden: Ein regelmäßiges und ausreichendes Monitoring ist nötig – Wissenslücken zu immer noch unbekannten Erhaltungszustände nach 30 Jahren EU-Zugehörigkeit sollten schleunigst geschlossen werden.

Darüber hinaus werden zum allgemeinen Schutz der Wälder in Österreich folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  1. Letzte Ur- und Naturwälder schützen
  2. Mehr Naturnähe auf ganzer Waldfläche
  3. Walderschließungen reduzieren
  4. Wildtiermanagement verbessern
  5. Management von Natura 2000-Gebieten verbessern
  6. Rechtsgrundlagen verbessern
  7. Forst-bzw. Waldförderungen natur- und klimaverträglich einsetzen
  8. Wald-Forschung intensivieren

Quellenangaben und Referenzen

  • WWF Österreich 2023: Gelingt der europäische Waldnaturschutz in Österreich? Status der FFH-Waldlebensraumtypen und -arten in Österreich. Wien, September 2023. 52 Seiten. Online verfügbar unter https://www.wwf.at/artikel/publikationen-des-wwf-zum-thema-wald-in-oesterreich/
  • Kirchmeir, H., Huber, M., Berger, V., Wuttej, D., Grigull, M. (2020): Wald in der Krise. Erster unabhängiger Waldbericht für Österreich 2020. Eine Studie von E.C.O. Institut für Ökologie im Auftrag des WWF Österreich, Klagenfurt, 100 S
  • Linser S. (2020). Indikatoren für nachhaltige Waldbewirtschaftung des Österreichischen Walddialoges. Aktualisierung und Bewertung 2020

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