Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
Hochwasser: WWF fordert Rückbauoffensive von Bundesregierung
Wien, 6. Juni 2013 – Alle Maßnahmen für den Hochwasserschutz haben bisher nicht ausgereicht, weil das Problem nicht umfassend bekämpft wird. Das ist die Erkenntnis, die auch der Bundesregierung angesichts des aktuellen Hochwassers einleuchten muss, so der WWF. Technischer Hochwasserschutz reicht nicht aus, da wir aufgrund des Klimawandels, der Flussverbauung und der Versiegelung der Böden mit neuerlichen Hochwasserkatastrophen in den nächsten Jahren rechnen müssen. Der WWF hat in einer Studie berechnet, dass den Flüssen in Österreich 84.000 Hektar an flussnahen Flächen zurückgegeben werden müssen. „Flutkatastrophen wie die aktuelle sind auch zum Teil hausgemacht. Für jeden Euro, der in den technischen Hochwasserschutz fließt, braucht es einen Euro, der für den Rückbau der Flusskorsette verwendet wird“, so WWF-Flussexperte Christoph Walder. Der WWF fordert daher ein neues Bundeshochwasserschutzprogramm.
Von 100.000 Flusskilometern in Österreich wurden seit 1950 30.000 Kilometer begradigt und verbaut. Insgesamt leiden die Flüsse unter 56.000 Querbauten und 5.000 Wasserkraftwerken, die ihre ökologische Funktionsfähigkeit beeinträchtigen. In den letzten 60 Jahren gingen 4.000 Quadratkilometer Überschwemmungsflächen verloren. Das entspricht der gesamten Fläche des Burgenlandes. Allein seit dem letzten „Jahrhunderthochwasser“ 2002 wurden weitere 400 Quadratkilometer Boden versiegelt – eine Fläche so groß wie Wien. „In dieser Zeit entstanden etwa vier Milliarden Euro an Katastrophenschäden. Wenn wir dieses Geld in ökologischen Hochwasserschutz investiert hätten, wären die Schäden heute wesentlich geringer“, so Walder. Der WWF tritt für Schadensvorbeugung ein statt nachträglicher Reparaturen.
Die WWF-Studie „Jeder Hektar zählt“ zeigt, dass in Österreich 86.000 Hektar Flächen an den Flüssen zurückgebaut werden müssen. Dazu zählen die Aufweitung der Flussbetten, die Neuschaffung von Auwäldern und Retentionsräumen sowie die Anbindung von Seitengewässern. Vor allem müssen an den risikoreichen Flussabschnitten, wo die Hochwasserschäden am größten sind, weiträumigere Überschwemmungsflächen gebildet werden. „Wir müssen uns an die veränderten Verhältnisse durch den Klimawandel anpassen und endlich Maßnahmen setzen, sonst haben wir in wenigen Jahren die nächste Hochwasserkatastrophe zu erwarten“, richtet Walder einen dringenden Appell an die Bundesminister Nikolaus Berlakovich und Doris Bures. „Rückbauprojekte sind auch für die Wirtschaft lukrative Bauvorhaben“, so Walder.
Der WWF hat eine Karte der österreichischen Flusslandschaft erstellt, in denen keine neuen Verbauungen mehr stattfinden dürfen. Solche No-Go-Zonen betreffen vor allem die wertvollen Flussjuwelen, die neben dem Hochwasser- und Trinkwasserschutz auch zur Erhaltung der Artenvielfalt beitragen und für die Naherholung und den Tourismus wichtig sind. Besonders an Inn und Lech, aber auch an der Oberen Traun und der March müssen diese Tabuzonen eingehalten werden. „Intakte Flüsse schützen nicht nur vor Hochwasser sondern sichern auch unser Trink- und Grundwasser und erhöhen die Artenvielfalt“, so Walder abschließend.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, WWF Pressesprecher, Tel. 01-48817-231, E-Mail: franko.petri@wwf.at.
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