Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Neue Chance für den Luchs
Molln, am 12. Mai 2011 – Am 9. Mai wurde eine junge Luchsin aus der Schweiz in den Nationalpark Kalkalpen übersiedelt, um der regionalen Luchspopulation auf die Sprünge zu helfen. Ein Luchsmännchen soll entweder im Herbst 2011 oder im Frühjahr 2012 freigelassen werden. “Unsere Region spielt für die Wiederbesiedlung des Luchses im Alpenraum eine Schlüsselrolle”, erklärt Nationalpark Direktor Dr. Erich Mayrhofer. “Wir hoffen, dass sich die Luchsin im neuen Lebensraum wohlfühlt, sich artgerecht verhält und schließlich für Nachwuchs sorgt, denn eine Reproduktion konnten wir in der Nationalpark Kalkalpen Region bislang nicht belegen.” Derzeit werden zwei bis drei Luchse in der Nationalpark Kalkalpen Region vermutet. Das Luchsvorkommen auf österreichischem Staatsgebiet insgesamt schätzen Wildtierexperten auf wenige einzelne Tiere, wobei im Mühlviertel regelmäßig Nachwuchs festzustellen ist.
Einst in weiten Teilen Europas ausgerottet, entdeckt der Luchs seit einigen Jahren seine alte Heimat wieder: 1996 kehrte ein Tier nach 150 Jahren Abwesenheit erstmalig in die Kalkalpen-Region zurück. Auch im Norden Österreichs, wie dem Böhmerwald und dem Mühl- und Waldviertel, gibt es immer wieder Nachweise. Doch die Luchsvorkommen Österreichs sind sehr klein und zerstückelt. Ein Pilotprojekt im Nationalpark Kalkalpen soll dem scheuen Waldbewohner jetzt die natürliche Ausbreitung erleichtern.

Alle gegenwärtigen Luchspopulationen in West- und Mitteleuropa, sind auf Wiederansiedlungsprojekte zurückzuführen. Der Auswilderung von Montag dieser Woche – der ersten seit 30 Jahren in Österreich – ging eine jahrelange Forschungsarbeit des Arbeitskreises LUKA (Luchs Oberösterreichische Kalkalpen) voraus.
Der Nationalpark Oö Kalkalpen hat am 15. Februar 2011 beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) angefragt, ob zwei Luchse aus der Schweiz nach Oberösterreich umgesiedelt werden dürfen. Am 30. März wurde eine zwei Jahre alte Luchsin im Kanton Freiburg in der Schweiz durch die KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) und kantonale Wildhüter im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt eingefangen. Die Luchsin „Freia“ hielt sich danach drei Wochen lang in einer Quarantänestation in Bern auf, wo sie mehrmals tierärztlich untersucht wurde. Schließlich transportierten KORA MitarbeiterInnen das Tier in Begleitung einer Tierärztin in einer Transportbox in den Nationalpark Kalkalpen, wo es mit einem Senderhalsband versehen im Bodinggraben bei Molln freigelassen wurde. Die Jäger sehen die Aktion mit gemischten Gefühlen. „Als jagdbares Wild im Sinne des Gesetzes ist die Jägerschaft für den Luchs verantwortlich und für die Erhaltung einer breiten Artenvielfalt, aber wir stehen eher zur natürlichen Zuwanderung als zu künstlichen Ansiedelungen“, so Oberösterreichs Landesjägermeister ÖR Sepp Brandmayr.

„Kaum war die Transportbox offen, stürmte die Luchsin heraus, rannte über die Wiese und verschwand wenige Sekunden später im Wald“ erzählt Josef Limberger, Obmann des NATURSCHUTZBUNDES Oberösterreich. „Wir begrüßen die bestandsstützenden Maßnahmen im Nationalpark Kalkalpen, welche ja Bedeutung für den gesamten Bereich der nördlichen Kalkalpen haben. Das Sendehalsband schickt ab nun die Daten über den Aufenthaltsort des Wildtieres per SMS an die Mitarbeiter des Nationalparks“, so Limberger.

„Diese Bestandsstützung ist ein wichtiger Impuls für die Zukunft des Luchses im Alpenraum“, freut sich auch Christian Pichler vom Projektpartner WWF Österreich. Für den Schutz und den dauerhaften Verbleib der größten Raubkatze Europas ist allerdings entscheidend, dass Kompromisse im Zusammenleben mit dem Menschen gefunden werden. Dafür braucht es einen Managementplan als geregelten Umgang, der sowohl die Ansprüche des Menschen berücksichtigt, als auch dem Luchs genügend Lebensraum bietet.

Der Luchs im Nationalpark Kalkalpen
Um genaue Informationen über die Notwendigkeit einer Bestandsstützung für den Luchs zu sammeln, formierte sich 2008 der Arbeitskreis LUKA. Darin sind der Nationalpark Kalkalpen, der OÖ Landesjagdverband, das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Uni Wien ebenso vertreten, wie der Naturschutzbund, der WWF und die Österreichischen Bundesforste. Diese verschiedenen Interessensgruppen versuchten einen gangbaren Weg zu finden. So wurde über ein Jahr lang versucht in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und dem Einsatz von über 50 Fotofallen Nachweise für weitere Luchse im Gebiet zu erbringen. Dies ist nicht gelungen und so ist der Nationalpark sogar verpflichtet, Maßnahmen zur Stützung des Bestands durchzuführen.
Nähere Informationen: www.kalkalpen.at
Ansprechpartner:
- Nationalpark Kalkalpen: Dr. Erich Mayrhofer, Tel.: 0664-5248504
- Naturschutzbund Oberösterreich, Tel.: Josef Limberger, Tel. 0664-5130816
- WWF Österreich: Mag. (FH) Lisa Simon, Tel.: 01-48817 215
- OÖ Landesjagdverband: Mag. Christopher Böck, Tel.: 07224 /20083-16
- KORA: Andreas Ryser, Tel.: 0041-793508773
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Wassermangel im Herbst: Sehr niedrige Wasserführung an über 80 Prozent der Flusspegel
September-Bilanz: Massiver Wassermangel in Flüssen von Niederösterreich bis Vorarlberg – Grundwasserstände bleiben vielerorts niedrig – WWF fordert Schutzprogramm und mehr Renaturierung
„Reh umgefahren. Halb so Wild“: WWF legt Beschwerde beim Werberat ein
Naturschutzorganisation kritisiert Verharmlosung von Tierleid und fordert Rücknahme des Smile-Sujets – Werberat sollte sich als klares Signal für Werbestopp oder Sujetwechsel aussprechen
WWF kritisiert späten und lückenhaften Start des Wasser-Registers
Umweltschutzorganisation fordert raschere Umsetzung und umfangreichere Erfassung der Wassernutzung – WWF warnt vor „blinden Flecken“ im Wasserentnahme-Register
Welttierschutztag: WWF fordert Ende der Verfolgung geschützter Wildtiere
Wolfsabschüsse auf Rekordniveau, Tötungskontingente für über 1.000 Biber – WWF: Bund und Länder müssen Prävention und Artenschutz stärken
WWF zu Wolfsabschuss in Arzl: DNA-Befund weist Goldschakal nach
Neuer Landesbefund legt nahe, dass getöteter Wolf für Ziegenrisse nicht verantwortlich war – WWF fordert Aufklärung und Ende voreiliger Abschussfreigaben
Good News: Kakapos kehren nach Neuseeland zurück
Die vom Aussterben bedrohte Vogelart erholt sich: 2026 ist der Bestand in Neuseeland so hoch, wie seit bereits 75 Jahren nicht mehr.
WWF: Tiwag will Gefahrenanalysen weiter geheim halten
Energiekonzern bekämpft gerichtlich angeordnete Herausgabe vor Verfassungsgerichtshof – WWF kritisiert Geheimhaltung sicherheitsrelevanter Informationen – Unterlagen auch für Kaunertal-Ausbau relevant
WWF kritisiert zynische Werbung mit Tierleid: Versicherungsanbieter muss Kampagne stoppen
„Reh umgefahren – halb so wild“: Versicherung verharmlost Wildunfälle – WWF fordert Rücknahme des Sujets und verantwortungsvolle Werbung











