Bund und Länder sollen Gemeinden beim Umbau stark versiegelter Orte unterstützen – Zusätzliche Mittel für Begrünung, naturnahe Gewässer und mehr Wasserrückhalt – EU-Renaturierungsgesetz ambitioniert umsetzen
Tiroler Natur- und Umweltverbände fordern Neustart für den Naturschutz
Als größte Probleme sehen die Naturschutz- und Umweltverbände den überzogenen Ausbau der Wasserkraft, die Übernutzung der letzten Gletscher des Landes, den Artenverlust in der Kulturlandschaft und den enormen Bodenverbrauch ohne Rücksicht auf die knappen natürlichen Ressourcen. Außerdem seien in den letzten Jahren die Verwaltungsstrukturen zu Ungunsten des Naturschutzes verändert worden – zum Beispiel durch die Abschaffung des Naturschutzfonds, die Aufweichung der Ruhegebietsbestimmungen oder die Zersplitterung der Naturschutzkompetenzen zwischen mehreren Landesrät*innen. Es sei an der Zeit, dass die Landespolitik rasch wesentliche Veränderungen in der Naturschutzpolitik einleitet. Die Organisationen formulierten deshalb eine gemeinsame Tiroler Naturschutz-Deklaration, in der die dringendsten Schritte angeführt sind.
Darin fordert der WWF Österreich einen verbindlichen Aktionsplan gegen den Bodenverbrauch und eine Einschränkung des Wasserkraftausbaus. „Überholte Großprojekte, falsche Strategien und intransparente Entscheidungen haben dazu geführt, dass die Tiroler Natur extrem unter Druck steht“, kritisiert Christoph Walder, Leiter des Bereichs Naturschutz beim WWF. „Anstatt Klimaschutz ganzheitlich anzugehen, setzt das Land Tirol derzeit einseitig auf die Verbauung der letzten frei fließenden Flüsse und macht nicht einmal vor den ökologisch wertvollsten Strecken Halt. Diese Vorgehensweise gefährdet unser wertvolles Naturerbe.“ Walder fordert stattdessen von der Landespolitik wirksame Maßnahmen gegen den viel zu hohen Energie- und Ressourcenverbrauch. Nur so könnten die international vereinbarten Ziele zum Schutz von Biodiversität und Klima erreicht werden. Vorsichtig positiv bewertet der WWF die aktuell wieder aufgenommenen Bestrebungen der Regierung zur lange versprochenen Bewahrung der freien Fließstrecke am Inn zwischen Zillertal und Kirchbichl vor weiterem Kraftwerksbau.
Besonderer Handlungsbedarf besteht auch beim Schutz der letzten Hochgebirgsregionen und Gletscherlebensräume. „Das Land Tirol muss sich wieder zum bedingungslosen Schutz der Gletscher bekennen und die ‚Seele der Alpen‘ schützen“, so Clemens Matt, Generalsekretär des Alpenvereins. Der Präsident der Tiroler Naturfreunde, Leopold Füreder, fordert vom Land eine „rasche Wiederherstellung des rechtlichen Status des Gletscherschutzes von vor 2005 und ein Ende der Ausnahmen für Mega-Projekte wie den Zusammenschluss von Pitztal-Ötztal.“ Gerade angesichts des dramatischen Gletscherschwundes sei die Sicherung der letzten Hochgebirgsregionen ein zentrales Gebot der Stunde.
Die Vogelschutzorganisation BirdLife sieht für Tirol noch eine letzte Chance, um den Artenverlust in extensiv bewirtschafteten Regionen aufzuhalten und eine nachhaltige Landwirtschaft sicherzustellen. „Dazu braucht es ein Steuerungsgremium der Interessensvertreter, in dem quantitative Ziele, ein konkreter Zeitplan und Maßnahmen gemeinsam festgelegt werden. Dazu hat die Landesregierung bereits ihre Zustimmung signalisiert“, erklärt Gabor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. Eine der Maßnahmen sollte die Ausarbeitung eines Wiesenbrüter-Aktionsplans sein, um gefährdete Arten wie das Braunkehlchen oder die Feldlerche zu schützen.
Auch die Forderung nach klaren Zuständigkeiten und geeigneten Instrumenten für den Naturschutz ist Teil der Tiroler Naturschutz-Deklaration. „Erfolgreicher Naturschutz braucht klare Regeln. Dazu zählt, dass die Kompetenzen in eine politische Hand gehören. Derzeit sind sie aber zwischen den Ressorts von stellvertretenden Landeshauptleute Geisler und Felipe aufgeteilt“, erklärt Roman Türk, Präsident des Naturschutzbundes Österreich. Darüber hinaus brauche es wieder einen eigenen Tiroler Naturschutzfonds, die Wiederherstellung beim Schutz der Ruhegebiete und die Umsetzung längst versprochener Schutzgebiete an Tiroler Gewässern.
News
Aktuelle Beiträge
WWF und BirdLife fordern „Aktion scharf gegen Giftköder“
Grausame Geier-Vergiftung im Lesachtal muss Konsequenzen haben – Verbotenes Nervengift für 90 Prozent aller nachgewiesenen Wildtier-Vergiftungen verantwortlich – Seit Jahrzehnten verboten, aber bis heute eingesetzt
WWF: Anhaltende Hitzewelle belastet Wildtiere
Hitze und Trockenheit setzen Amphibien, Jungvögeln und Schmetterlingen besonders zu – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und gibt Tipps, um Wildtieren zu helfen
llegaler Tigerhandel: Neuer Report zeigt Schwächen in Südostasiens Justizsystemen
WWF, GuArdean und TRAFFIC analysieren Strafverfolgung in sieben Tiger-Verbreitungsstaaten – Drahtzieher und Geldgeber werden bisher zu selten belangt – WWF fordert verstärkte Kontrollen und internationale Zusammenarbeit
Italienischer Top-Experte kritisiert Tiroler Wolfsabschuss: WWF fordert lückenlose Aufklärung
Zoologe Marco Apollonio bezeichnet Abschuss von Forschungswolf Mirco als „dumm und unnötig“ – WWF verlangt vollständige und transparente Aufklärung durch die Tiroler Landesregierung.
WWF-Erfolg: Mehr Wasser für den Mühlbach
Mehr Wasser, mehr Artenvielfalt: Dank der erfolgreich umgesetzten Maßnahme an der Grenzmur führt der Mühlbach heute mehr als doppelt so viel Wasser wie früher.
Forschungswolf getötet – WWF kritisiert überzogene Abschusspolitik in Tirol
Artenschutzorganisation fordert Kurskorrektur im Wolfsmanagement – Besenderte Wölfe liefern wertvolle Daten für Herdenschutz und Prävention – Italien forscht, Österreich schießt ab
Kampf gegen Plastikmüll: WWF weitert Offensive gegen Geisternetze im Mittelmeer aus
Plastikkrise im Mittelmeer spitzt sich zu – Bereits vier Tonnen alte Fischereisausrüstung geborgen – Neue Tauchausbildung soll Bergungsmenge bis Jahresende verdoppeln – Ausweitung von Meeresschutzgebieten gefordert
WWF: Portugal investiert groß in Renaturierung, Österreich soll nachziehen
Portugal will 500 Millionen Euro jährlich in Wiederherstellung der Natur investieren – Gemessen an der stärkeren Wirtschaftskraft wären das in Österreich rund 840 Millionen Euro pro Jahr – WWF fordert rasche Vorlage des gesamten Renaturierungsplans von Bund und Ländern










