Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
Waljagd vor Gericht
Hamburg, 26.06.2013: Über Japans Walfang rund um die Antarktis verhandelt ab heute der Internationale Gerichtshof in Den Haag. Australien hatte im Mai 2010 rechtliche Schritte gegen die japanische Regierung eingeleitet. Die australische Regierung wirft Tokio vor, mit dem japanischen Walfangprogramm zu „wissenschaftlichen Zwecken“ im Südpolarmeer internationale Regelungen zu verletzen. Der WWF lobt die australische Regierung dafür, den Fall vor den Internationalen Gerichtshof getragen zu haben: „Diese Gerichtsverhandlung leitet hoffentlich endlich das Ende der Waljagd im Südpolarmeer ein. Wenn es einen Ort auf der Welt gibt, wo Wale unbedingt geschützt werden müssen, sind es die eisigen Gewässer um die Antarktis. Viele Bartenwale finden ihre Nahrung hauptsächlich hier, ihre geschrumpften Populationen sind auf einen vollständigen Schutz im Südpolarmeer angewiesen“, betont Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF. Bereits 1994 wurde die Meeresregion von der IWC (Internationale Walfang Kommission) zum Walschutzgebiet erklärt, trotzdem jagt Japans Flotte die Meeressäuger dort weiterhin. „Japan nutzt ein Schlupfloch im Walfangmoratorium der IWC, das die Jagd zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt – auch im Südpolarmeer sind die Meeresriesen nicht sicher“, so Homes.
Aufgrund der langsamen Reproduktionszyklen haben sich viele Walarten noch immer nicht von den dramatischen Bestandsrückgängen durch den kommerziellen Walfang bis zum Jahr 1986 erholt. Mehr als 200.000 Südliche Blauwale lebten im Südpolarmeer, bevor sie im zwanzigsten Jahrhundert massiv bejagt wurden. Schätzungen zufolge ist die Population auf etwa 2.300 Tiere geschrumpft. Zur Nahrungssicherung sind die dezimierten Populationen der großen Bartenwale vollständig auf das Südpolarmeer mit seinem massenhaften Krillvorkommen angewiesen, um sich einen Fettspeicher anzufressen, von dem sie den Rest des Jahres zehren. Riesige Krillschwärme mit bis zu 30.000 Individuen pro Kubikmeter bilden die wichtigste Proteinquelle des Polarmeers und sind das Fundament des marinen Nahrungsnetzes. Jeder Blauwal vertilgt im Sommer ca. 40 Millionen Krill-Krebse täglich, das entspricht etwa vier Tonnen. Nur dank der hohen Krilldichte in den antarktischen Gewässern ist die Nahrungssuche der riesigen Meeressäuger energieeffizient genug.
Größtes Meeresschutzgebiet der Welt für das Südpolarmeer?
Auch für Robben, Fische, Pinguine und andere Seevögel bildet der antarktische Ozean Nahrungsgrundlage und Lebensraum. Zunehmende Fischerei (auch auf Krill), Tourismus und Klimawandel gefährden das empfindliche Ökosystem jedoch. Der WWF setzt sich deshalb dafür ein, zwei besonders unberührte und ökologisch wertvolle Regionen des Südpolarmeers zusätzlich als Meeresschutzgebiete auszuweisen, in denen Fischerei und anderen menschliche Aktivitäten reguliert werden. Auf diese Weise würde das größte Meeresschutzgebiet der Welt entstehen. Mitte Juli soll in Bremerhaven auf einer Sondersitzung der zuständigen internationalen Kommission CCAMLR (Kommission zum Schutz der lebenden marinen Ressourcen der Antarktis) über die Errichtung der Schutzzonen entschieden werden, nachdem die Verhandlungen im letzten Herbst gescheitert waren. „Das Südpolarmeer ist das unberührteste aller Meere, die eisigen Gewässer gehören zu den letzten Rückzugsräumen auf diesem Planeten und sind Lebensraum für viele bedrohte Wal- und Pinguinarten. Dieser Schatz der Natur verdient unseren Schutz“, so WWF-Experte Volker Homes.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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