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Weltnaturkonferenz: WWF warnt vor Verfehlen der 2030-Ziele

Wien/Jerewan, am 16. Oktober – Die bisherigen Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt reichen weltweit bei weitem nicht aus, um die vereinbarten Ziele bis 2030 zu erreichen. Das zeigt der globale Fortschrittsbericht zur Umsetzung des Weltnaturabkommens, der bei der Weltnaturkonferenz COP17 ab 19. Oktober in Jerewan auf der Tagesordnung steht. Wesentliche Lücken bestehen laut einer WWF-Bewertung bei der Finanzierung, beim Abbau biodiversitätsschädlicher Subventionen und bei der Bekämpfung der Ursachen des Naturverlusts. „Für die Umsetzung des Abkommens gibt es zur Halbzeit ein glattes Nicht genügend. Ohne eine grundlegende Kurskorrektur werden die Regierungen alle globalen Naturschutz-Ziele bis 2030 verfehlen”, warnt WWF-Artenschutz-Experte Georg Scattolin.
Mit dem 2022 beschlossenen Weltnaturabkommen haben sich die Staaten verpflichtet, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 zu stoppen und eine Trendwende einzuleiten. Unter anderem sollen mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen weltweit wirksam geschützt werden. Bei der COP17 steht erstmals eine globale Überprüfung der Umsetzung an. Der WWF fordert, dass die Staaten daraus konkrete zusätzliche Maßnahmen mit klaren Zuständigkeiten, gesicherter Finanzierung und überprüfbaren Ergebnissen ableiten. Auch die Landwirtschafts-, Energie- und Finanzpolitik müssten ihre Entscheidungen stärker an den Naturzielen ausrichten.
Österreich: Nur rund drei Prozent der Fläche streng geschützt
Auch in Österreich sieht der WWF große Lücken bei der Umsetzung der globalen Ziele. Die Naturschutzorganisation kritisiert fehlende strategische Prioritäten und eine zu geringe Berücksichtigung der Naturziele in anderen Politikbereichen, von der Landwirtschaft bis zum Energiesektor. „In Österreich zeigen sich die globalen Versäumnisse wie unter dem Mikroskop. Vom politischen Willen über die Erfolgskontrolle bis zur Finanzierung gibt es große Defizite“, sagt WWF-Experte Georg Scattolin.
Nur scheinbar auf Kurs ist Österreich beim Schutz wertvoller Lebensräume: Rund 29 Prozent der Landesfläche stehen laut offiziellen Zahlen unter Schutz. Streng geschützt sind jedoch nur rund drei Prozent, etwa in Nationalparks und Wildnisgebieten. Rund 15 Prozent entfallen auf Europaschutzgebiete. Die übrigen eingerechneten Flächen sind im Wesentlichen gering geschützt oder dienen vor allem dem Erhalt des Landschaftsbilds. Zudem fehlen in vielen Schutzgebieten wirksame Managementpläne und ausreichende personelle und finanzielle Mittel. „Dadurch sind bedrohte Arten und ihre Lebensräume auf dem Papier oft besser geschützt als in der Realität“, kritisiert Scattolin.
Kaukasus: Rückzugsraum für Leoparden und Wisente
Mit Armenien findet die Weltnaturkonferenz in einer für den internationalen Artenschutz besonders wichtigen Region statt. Im Kaukasus engagiert sich der WWF Österreich seit Jahrzehnten für seltene Arten: Für Persische Leoparden werden isolierte Lebensräume durch Wanderkorridore verbunden, damit die Tiere Partner finden und sich fortpflanzen können. Europäische Bisons, die in der Region ausgerottet waren, werden in Aserbaidschan wiederangesiedelt. „Der Kaukasus zeigt, welche Naturschätze auf dem Spiel stehen. Die Regierungen müssen sich in Jerewan auf konkrete Schritte einigen, um bedrohte Arten und ihre Lebensräume weltweit wirksamer zu schützen“, sagt WWF-Experte Scattolin.
Natur unter Druck: Die Krise in Zahlen
Schrumpfende Tierbestände weltweit, bedrohte Arten und geschädigte Lebensräume vor der Haustür: Die folgenden Zahlen zeigen, wie groß der Handlungsbedarf ist.
- 73 Prozent Rückgang weltweit: Laut dem WWF Living Planet Report sind die untersuchten Wirbeltierpopulationen zwischen 1970 und 2022 im Durchschnitt um 73 Prozent geschrumpft.
- Süßwasser besonders betroffen: In Flüssen, Seen und anderen Süßwasserlebensräumen gingen die erfassten Tierbestände im selben Zeitraum durchschnittlich um 85 Prozent zurück. An Land betrug das Minus 69 Prozent, in den Meeren 59 Prozent.
- Österreichs Arten und Lebensräume unter Druck: Laut dem aktuellen FFH-Bericht Österreichs an die Europäische Kommission weisen rund 81 Prozent der darin bewerteten Arten und 77 Prozent der geschützten Lebensraumtypen keinen günstigen Erhaltungszustand auf.
- Fließgewässer stark beeinträchtigt: In Österreich befinden sich nur noch 14 Prozent der Fließgewässer in einem sehr guten ökologischen Zustand.
- Moore weitgehend zerstört: Rund 90 Prozent der heimischen Moore sind bereits zerstört. Nur mehr ein Prozent gilt als ökologisch intakt.
- Unter dem EU-Schnitt: Österreichs Natura-2000-Gebiete umfassen 15,4 Prozent der Landesfläche. Der EU-Schnitt liegt bei 18,6 Prozent. Österreich belegt damit nur Rang 16 unter den 27 Mitgliedstaaten.
„Mit jedem weiteren Biodiversitätsverlust geraten auch unsere Lebensgrundlagen stärker unter Druck. Gesunde Flüsse, Wälder und Böden sichern sauberes Wasser, fruchtbare Äcker und natürlichen Schutz vor Extremwetter“, sagt WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin.
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