Ausgerechnet eines der wichtigsten Sanierungsgebiete im Nationalpark Donau-Auen ist bisher nicht ausgewiesen – WWF sieht kritische Lücke und fordert Nachmeldung durch Wien und Niederösterreich beim Umweltministerium
WWF fordert Sieben-Punkte-Plan gegen zunehmende Dürre
Angesichts zunehmender Dürreperioden und sinkender Wasserstände fordert der WWF ein Sieben-Punkte-Programm für den „Wasserschatz Österreich“. Im Zentrum steht ein grundlegender Umbau der Wasserwirtschaft: weg von schneller Ableitung, hin zu mehr Wasserrückhalt in der Landschaft, weniger Bodenversiegelung und einer konsequenten Renaturierung. „Österreichs Wasserpolitik ist nicht mehr klimatauglich“, sagt WWF-Experte Bernhard Kohler. „Das bisherige System geht von einem Wasserüberschuss aus und leitet Wasser möglichst schnell ab. Das ist in Zeiten der Klimakrise nicht mehr zeitgemäß“, sagt Kohler. Besonders im pannonisch geprägten Ostösterreich zeige sich, dass dieses Modell zunehmend an seine Grenzen stößt: „Natürliche Wasserspeicher werden in regenreichen Perioden zu rasch geleert. Das hat in Trockenzeiten massive Folgen für Flüsse, Feuchtgebiete und Landwirtschaft.“
Der WWF fordert daher von Bundesminister Norbert Totschnig einen bundesweiten Reformplan mit einer klaren Priorität für natürliche Lösungen. „Österreich braucht funktionierende Ökosysteme und einen sparsamen, vorausschauenden Umgang mit Wasser. Ein Weiter-wie-bisher können wir uns nicht mehr leisten“, sagt Kohler. Zentral sei die Entwicklung sogenannter Schwammlandschaften, die Wasser in der Fläche halten, statt es rasch abzuleiten. Dafür müssten unter anderem mehr Feuchtgebiete und Flüsse renaturiert werden, während die Bodenversiegelung eingedämmt wird. Zugleich sollte der Biber als Renaturierungs-Helfer aktiv gefördert werden.
Die Naturschutzorganisation warnt vor einem sich verstärkenden Kreislauf: Bleiben Niederschläge aus, wird vermehrt Grundwasser zur Bewässerung genutzt. Die Speicher können sich jedoch oft nicht rasch genug erholen, etwa wegen zu viel Bodenversiegelung, Flussregulierungen und der Entwässerung von Feuchtgebieten durch eine flächendeckende und zu intensive Landwirtschaft. Die Folge sind sinkende Grundwasserspiegel und die zunehmende Austrocknung ökologisch wertvoller Regionen. „Dürren lassen sich nicht verhindern, ihre Auswirkungen aber begrenzen: durch mehr Wasserrückhalt und einen sorgfältigeren Umgang mit Wasser“, sagt WWF-Experte Kohler.
WWF-Maßnahmenpaket für den Wasserschatz Österreich
- Feuchtgebiete wiederherstellen: Ein Großteil der ursprünglichen Moore, Auen und Feuchtgebiete ist entwässert, abgedämmt und trockengelegt worden. Der WWF fordert daher ein Ende weiterer Eingriffe sowie einen ambitionierten, ausreichend finanzierten Wiederherstellungsplan für ganz Österreich.
- Zerstörung kleinflächiger Feuchtgebiete stoppen und Anreizmaßnahmen für ihre Erhaltung schaffen: Speziell kleinflächige Feuchtgebiete fallen immer noch land- und forstwirtschaftlichen „Meliorations”-Maßnahmen zum Opfer. Sie werden zugeschüttet, entwässert, verrohrt – oft in Zusammenhang mit Kommassierungs-Maßnahmen, Wegebau und Grundstücks-Arrondierungen. Den Land- und Forstwirten müssen daher aktiv Anreize geboten werden, auch kleine Feuchtlebensräume zu erhalten. Denn in ihrer Gesamtheit tragen auch kleinflächige Gebiete positiv zum Landschaftswasserhaushalt bei.
- Flüsse schützen und renaturieren: Begradigte und kanalisierte Gewässer verschärfen sowohl Dürre als auch Hochwasser. Naturnahe Flüsse stabilisieren den Grundwasserspiegel und mildern die Folgen von Starkregen.
- Den Biber als Renaturierungs-Helfer fördern: Biber leisten kostenlose, höchst wirksame Renaturierungsarbeit, die einem ausgeglichenen Wasserhaushalt, der Grundwasserspeisung, dem Hochwasserschutz und der CO2-Speicherung dient sowie die Biodiversität fördert. Dem Biber Platz in unserer Landschaft einzuräumen und ihn als Helfer bei der Renaturierung einzusetzen, ist wesentlich effizienter und kostengünstiger, als gleichwertige technische Maßnahmen zu setzen.
- Böden schützen und entsiegeln: Weniger Versiegelung verbessert die Grundwasserneubildung, reduziert Hochwasserrisiken und erhält fruchtbare Böden.
- Wasser sorgfältiger nutzen: Größere Wassernutzer sollten gemäß EU-Vorgaben (Verursacherprinzip der Wasserrahmenrichtlinie) stärker zur Kostendeckung beitragen, um für einen sparsameren Umgang mit knappen Wasserressourcen zu sorgen.
Transparenz erhöhen: Einführung eines bundesweiten Wasserentnahmeregisters, um im Krisenfall besser planen und steuern zu können.
News
Aktuelle Beiträge
Rekordtemperaturen, Massentourismus, Überfischung: WWF fordert 5-Punkte-Schutzpaket für das Mittelmeer
Umweltschutzorganisation macht auf dramatischen Zustand des Mittelmeers aufmerksam – Konkrete Maßnahmen gegen Plastikverschmutzung, Überfischung, intensive Schifffahrt und Artensterben gefordert
Hitzewelle: Stark gefährdete Huchen in der Pielach verendet
Fotobelege aus Wasserkraft-Restwasserstrecken – WWF fordert akute Wasserabgabe, Schutzprogramm und rasche Renaturierung der letzten Huchenflüsse
WWF-Analyse stellt Tiroler Abschuss von Forschungswolf infrage
Auswertung der Standortdaten zeigt unauffällig wandernden Wolf abseits von Ortschaften – Forschungsleiter kritisiert Vorgehen der Behörden – WWF fordert volle Aufklärung durch Landesregierung
WWF kritisiert Niederösterreichs Angriff auf Renaturierung scharf
Naturschutzorganisation: Blockade-Drohung ist fahrlässig und verantwortungslos – Wiederherstellung der Natur schützt Gemeinden vor Hitze, Hochwasser und Folgekosten
WWF: Wolfsabschüsse erreichen bereits zur Jahresmitte neuen Höchststand
Mindestens 23 Abschüsse allein im ersten Halbjahr 2026 – Von Jänner bis Juni schon mehr behördliche Tötungen als im gesamten Vorjahr – WWF kritisiert aggressives Vorgehen gegen geschützte Art
March erstmals über 30 Grad: WWF warnt vor Hitzestress für Fische
Neuer Höchstwert von 30,3 Grad bei Hohenau – Bisheriger Rekord aus 2018 deutlich überschritten – WWF fordert Ausweitung von Renaturierungsprojekten
WWF-Kritik an Linzer “Österreich-Deklaration”: Stillstand beim Bodenschutz wird zementiert
Zitierte ÖROK-Zahlen zeigen massive Zielverfehlung von Bund und Ländern
Hitze – WWF fordert Sonderbudget für Entsiegelung und Renaturierung
Bund und Länder sollen Gemeinden beim Umbau stark versiegelter Orte unterstützen – Zusätzliche Mittel für Begrünung, naturnahe Gewässer und mehr Wasserrückhalt – EU-Renaturierungsgesetz ambitioniert umsetzen










