Bundespräsident Alexander Van der Bellen ruft gemeinsam mit WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides zur Teilnahme an der globalen Klima- und Naturschutz-Aktion auf
WWF und Naturschutzbund Steiermark: UVP-Auflagen beim Murkraftwerk klar verletzt
Bagger überrollen europaweit geschützte Würfelnattern
Presseaussendung
Graz, Innsbruck 22. Februar 2017 Möglichst vollständig hätte die Energie Steiermark die streng geschützten Würfelnattern vor Beginn der Rodungen für das Murkraftwerk absammeln und umsiedeln müssen. So schreibt es der gültige Bescheid des Umweltsenates vor. Tatsächlich handelte es sich um maximal zehn bis 20 Prozent. „Die EStAG hat angegeben, dass vor dem Fällen der Uferbäume 755 Würfelnattern abgesammelt wurden“, erklärt Gebhard Tschavoll vom WWF „In Wirklichkeit wurden jedoch nur 84 Exemplare der laut Roter Liste stark gefährdeten Reptilienart in Sicherheit gebracht – eine eklatante Verletzung der UVP-Auflagen.“
Die Beantwortung einer Anfrage nach dem Umwelt-Informations-Gesetz von Naturschutzbund und WWF an Landesumweltanwältin Ute Pöllinger brachte diese neuen Tatsachen ans Licht. Sie hat Akteneinsicht in den Bericht der EStAG genommen. In der Periode zwischen April und Oktober 2016 wurden lediglich 84 Exemplare der laut der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU gefährdeten und streng geschützten Würfelnatter gefangen und abgesammelt. Bei den übrigen Tieren handelte es sich um andere Reptilienarten, vor allem um Blindschleichen. Von Seiten der Landesumweltanwaltschaft wurde daraufhin eine Beschwerde bei der zuständigen UVP-Behörde eingereicht.
Dr. Werner Kammel, international anerkannter Reptilienexperte, leitete in den Jahren 2013 bis 2016 im Auftrag der Umweltanwaltschaft vergleichende Erhebungen in Sachen Würfelnatter an den betroffenen Murufern. „Bei den Untersuchungen wurde klar, dass es sich um einen bedeutenden Würfelnatter-Lebensraum handelt. Allein im Abschnitt Puntigamer Brücke bis zur Seifenfabrik konnten wir mit unserem wissenschaftlich fundierten Monitoring nachweisen, dass wahrscheinlich 800 – jedenfalls über 400 – Würfelnattern dort leben und sich auch fortpflanzen“, so Kammel. Der Rodungsbereich ist aber erheblich größer.
Oliver Gebhardt von der Steirischen Naturschutzjugend, der gemeinsam mit Kammel die Würfelnatter-Erhebung durchgeführt hatte, ist fassungslos: „Obwohl man bei der EStAG über die abzufangende Anzahl der Würfelnatter informiert war, wurden die Rodungen rücksichtslos durchgeführt. Die Auflage aus dem Verfahren, die Würfelnattern möglichst vollständig abzusammeln, wurde nicht erfüllt“.
WWF und Naturschutzbund Steiermark haben bereits bei der zuständigen Umweltbehörde und bei Staatsanwaltschaft Anzeigen und Sachverhaltsdarstellungen zur Würfelnatter eingebracht. „Das Vorgehen der Energie Steiermark widerspricht den Anordnungen, die man laut UVP-Bestimmungen hätte durchführen müssen“, kritisieren Johannes Gepp, Präsident des Naturschutzbundes Steiermark und Gebhard Tschavoll vom WWF, „die Behörde muss jetzt tätig werden!“ Erneut fordern die Naturschutzorganisationen einen sofortigen Baustopp und Gespräche unter Einbindung aller Beteiligten.
Rückfragehinweis:
Gebhard Tschavoll, WWF Kampagnenleiter Alpenflüsse, +43 676 83488303, gebhard.tschavoll@wwf.at
Christine Podlipnig, Naturschutzbund Steiermark Pressesprecherin +43 316 322 377 12, christine.podlipnig@naturschutzbundsteiermark.at
Mag. Dr. Werner Kammel, Landschaftsökologe +43 664 2220941 office@wernerkammel.at,
Oliver Gebhardt, Steirische Naturschutzjugend, +436643852343, oliver.gebhardt@naturschutzjugend.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Klimaschutz-Monitor: Schlechte Klimapolitik wird zum Milliardenrisiko
Analyse nach erstem Jahr der Dreier-Koalition zeigt große Defizite – Bundesregierung verspielt Erreichen der Klimaziele und erzeugt Milliardenrisiken für Budget – WWF fordert Kurskorrektur
Bundesregierung: Erstes Bodenschutz-Zeugnis zeigt große Defizite
WWF-Bodenschutz-Monitor 2026 veröffentlicht: Ein Jahr nach Regierungsstart prägen Stillstand und Rückschritte die Bodenpolitik – Widmungsabgabe als positive Ausnahme
Video: Animation zeigt Klimarisiken im Kaunertal
Eine ZDF-Animation zeigt, was passieren könnte, wenn ein Felssturz den Gepatsch-Stausee trifft.
Notruf vom Nordpol: WWF warnt vor zunehmenden Gefahren für die arktische Tierwelt
Eisbären, Walrosse und Ringelrobben leiden unter Klimakrise und Öl-Industrie – WWF fordert konsequenten Ausstieg aus fossiler Energie und wirksam geschützte Rückzugsräume
Good News: Seltene Gorilla-Zwillinge im Virunga-Nationalpark geboren
Seltene Neuigkeiten aus dem Virunga-Nationalpark: Gorillaweibchen Mafuko hat Zwillinge bekommen!
„Achtung Gefahr“: WWF protestiert mit 20-Meter-Banner gegen Kaunertal-Ausbau
Massive Gefahren für Bevölkerung und Natur weiterhin ungeklärt – UVP-Unterlagen „skandalös unvollständig“ – WWF macht mit Riesen-Banner auf Sicherheitsrisiken aufmerksam
Nach Massen-Fischsterben: WWF fordert Wasser-Rettungspaket für Untere Lobau
Naturschutzorganisation: Langjähriger Wassermangel wirkt sich in niederschlagsarmen und kälteren Wintern besonders fatal für Fische aus – Stadt Wien sollte rasch mit Gegenmaßnahmen starten
WWF-Erfolg: Wisente erfolgreich im Kaukasus ausgewildert
Es war der Start eines großen Abenteuers für 18 Wisente: Die Tiere konnten erfolgreich im Kaukasus ausgewildert werden und somit in ihre Heimat zurückkehren. Darunter auch Ina, eine selbstbewusste und forsche Kuh aus Innsbruck.










