Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz
WWF zu neuem UN-Bericht: Die Welt scheitert am Schutz der biologischen Vielfalt
"Global Biodiversity Outlook" belegt Verfehlen aller 20 Aichi-Ziele zum Erhalt der biologischen Vielfalt – WWF fordert globalen Naturschutzpakt und Stopp des schädlichen Flächenfraßes – Auch Österreich muss deutlich mehr als bisher tun
Wien, Montreal, 15. September 2020. „Auf ganzer Linie gescheitert“ – das ist das Fazit der Naturschutzorganisation WWF Österreich zum fünften „Global Biodiversity Outlook“ der Vereinten Nationen. Laut dem am Dienstag veröffentlichten Report verfehlen die Vertragsstaaten der UN-Biodiversitätskonvention alle 20 Aichi-Ziele, die sie sich bereits vor zehn Jahren gegeben hatten, um die Natur besser zu schützen. „Die biologische Vielfalt ist bedrohter denn je. Unsere Natur wird ausgebeutet als gäbe es kein Morgen. Dennoch schaut die Politik beim Artensterben immer noch lieber weg, anstatt die längst überfälligen Gesetze zu beschließen“, kritisiert WWF-Experte Georg Scattolin. Der aktuelle Living Planet Report zeigt, dass die untersuchten wildl lebenden Bestände von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien seit 1970 um durchschnittlich 68 Prozent eingebrochen sind. Laut früheren UN-Angaben sind bis zu einer Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht.
Eine Trendwende ist möglich, erfordert aber konkrete Maßnahmen gegen den Raubbau an der Natur: Zum Beispiel sollte ein Drittel der Land- und Meeresfläche unter Schutz gestellt werden, während parallel dazu die Wurzeln des Artensterbens angegangen werden. „Wir brauchen einen globalen Naturschutzpakt nach dem Vorbild des Pariser Klimavertrags. Einerseits gehören Arten und ihre Lebensräume besser geschützt, andererseits müssen wir eine Ernährungswende einleiten, um Lebensmittel umweltfreundlicher zu produzieren und zu konsumieren. Auch der enorme Flächenfraß muss gestoppt werden. Sowohl wir Menschen als auch die Natur würden davon enorm profitieren.“, fordert WWF-Experte Georg Scattolin.
Probleme und Lösungen bekannt – was tut die Politik?
Zu den Treibern des Artensterbens zählen der viel zu hohe Flächenfraß, die Zerstörung und Übernutzung von Lebensräumen, die Entwaldung, der illegale Wildtierhandel und die Wilderei. Darüber hinaus setzen viele Länder – darunter auch Österreich – immer noch auf umweltschädliche Subventionen in Milliardenhöhe. „Wir kennen die Probleme, aber auch die Lösungen, nur fehlt bisher der politische Wille zur Umsetzung. Würden die Börsenkurse ähnlich einbrechen wie die Biodiversität, wären schon längst konkrete Hilfspakete beschlossen“, kritisiert Georg Scattolin. „Auch Österreichs Bundesregierung muss deutlich mehr tun. Besonders wichtig ist eine ambitionierte Biodiversitätsstrategie mit klaren Zielen, Vorgaben und Budgets.“
Rückfragehinweis:
Volker Hollenstein
Leiter Politik und Kommunikation WWF Österreich
Mobil: +43664 501 31 58
E-Mail: volker.hollenstein@wwf.at
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