Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Vielfalt braucht Weide: “Arten-Boom” im WWF-Auenreservat Marchegg

Mehr Insekten, mehr Pflanzen, mehr Störche: Das ist das Ergebnis von zehn Jahren naturnaher Beweidung im WWF-Auenreservat Marchegg. Seit 2015 leben Konik-Pferde ganzjährig auf den weitläufigen Flächen des Gebiets entlang der March. Im Sommer werden zusätzlich Rinder zur Beweidung eingesetzt. Der WWF zieht nun erneut eine positive Bilanz des Projekts. “Durch die Beweidung haben wir einen wahren Arten-Boom im Reservat erlebt. Unsere Weidetiere schaffen vielfältige Lebensräume, von denen stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten profitieren”, sagt WWF-Experte Jurrien Westerhof. Aufgrund des großen Erfolgs in Marchegg fordert der WWF nun eine Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte in Österreich.
Naturschutz mit Huf und Horn
Das Herzstück des Projekts im WWF-Auenreservat ist die ganzjährige Beweidung mit robusten Konik-Pferden. Die Tiere übernehmen dabei die Rolle ausgestorbener Wildpferde und verhindern durch ihre Anwesenheit, dass die Auwiesen allmählich zu wachsen. Durch ihr Fressverhalten, ihre Trittspuren oder Dunghaufen entstehen Bedingungen, die sich als wahre Hotspots für seltene Arten erweisen. Insbesondere bedrohte Insektenarten, spezialisierte Pflanzen und Pilze sowie zahlreiche bedrohte Dungkäfer-Arten profitieren von dem Terrain, das die Weidetiere schaffen. Seit dem Beginn der Beweidung wurden 40 verschiedene Heuschreckenarten beobachtet. Bei den Weißstörchen wurde 2024 mit 54 Brutpaaren der höchste Stand seit 25 Jahren verzeichnet.
Auch die Pflanzenwelt zeigt deutlich positive Reaktionen. Gefährdete Arten wie Streifen-Klee, Steif-Klee und Hügel-Knäuelkraut breiten sich in dem Gebiet aus. Der WWF sieht Beweidung als eine zentrale Maßnahme für den Natur- und Artenschutz. “Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind auf halboffene Landschaften, lichte Wälder und eine strukturreiche Vegetation angewiesen. Eine Beweidung mit Rindern oder Pferden schafft derartige Bedingungen und sichert so vielen bedrohten Arten das Überleben“, sagt Jurrien Westerhof vom WWF. Deshalb empfiehlt die Naturschutzorganisation, der Beweidung im Naturschutz und in der Landschaftspflege eine größere Bedeutung zu geben und bestehende Hürden abzubauen – auf bürokratischer, finanzieller und rechtlicher Ebene. Gleichzeitig braucht es ein stärkeres Bewusstsein dafür, wie wertvoll naturnahe Beweidung für Umwelt und Artenvielfalt ist.
Fotos zum Download hier
Tipp: Am Samstag, dem 13. September, findet im WWF-Auenreservat eine geführte Exkursion zur naturnahen Beweidung mit Rindern und Pferden statt. Mehr Infos hier.
News
Aktuelle Beiträge
Wassermangel im Herbst: Sehr niedrige Wasserführung an über 80 Prozent der Flusspegel
September-Bilanz: Massiver Wassermangel in Flüssen von Niederösterreich bis Vorarlberg – Grundwasserstände bleiben vielerorts niedrig – WWF fordert Schutzprogramm und mehr Renaturierung
„Reh umgefahren. Halb so Wild“: WWF legt Beschwerde beim Werberat ein
Naturschutzorganisation kritisiert Verharmlosung von Tierleid und fordert Rücknahme des Smile-Sujets – Werberat sollte sich als klares Signal für Werbestopp oder Sujetwechsel aussprechen
WWF kritisiert späten und lückenhaften Start des Wasser-Registers
Umweltschutzorganisation fordert raschere Umsetzung und umfangreichere Erfassung der Wassernutzung – WWF warnt vor „blinden Flecken“ im Wasserentnahme-Register
Welttierschutztag: WWF fordert Ende der Verfolgung geschützter Wildtiere
Wolfsabschüsse auf Rekordniveau, Tötungskontingente für über 1.000 Biber – WWF: Bund und Länder müssen Prävention und Artenschutz stärken
WWF zu Wolfsabschuss in Arzl: DNA-Befund weist Goldschakal nach
Neuer Landesbefund legt nahe, dass getöteter Wolf für Ziegenrisse nicht verantwortlich war – WWF fordert Aufklärung und Ende voreiliger Abschussfreigaben
Good News: Kakapos kehren nach Neuseeland zurück
Die vom Aussterben bedrohte Vogelart erholt sich: 2026 ist der Bestand in Neuseeland so hoch, wie seit bereits 75 Jahren nicht mehr.
WWF: Tiwag will Gefahrenanalysen weiter geheim halten
Energiekonzern bekämpft gerichtlich angeordnete Herausgabe vor Verfassungsgerichtshof – WWF kritisiert Geheimhaltung sicherheitsrelevanter Informationen – Unterlagen auch für Kaunertal-Ausbau relevant
WWF kritisiert zynische Werbung mit Tierleid: Versicherungsanbieter muss Kampagne stoppen
„Reh umgefahren – halb so wild“: Versicherung verharmlost Wildunfälle – WWF fordert Rücknahme des Sujets und verantwortungsvolle Werbung








