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Mitten ins Herz: Der Tod von Luchsin Sofia
Fast geräuschlos streift Sofia durch den Wald. Knapp 30 Kilometer hat die Luchsin bereits hinter sich, von Norditalien bis nach Kärnten ist sie gewandert. Dann hallt plötzlich ein Schuss durch das Waldstück in der Nähe von Villach. Der Schuss trifft Sofia mitten ins Herz. Noch einige Meter schleppt sie sich weiter, dann sackt ihr majestätischer Körper am Waldboden zusammen. Um ihren Hals trägt Sofia immer noch ihr Senderhalsband.
Dieses Halsband ist es, das kurze Zeit später das Alarm-Signal an die Mitarbeitenden des Luchsprojekts ULyCA sendet. Ein Signal, das vom Sender abgegeben wird, wenn sich das besenderte Tier nicht mehr bewegt und seine Körpertemperatur sinkt. Bei den Forscher:innen macht sich Sorge breit: Sofort suchen sie den genauen Ort auf der Karte und setzen sich mit der österreichischen Polizei in Verbindung. Doch als sie das Waldstück absuchen und Sofia schließlich finden, ist sie bereits tot. Durch den Schuss durch die Schulter ins Herz versagte ihr Kreislauf wohl innerhalb kürzester Zeit. Nur etwa sechs Monate in Freiheit waren der ausgewilderten Luchsin vergönnt. Ihre Wanderung nach Österreich besiegelt ihr trauriges Schicksal.
Tod statt Freiheit
Dabei war es eigentlich eine Geschichte voller Hoffnung. Die sechsjährige Sofia stammte ursprünglich aus der Schweiz und war einer von fünf Luchsen, die im Winter 2023 in den italienischen Alpen freigelassen wurden. Slowenische und italienische Luchse sollten sich im Grenzgebiet näherkommen, damit eine neue Population entstehen kann. Somit wäre die stark gefährdete Art in Europa wieder besser vernetzt. Doch was als Luchs-Liebesgeschichte über Landesgrenzen startete, wurde nun zur Kriminalgeschichte.
Schuss aus dem Jagdgewehr
Bei den gerichtsmedizinischen Untersuchungen von Sofias Körper werden Geschosspartikel entdeckt, die eindeutig von Jagdmunition stammen. Luchse sind streng geschützt und sehr selten – in ganz Österreich leben nur mehr rund 30 Tiere. Sofias Tod ist deshalb eine schwere Straftat und Anzeige wird erstattet. Und bald schon gibt es Verdächtige: Laut Medienberichten gerät eine Gruppe von Jägern in das Visier der Ermittlungen. Ihre Handys werden sichergestellt und bei einem der Verdächtigen sogar eine Hausdurchsuchung beantragt – doch diese wird durch die Staatsanwaltschaft nicht bewilligt. Mangels ausreichender Beweise müssen die Ermittlungen daraufhin eingestellt werden.
Ein bitterer Rückschlag für den Artenschutz. Wäre es zu einem Verfahren gekommen, hätte dem Täter oder der Täterin eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren sowie der Entzug der Jagdkarte gedroht. Doch stattdessen bleibt der Fall ohne Verurteilung.
Der Tote in der Tiefkühltruhe
Doch ein eiskalter Fall aus Oberösterreich zeigt, dass Wildtierkriminalität sehr wohl eine Straftat ist. 2014 verschwinden einige Luchse aus dem Nationalpark Kalkalpen. Eine Spur führt zur Tiefkühltruhe eines Tierpräparators: Darin wird der Körper eines Luchs gefunden, verpackt in einem Plastiksack. Und schnell findet die Polizei heraus, wer das Tier getötet hat – ein Jägerpaar, das dem Präparator die toten Luchse übergeben hat. Sie werden zu zu Geldstrafen und zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt. Zusätzlich wird ihnen die Jagdkarte entzogen und der Pachtvertrag für das Jagdrevier gekündigt.
Doch was ist das Motiv, ein so majestätisches und seltenes Tier zu töten? Im Fall des Luchs in der Tiefkühltruhe ging bereits zuvor ein Hinweis ein, dass sich Jagdpächter über den Luchsbestand im Nationalpark beschwert und mit Abschüssen gedroht hatten. Manche empfinden Luchse tatsächlich als Konkurrenten um die Jagdbeute. Außerdem zeigt der Fall eindrücklich, dass die Tiere von einzelnen Personen auch als Jagdtrophäen gesehen werden.
Zivilcourage ist gefragt!
Der WWF kämpft seit vielen Jahren gegen Wildtierkriminalität und setzt sich gemeinsam mit BirdLife gegen illegale Verfolgung geschützter Tierarten ein. Auch die Jagdverbände in Österreich verurteilen jede Form der illegalen Tötung von geschützten Wildtieren klar. Bei Luchsen sind die absoluten Fallzahlen von Wildtierkriminalität zwar geringer, wegen der kleinen Bestände jedoch ökologisch besonders problematisch.
Bei Verdacht auf Wildtierkriminalität gibt es dringenden Handlungsbedarf. Meldungen aus der Bevölkerung sind im Kampf gegen Wildtierkriminalität ein wichtiger Grundpfeiler. Verdächtige Funde oder andere Hinweise auf Wildtierkriminalität sollte man sofort über die WWF-Hotline +43 676 444 66 12 melden. Per E-Mail ist dies unter meldung@wildlifecrime.at oder anonym über die Meldeplattform möglich. Mehr Infos zur Meldung eines Verdachtfalls gibt es hier.

