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© Wild Wonders of Europe / Sergey Gorshkov / WWF

Gefangen, vergiftet, geschossen: Wildtierkriminalität in Österreich

27. Mai 2026

Geschossene und geköpfte Biber, die in Niederösterreich im Müll gefunden werden. Ein verschwundener Bär, der ausgestopft im Haus eines Jägers auftaucht. Oder ein gewilderter Luchs, der zur Tarnung auf die Zuggleise geworfen wird. Vergiftete Seeadler, Kaiseradler und Rotmilane. Das sind nur einige Beispiele von Wildtierkriminalität in Österreich.

WWF & BirdLife: Neuer Bericht zu Wildtierkriminalität in Österreich

Insgesamt 310 Fälle von Wildtierkriminalität mit 487 Opfern – 396 Vögeln und 91 Säugetieren – wurden hierzulande zwischen 2017 und 2025 dokumentiert. Diese traurige Bilanz zieht der neue Wildtierkriminalitäts-Bericht der Naturschutzorganisationen WWF Österreich und BirdLife Österreich. Die am häufigsten betroffene Art ist der Mäusebussard: 107 Individuen der Art wurden im Berichtszeitraum getötet. 36 Rotmilane, 22 Biber, 21 Rohrweihen und 15 Fischotter wurden zudem Opfer. Es ist außerdem von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Wildtierkriminalität ist ein großes Problem – denn illegale Verfolgung von seltenen Tieren kann dazu führen, dass hierzulande eine Art ausgerottet wird, so wie es beim Bären in Österreich bereits zwei Mal geschehen ist. Die Bestände von Biber, Fischotter, Wolf und Seeadler erholen sich in den letzten Jahrzehnten durch strenge Schutzmaßnahmen. Und auch ein kleines Luchsvorkommen gibt es wieder in Österreich. Doch nicht alle finden das gut und manche greifen auch zu verbotenen Mitteln und machen sich damit strafbar.

Ein nasser Biber sitzt am Rand eines Gewässers, neben grünen Pflanzen, mit Blick direkt in die Kamera.

Warum werden Wildtiere in Österreich getötet?

Dass Wildtiere abgeschossen, in Fallen gefangen oder vergiftet werden, ist in Österreich leider keine Seltenheit. Doch warum werden seltene Wildtiere illegal getötet? „Bei Wildtierkriminalität in Österreich geht es nicht darum, Teile der Tiere zu essen oder damit zu handeln“, sagt Christina Wolf-Petre, WWF-Expertin für Artenschutz und Wildtierkriminalität. „Der Grund liegt woanders: Reale oder auch gefühlte Mensch-Wildtier-Konflikte stehen hier im Vordergrund. Ein Unverständnis für ökologische Wechselwirkungen, fehlende Kompromiss- oder Anpassungsbereitschaft oder absolute Nutzungsansprüche können der Auslöser für Wildtierkriminalität sein. Oft finden sich die Ursachen auch in der Geschichte oder alter Tradition begründet, denn früher wurden manche Tierarten systematisch verfolgt.“

Wolf, Biber, Fischotter: Arten als Sündenböcke

Ein Beispiel dafür ist der Fischotter: Er wurde im 19. Jahrhundert fast vollkommen ausgerottet. Für erlegte Fischotter wurde eine Prämie ausbezahlt, denn man dachte, so könne der Fischbestand erhöht werden. Das Vorkommen von Fischottern erholte sich langsam und durch strengen Schutz. Erst in den letzten 20 Jahren ist die Art wieder in fast alle Bundesländer zurückgekehrt.

„Die Einteilung in ,nützliche‘ und ,schädliche‘ Tiere ist leider teilweise bestehen geblieben, einige sehen illegale Verfolgung geschützter Arten nach wie vor als eine Art ,Schädlingskontrolle‘“, sagt Christina Wolf-Petre. Fälle von illegaler Verfolgung mit Fallen wie Tellereisen und Reusen sowie einschlägige Verfahren und Urteile sind leider traurige Belege dafür. Und nicht nur der Fischotter ist Ziel von strafrechtlichen Übergriffen.

Fischotter

Wildtierkriminalität ist kein Kavaliersdelikt

Auch Tiere wie Wölfe, Luchse oder Bären werden illegal verfolgt. Über ein Jahrhundert lang gab es in unseren Wäldern kaum noch Raubtiere. „Deshalb hat man auch den Umgang mit ihnen verlernt“, so Christina Wolf-Petre. In Österreich gibt es eine sehr hohe Wilddichte, die durch Raubtiere ganz natürlich verteilt und auf ein naturverträgliches Maß gesenkt werden könnte. Damit wäre dem Wald sehr geholfen. „Aber manche sehen für diese Tiere gar kein Existenzrecht mehr. Doch das illegale Töten ist weder Kavaliersdelikt noch Lösung“, sagt Christina Wolf-Petre.

Übernutzung und Verbauung der Landschaft verstärken Nutzungskonflikte um die verfügbaren Ressourcen noch zusätzlich. In den meisten Fällen lässt sich aber ein wirtschaftlicher Schaden durch Anpassungen in der Bewirtschaftung und der Haltung von Nutztieren vermeiden. Es gibt hier je nach Situation unterschiedliche Lösungsansätze. Wenn es doch zu einem Schaden kommt, können auch Schadensersatzzahlungen greifen.

WWF kämpft gegen Wildtierkriminalität

Der WWF setzt sich gemeinsam mit BirdLife seit vielen Jahren gegen illegale Verfolgung geschützter Tierarten ein. Viele Unwahrheiten und Übertreibungen ranken sich nach wie vor um Arten wie Wolf, Fischotter, Biber und Greifvögel. Es ist deshalb wichtig, solche Missverständnisse zu klären, denn Akzeptanz und Verständnis betroffener Gruppen und der lokalen Bevölkerung sind im Kampf gegen Wildtierkriminalität ausschlaggebend.

Zum Projekt

Aufdecken, aufklären und eingreifen – das ist der Leitspruch hinter dem Projekt „wildLIFEcrime“. Das Ziel des EU-LIFE-Projektes: Bis 2028 die Wildtierkriminalität in Deutschland und Österreich deutlich zu reduzieren. Dafür hat sich der WWF Österreich mit anderen NGOs wie etwa BirdLife sowie Behörden, Veterinärmedizin, Polizei und der Wissenschaft zusammengeschlossen. Durch eine verbesserte Zusammenarbeit sollen die Effizienz bei der Strafverfolgung erhöht und Wildtierkriminalität bei ausgewählten streng geschützten Arten in Deutschland und Österreich reduziert werden. Neben der Umsetzung von präventiven Maßnahmen fokussiert das Projekt darauf, dass Fälle entdeckt, effektiv bearbeitet, aufgeklärt und Täter:innen konsequent zur Rechenschaft gezogen werden. Deswegen arbeiten die Projektpartner unter anderem an der Verbesserung forensischer Untersuchungen und bieten Fortbildungen für Polizei und Staatsanwaltschaften an.

Fakten

  • Der WWF und BirdLife Österreich haben in einem neuen Bericht den Wissensstand zu Wildtierkriminalität in Österreich zusammengefasst: Im Berichtszeitraum 2017 bis 2025 wurden insgesamt 310 Fälle von Wildtierkriminalität mit 487 Opfern dokumentiert. Außerdem muss man von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen.
  • Greifvögel sind zahlenmäßig die am stärksten betroffenen Tiergruppe.
  • Gezählt wurden außerdem 22 Biber, 15 Fischotter, 6 Wölfe und ein Luchs, die Opfer von Wildtierkriminalität wurden.
  • Abschüsse, Vergiftung und der Fang mit Fallen sind die häufigsten Methoden.
  • Bei Luchs und Wolf sind die absoluten Fallzahlen zwar geringer, wegen der kleinen Bestände jedoch ökologisch besonders problematisch.

Verdachtsfälle melden

Bitte melden Sie verdächtige Funde oder andere Hinweise auf Wildtierkriminalität sofort. Nutzen Sie dazu einfach unser Meldeformular oder die WWF-Hotline +43 676 444 66 12 bzw. die BirdCrime-Hotline +43 660 869 23 27.

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