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Tod am Feld: Wer hat Adler Alois erschossen?

4. August 2026

Früher Morgen im oberösterreichischen Oberriethal. Nur eine Handvoll Häuser umfasst das winzige Örtchen – und ein Feld, das an diesem Tag zum Tatort wird. Der März im Jahr 2020 ist ungewöhnlich warm, so auch an diesem 19. März. Es ist zwischen 8.22 Uhr und 8.32 Uhr, als auf dem Feld in Oberriethal ein Schuss die Stille unterbricht. Ein kurzer Moment, der für einen jungen Kaiseradler, der gerade über das Feld fliegt, alles verändert: Denn seither fehlt von Alois jede Spur.

Dabei wurde davor jede kleinste Bewegung des Kaiseradlers akribisch aufgezeichnet: BirdLife Österreich hatte Alois mit einem Sender ausgestattet. Denn der junge Adler wurde im Mai 2019 in Niederösterreich gefunden, geschwächt durch eine Bakterieninfektion. Nach einem Monat in der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee wurde Alois von BirdLife wieder in die Wildnis entlassen – mit einem Sender, um ihn weiterhin zu beobachten.

Alois‘ letzte Reise

Und der Adler genoss die zurückgewonnene Freiheit: Alois trat seinen bisher weitesten Flug an und schaffet es bis nach Bayern. Auf seinem Rückweg durch Oberösterreich hatte er bereits 13.000 Kilometer Flugstrecke hinter sich. Doch dann – keine neun Monate nach seiner Freilassung – bemerkt man im Büro von BirdLife, dass etwas mit den Sendedaten von Alois nicht stimmt.

Sender zeichnet Tathergang auf

Alois’ Bewegungsmuster ändert sich schlagartig, als er am 19. März 2020 gerade über ein Feld in Oberriethal fliegt. Plötzlich ist er nicht mehr in luftigen Höhen unterwegs: Sein Sender schickt die Signale knapp über dem Boden und entlang des Straßenverlaufs. Und auch den dramatischen Temperaturabfall des Adlers zeichnen Messinstrumente auf. Nur mehr 7 Grad Celsius werden zuletzt übermittelt – genauso kalt wie die Wassertemperatur der Traun.

Die Daten erzählen eine traurige Geschichte: Eine unbekannte Person tötete Alois vermutlich mit einem Schuss und warf den Sender in die Traun. Alois‘ Körper konnte nie gefunden werden, abschließend kann die Todesursache also nicht geklärt werden. Doch alles spricht für einen illegalen Abschuss. BirdLife erstattete Anzeige, doch bis heute konnte kein/e Täter:in angeklagt werden.

Greifvögel als häufigste Opfer

Illegale Verfolgung zählt zu den am häufigsten dokumentierten Todesursachen bei seltenen Arten wie dem Kaiseradler oder auch Seeadler. 396 Vögel wurden zwischen 2017 und 2025 in Österreich illegal getötet. Und das ist nur die Spitze des Eisberges, denn man muss von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen.

Ein großes Problem – denn Wildtierkriminalität kann dazu führen, dass hierzulande eine Art ausgerottet wird. So galt der Kaiseradler bis vor 20 Jahren in Österreich als ausgestorben. Nur durch intensive Schutzmaßnahmen konnte er sich wieder ausbreiten. Die Tötung kann also dramatische Folgen für das Vorkommen der Art in Österreich haben.

Motiv meist Mensch-Wildtier-Konflikte

Doch wieso werden seltene Tiere wie der Kaiseradler überhaupt abgeschossen? Reale oder auch gefühlte Mensch-Wildtier-Konflikte sind meist der Grund. So empfinden manche Menschen Greifvögel als Konkurrenten, vor allem was Jagdbeute wie Hasen betrifft. Ein Unverständnis für ökologische Wechselwirkungen, fehlende Kompromiss- oder Anpassungsbereitschaft sowie absolute Nutzungsansprüche können der Auslöser für Wildtierkriminalität sein.

Der WWF kämpft seit vielen Jahren gegen Wildtierkriminalität und setzt sich gemeinsam mit BirdLife gegen illegale Verfolgung geschützter Tierarten ein. Von 2017 bis 2025 wurden insgesamt 310 Fälle von Wildtierkriminalität mit 487 Opfern dokumentiert. Diese traurige Bilanz zieht der aktuelle Wildtierkriminalitäts-Bericht von WWF und BirdLife. Gemeinsam haben sie in einem Bericht den Wissensstand zu Wildtierkriminalität in Österreich zusammengefasst. Abschüsse, Vergiftung und der Fang mit Fallen sind die häufigsten Tötungsmethoden.

Zivilcourage ist gefragt!

Bei Verdacht auf Wildtierkriminalität gibt es dringenden Handlungsbedarf. Meldungen aus der Bevölkerung sind im Kampf gegen Wildtierkriminalität ein wichtiger Grundpfeiler. Verdächtige Funde oder andere Hinweise auf Wildtierkriminalität sollte man sofort über die WWF-Hotline +43 676 444 66 12 melden. Per E-Mail ist dies unter meldung@wildlifecrime.at oder anonym über die Meldeplattform möglich. Mehr Infos zur Meldung eines Verdachtfalles gibt es hier.

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