14 Städte untersucht: Planungslücken bei Maßnahmen, Finanzierung und Erfolgskontrolle – WWF fordert langfristige Begrünungsplanung und mehr Unterstützung durch Bund und Länder
WWF: Nationaler Renaturierungsplan lückenhaft und ambitionslos

Wien, am 14. Oktober 2026 – Der Entwurf für Österreichs Renaturierungsplan ist „lückenhaft und zu wenig ambitioniert“. Zu diesem Befund kommt die Naturschutzorganisation WWF in ihrer offiziellen Stellungnahme zum Ende der Begutachtungsfrist am 15. Oktober. Zentrale Maßnahmen für EU-geschützte Arten und Lebensräume fehlen, mehr als 90 Prozent der angeführten Städte und Gemeinden werden von den Begrünungszielen ausgenommen. Auch die Finanzierung ist weitgehend ungeklärt. „Angesichts zunehmender Hitze und Dürre ist ein derart lückenhafter Plan geradezu fahrlässig. Bund und Länder müssen die fehlenden Maßnahmen rasch ergänzen und ihre Finanzierung sichern“, sagt WWF-Experte Joschka Brangs. Der WWF fordert daher eine grundlegende Überarbeitung bis zur Vorlage des finalen Plans am 1. September 2027.
Ausgerechnet das Kapitel zur Wiederherstellung EU-geschützter Natur fehlt vollständig im Entwurf. „Damit wird ein Herzstück der EU-Renaturierungsverordnung ausgeklammert. Das macht die Begutachtung zur Farce und lässt völlig offen, wie Österreich die Renaturierungsziele erreichen will“, kritisiert Brangs.
Darüber hinaus nimmt der Entwurf mehr als 90 Prozent der angeführten Städte und Gemeinden von den Begrünungszielen aus. „Damit wird eine große Chance vertan, durch zusätzliche Grünflächen den Hitzeschutz zu verbessern“, kritisiert Brangs. Bei den Kapiteln zum Bestäuberschutz sowie bei landwirtschaftlichen Ökosystemen und Wäldern setzt der Entwurf überwiegend nur auf bestehende Programme. Wie diese die zusätzlichen Wiederherstellungsziele erfüllen sollen, bleibt somit völlig im Dunkeln.
Den Finanzierungsbedarf für 2024 bis 2032 beziffert der Entwurf auf durchschnittlich rund 469 Millionen Euro pro Jahr. Laut WWF ist diese Summe „unvollständig und nicht nachvollziehbar hergeleitet“. Zudem sei die Finanzierung über die laufenden europäischen und nationalen Budgetperioden hinaus nicht gesichert. Dabei ist der Nachholbedarf schon jetzt enorm: Laut Angaben der EU-Kommission fehlen Österreich für Biodiversitätsschutz und Wiederherstellung insgesamt jährlich fast eine Milliarde Euro.
Umweltschädliche Subventionen umschichten
Im Entwurf fehlen zudem konkrete Schritte, um umweltschädliche Subventionen zugunsten der Renaturierung umzuschichten. Das Potenzial ist erheblich: Laut WIFO belaufen sich allein die klimakontraproduktiven Subventionen in Österreich auf bis zu 5,7 Milliarden Euro jährlich. „Bund und Länder sollten diese Mittel in die Wiederherstellung der Natur umlenken. Intakte Moore, Auen und Böden halten Wasser in der Landschaft und stärken den Schutz vor Extremwetter“, sagt Joschka Brangs vom WWF. Auch gesamtwirtschaftlich lohne sich die Renaturierung. Laut EU-Kommission wären die Kosten einer Nichtumsetzung der Wiederherstellungsverordnung EU-weit mehr als zehnmal so hoch wie der erforderliche Investitionsbedarf.
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