Jede vierte wandernde Tierart akut bedroht – WWF fordert grenzüberschreitende Schutz-Korridore – Besonderer Fokus auf Jaguaren und Meeresarten
Kraftwerk Schwarze Sulm: Umweltverbände bekämpfen Baubewilligung beim Höchstgericht
Wasserkraftwerk im Natura-2000-Gebiet verstößt gegen mehrere Schutzbestimmungen: WWF und ÖKOBÜRO reichen Revision beim Verwaltungsgerichtshof ein – Aufhebung der Bewilligung des Kraftwerks und umfassender Schutz des Naturjuwels gefordert
Wien, Graz, am 5. Juni 2020. Die Umweltschutzorganisation WWF Österreich und das ÖKOBÜRO bringen am Freitag eine Revision beim Verwaltungsgerichtshof in Wien gegen die wasserrechtliche Bewilligung des Kraftwerks Schwarz Sulm ein. Das Kraftwerksprojekt im Natura-2000-Gebiet verstößt aus Sicht der Umweltverbände gegen mehrere Umweltschutz-Bestimmungen und wurde bisher nur mithilfe umstrittener Ausnahmen bewilligt, die gerade bei einem bisher unverbauten Fluss völlig verfehlt sind. „Die Schwarze Sulm gehört zu den ökologisch wertvollsten Flüssen Österreichs und ist daher auch als Natura-2000-Gebiet geschützt. Wer solche Naturschätze aus Profitgründen verbaut, handelt kurzsichtig und verantwortungslos“, sagt WWF-Gewässerexpertin Bettina Urbanek. „Gerade in Zeiten des Klimawandels brauchen wir intakte Flüsse wie die Schwarze Sulm als Wasserreserven und Klimaregulatoren.“
Im Verfahren wurde sowohl der Bevölkerung vor Ort als auch den Umweltverbänden eine echte Einbindung in das Verfahren verwehrt – zum Beispiel waren wesentliche Unterlagen wie Gutachten und Planunterlagen nicht zugänglich und die Parteistellung war eingeschränkt. Zu den inhaltlichen Hauptkritikpunkten zählt, dass das Kraftwerk den Gewässerzustand erheblich verschlechtern würde und die Beurteilungsgrundlagen veraltet sind. „Die Verschlechterung des Gewässerzustandes der Schwarzen Sulm wurde aus unserer Sicht nicht ausreichend geprüft. Da uns die Mitwirkung am Verfahren weiterhin nicht in dem Ausmaß gewährt wurde, wie es rechtlich vorgesehen ist, bleibt keine Alternative als der Gang zum Höchstgericht“, sagt Thomas Alge, Geschäftsführer und Umweltjurist vom ÖKOBÜRO.
„Schwarze Sulm zeigt dunkle Seite der Wasserkraft“
Die betroffene Gemeinde Schwanberg hat bereits beschlossen, die für den Bau benötigten Grundstücke nicht zur Verfügung zu stellen. „Die Schwarze Sulm zeigt wie kein anderes die dunkle Seite der Wasserkraft auf. Es fehlt an Respekt vor berechtigten regionalen Anliegen und Verhältnismäßigkeit. Für ein energiewirtschaftlich nahezu bedeutungsloses Kraftwerk wollen zwei Privatpersonen gegen den Widerstand der Gemeinden und vieler Anrainer die Lebensader der Region verbauen“, erklärt Andreas Mathauer vom Arbeitskreis zum Schutz der Koralpe. Da auch die beiden bestehenden Naturdenkmäler innerhalb dieses Bereiches aufgehoben werden sollen, haben die Gemeinden Bad Schwanberg, Deutschlandsberg und St. Martin im Sulmtal Petitionen an den Steiermärkischen Landtag gerichtet.
WWF fordert Ökostrom-Reform: Keine Subventionen für Kraftwerke in Naturschutzgebieten
Aufgrund der akut drohenden Verbauung der Schwarzen Sulm fordert der WWF Österreich eine grundlegende Reform der Ökostromförderung, damit ähnlich fatale Projekte in Zukunft keine millionenschweren Subventionen mehr erhalten. „Die Wasserkraft ist bereits extrem ausgebaut. Daher muss die Bundesregierung neue Standorte in Schutzgebieten und in den letzten ökologisch intakten Strecken wirksam unterbinden“, sagt Urbanek mit Verweis auf das von der Umweltministerin geplante Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz. „Gerade die Förderung von Kleinwasserkraftwerken muss an Umwelt- und Effizienz-Kriterien gebunden werden anstatt sie nur per Gießkanne zu vergeben“, fordert Urbanek. Zudem müsse generell das Prinzip „Modernisierung vor Neubau“ gelten.
Die Schwarze Sulm zählt zu den letzten 15 Prozent der heimischen Flüsse, die zumindest abschnittsweise noch einen sehr guten Zustand aufweisen. Die geplante Entnahme von bis zu 65 Prozent des Wassers auf zwölf Kilometer Länge hätte fatale Folgen für die betroffenen Ökosysteme In direkter Nähe liegen zudem drei Schutzgebiete mit 49 gefährdeten Biotoptypen und mehreren seltenen und gefährdeter Arten wie zum Beispiel Steinkrebs, Schwarzer Riesenweberknecht oder Sturzbach-Gänswurz. Erst vor kurzem hat eine aktuelle BOKU-Studie ergeben, dass bereits 60 Prozent der heimischen Fischarten in Flüssen als gefährdet gelten.
Rückfragehinweis:
WWF Österreich
Mag. Volker Hollenstein
Leiter Politik und Kommunikation
Mobil: +43 664 501 31 58
E-Mail: volker.hollenstein@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Winterbilanz Wald: WWF warnt vor Trockenheit und schwierigem Waldjahr 2026
Waldböden zu Frühlingsbeginn vielerorts zu trocken, Wasserspeicher erschöpft – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und Renaturierung im Wald
WWF kritisiert Spritpreis-Populismus der Bundesregierung
Umweltschutzorganisation fordert Sofortmaßnahmen für klimafreundliche Mobilität und schrittweisen Ausstieg aus Öl und Gas: Klimaticket vergünstigen, öffentliche Verkehrsmittel ausbauen, Strukturreformen beschließen
WWF-Zählung: Gefährdete Monarchfalter erholen sich trotz anhaltender Bedrohungen
Naturschauspiel: Monarchfalter wandern 4.000 Kilometer in den Süden – Schmetterlingsmigration trotzt Herausforderungen, aber Lage weiterhin fragil
Good News: Nestor ist ältester bekannter Seeadler in Österreich
Ein Wiedersehen der besonderen Art gab es kürzlich im Burgenland: Der Seeadler „Nestor“ wurde 15 Jahre nach seiner Beringung durch den WWF erneut gesichtet. Er gilt hierzulande als ältester bekannter Seeadler.
WWF: Renaturierungs-Atlas zu Flüssen zeigt Fortschritte in ganz Österreich, Lücken in Tirol
Neue Onlinekarte zeigt erstmals Weg zu EU-Renaturierungszielen – Insgesamt sollen über 2.500 Kilometer Flüsse renaturiert werden – Tirol mit Defiziten im Bundesländer-Check
WWF-Seeadler „Nestor“ lebt: Ältester bekannter Seeadler Österreichs gesichtet
15 Jahre alter Seeadler im Burgenland nachgewiesen – WWF fordert besseren Schutz für das Wappentier – illegale Verfolgung als große Gefahr
WWF legt 5-Punkte-Paket gegen fossile Preisfalle vor
Fossile Energiekosten senken, Subventionen umleiten, Natur schützen – WWF und Klimaforscher Huppmann fordern Reformen gegen hohe Energiepreise und steigende Klimarisiken
Neue Leitung des Presseteams beim WWF Österreich
Alexa Lutteri führt seit Anfang März das Presseteam der größten heimischen Naturschutzorganisation









