Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Almauftrieb am Hundsheimer-und Spitzerberg: Erste Beweidung seit 60 Jahren stärkt Biodiversität

Nach über 60 Jahren kehren erstmals Rinder auf den Hundsheimer- und den Spitzerberg in Niederösterreich zurück. Die Tiere sollen eine zentrale Rolle in der Pflege des Europaschutzgebietes übernehmen und einen selten gewordenen Lebensräum erhalten: die Trockenrasen. Denn diese steppen-artigen Biotope zählen zu den artenreichsten, aber auch gefährdetsten Lebensräumen Europas. Ohne Beweidung drohen sie zu verbuschen und ihre typische Struktur aus niedrigen Kraut- und Strauchpflanzen zu verlieren. „Trockenrasen sind Hotspots der Artenvielfalt. Ihr Erhalt durch Beweidung sichert das Überleben eines ganzen Netzwerks hochspezialisierter Arten – von Schmetterlingen über Vögel bis hin zu Dungkäfern“, sagt WWF-Expertin Natalia Razumovsky. Das Projekt in Niederösterreich dient als Vorzeigemodell: „Die naturnahe Beweidung hat großes Potenzial für den Schutz und Erhalt der Biodiversität in Österreich und zeigt wie Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen”, sagt Razumovsky. Der WWF setzt sich daher österreichweit für eine deutliche Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte ein, um gefährdete Lebensräume langfristig zu sichern.
„Die Rinder halten die Flächen offen und schaffen genau die Struktur, die viele spezialisierte Arten brauchen. Das ist aktive Landschaftspflege mit Mehrwert und unmittelbarer Wirkung“, sagt Landwirt Georg Prantl, der die Beweidung vor Ort umsetzt.
Die Umstellung auf Rinder folgt auf das Ende der Schafbeweidung im Jahr 2022 und zielt auf eine langfristig stabile, naturschutzfachlich abgestimmte Bewirtschaftung ab. Davon profitieren unter anderem seltene Vogelarten wie der Neuntöter, Tagfalter wie die Berghexe, Blumen wie die Hainburger Federnelke sowie mehrere Dungkäferarten.
Über das LEADER-Projekt
Die bedeutendsten Trockenrasen des Hundsheimer Berges befinden sich seit den 1970er-Jahren im gemeinsamen Eigentum des WWF Österreich mit der Gemeinde Hundsheim und werden in Kooperation mit der Schutzgebietsbetreuung Büro VINCA (im Auftrag des Landes NÖ) verwaltet. Das Projekt wird durch “LEADER Römerland Carnuntum” zu 60 Prozent gefördert und erfolgt in Zusammenarbeit mit dem WWF Österreich, der Gemeinde Hundsheim, der Marktgemeinde Prellenkirchen, der Naturschutz Beweidung KG, und wird unterstützt von Blühendes Österreich – BILLA gemeinnützige Privatstiftung und der Abteilung für Naturschutz des Landes NÖ. Ziel ist es, die wertvollen Flächen langfristig zu schützen und nachhaltig weiterzuentwickeln.
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