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Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Wildtierkriminalität bleibt in Österreich ein anhaltendes Problem mit gravierenden Auswirkungen auf heimische Tierarten – das zeigt der heute veröffentlichte Wildtierkriminalitätsbericht von BirdLife Österreich und WWF Österreich. Demnach wurden im Berichtszeitraum von 2017 bis 2025 insgesamt 310 Fälle von Wildtierkriminalität mit 487 Opfern dokumentiert, wobei von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen ist. „Der Bericht zeigt Fortschritte bei der Sensibilisierung, weist aber auch auf erhebliche Mängel bei der Prävention, Aufdeckung und Strafverfolgung von Wildtierkriminalität hin. Ein koordiniertes Vorgehen aller beteiligten Akteur:innen im Rahmen eines nationalen Aktionsplans ist entscheidend, um die illegale Tötung geschützter Wildtiere nachhaltig zu reduzieren“, sagen BirdLife und WWF.
Tiergruppen
Greifvögel stellten im Wildtierkriminalitätsbericht zahlenmäßig die am stärksten betroffenen Tiergruppe dar. Rund vier Fünftel (81 Prozent) aller dokumentierten Opfer waren Vögel, wobei Greifvögel darin einen zentralen Anteil einnehmen. „Selbst bei den seltenen, stark gefährdeten Arten, wie Kaiseradler und Seeadler, mussten wir regelmäßig illegale Tötungen feststellen. Aus unseren Monitoringprogrammen und der Besenderung der Tiere wissen wir, dass nur ein kleiner Teil aller Taten überhaupt bekannt wird“, verweist Johannes Hohenegger, Projektleiter bei BirdLife Österreich, auf die hohe Dunkelziffer.
Säugetiere scheinen deutlich seltener betroffen zu sein, werden jedoch in bestimmten Regionen – insbesondere bei Biber und Fischotter – relativ häufig als Opfer dokumentiert. Bei großen Beutegreifern wie Luchs oder Wolf sind die absoluten Fallzahlen zwar gering, jedoch aufgrund der kleinen Bestände ökologisch besonders relevant. „22 tote Biber, 15 Fischotter, sechs Wölfe und ein Luchs – das ist nicht nur eine sehr traurige Bilanz, sondern für den Fortbestand einiger dieser Arten eine Hiobsbotschaft. Jedes einzelne Tier zählt und entsprechend braucht es strengere Maßnahmen für deren Schutz und die Strafverfolgung bei illegalen Tötungen“, sagt WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre.
Räumliche und zeitliche Hotspots
Besonders viele Fälle von Wildtierkriminalität dokumentierten die Organisationen im östlichen Weinviertel (Niederösterreich), im Nordburgenland sowie im Inn- und Hausruckviertel (Oberösterreich). Diese Regionen haben eine hohe Bedeutung für die Niederwildjagd, sodass Konflikte zwischen Beutegreifern und jagdlichen Interessen gehäuft auftreten. Die regionalen Entwicklungen sind dabei jedoch unterschiedlich: Im Weinviertel zeigten behördliche Aufklärungsmaßnahmen Wirkung und die Fallzahlen gingen trotz gestiegener Greifvogelbestände deutlich zurück. Der Bezirk Neusiedl im Burgenland zeigte beständig hohe Fallzahlen. Ein deutlicher Anstieg und verhältnismäßig viele Vergiftungen wurden in Oberösterreich dokumentiert.
In alpinen und stark bewaldeten Regionen wurden deutlich weniger Fälle gemeldet. Hier traten zahlenmäßig weniger Delikte auf, wurden wohl aber auch wesentlich seltener entdeckt.
Die Gesamtzahl aller dokumentierter Fälle stieg – nach einem Rückgang von 2020 bis 2022 – in den letzten Jahren wieder an. Hauptgrund dafür dürfte eine steigende Meldebereitschaft in der Bevölkerung, aber auch verschiedener Behörden und der Jägerschaft sein.
Arten der Wildtierkriminalität
Wildtierkriminalität trat in verschiedensten Formen auf, wobei Abschüsse, Vergiftung und der Fang mit Fallen die häufigsten Methoden waren. Bei der absichtlichen Vergiftung von Wildtieren waren insbesondere im Weinviertel deutliche Rückgänge zu verzeichnen, die wohl auf Aufklärungsarbeit seitens Naturschutzorganisationen, Behörden und Jägerschaft zurückgehen.
„Da Vergiftungen besonders gravierende Auswirkungen haben und gegen eine große Anzahl an Tierarten wirken, ist dies aus Sicht des Artenschutzes ein wichtiger Meilenstein“, so die Naturschutzorganisationen BirdLife und WWF.
Koordinierte Maßnahmen und nationaler Aktionsplan notwendig
Aus den Ergebnissen des Wildtierkriminalitätsberichtes ergibt sich laut BirdLife Österreich und WWF Österreich ein klarer Bedarf an abgestimmten Maßnahmen entlang der gesamten Strafverfolgungskette: Dazu zählen insbesondere die systematische Stärkung von Prävention, Aufdeckung, Strafverfolgung und Zusammenarbeit mit Behörden. Außerdem braucht es die Entwicklung und Umsetzung eines nationalen Aktionsplans gegen Wildtierkriminalität. Dieser soll alle relevanten Akteur:innen auf Bundes- und Landesebene einbinden, bestehende Maßnahmen bündeln, klare Zuständigkeiten definieren und verbindliche Ziele zur Reduktion illegaler Wildtierverfolgung festlegen.
„Nur durch ein koordiniertes, langfristig angelegtes Vorgehen kann Wildtierkriminalität nachhaltig wirksam bekämpft werden!“, so BirdLife Österreich und WWF Österreich unisono.
Der Wildtierkriminalitätsbericht zum Download: HIER
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