WWF Artikel mit bestimmten Darstellungsformen: Manuell (Sonderformate)

 

© Eva Walisch

So funktioniert eine Seeadler-Besenderung

8. Januar 2024

An einem Seil zieht sich der Baumkletterer hinauf, nur wenige Sekunden später ist er oben beim Seeadler-Horst. Behutsam legt er den jungen Adler im Nest in eine Tasche und seilt ihn darin auf den Waldboden ab.

Der Seeadler, der Sorbus benannt wurde, ist zu diesem Zeitpunkt knapp 8 Wochen alt. Geboren wurde er im Leithagebirge. Im besten Fall wird der WWF die nächsten Jahre seines Lebens genau beobachten können: Denn am Waldboden angekommen wird Sorbus vorsichtig auf ein Tuch gelegt und mit zwei Ringen und einem Sender ausgestattet.

Die Ringe an  seinen Füßen sorgen dafür, dass Sorbus sofort zugeordnet werden kann. Der solarbetriebene GPS-Sender am Rücken, den der Adler kaum bemerkt, wird spannende Einblicke in sein Leben geben.

Vier Seeadler 2023 besendert

Sorbus wurde im Mai in Kooperation mit PANNATURA besendert und beringt. Damit ist Sorbus einer vor vier Seeadlern, die im Jahr 2023 mit solchen federleichten Telemetrie-Rucksäcken ausgestattet wurden. Die anderen drei Jungvögel wurden in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Donau-Auen besendert. Der WWF kann dadurch ihre Flugrouten genau nachvollziehen und mehr darüber lernen, wie man die ehemals ausgerottete Art bestens schützen kann.

Nach der Besenderungs-Aktion im Leithagebirge bringt der Baumkletterer Sorbus wieder in den Horst. Auch seine Eltern, die durch den Kletterer kurz aufgeschreckt wurden und während der Besenderung über dem Horst kreisten, kehren kurz darauf zurück zu ihrem Nachwuchs. Die Aktion bedeutet für die Seeadler zwar kurzen Stress, doch langfristig können so Gefahrenquellen für Seeadler identifiziert und entsprechende Schutzmaßnahmen ausgearbeitet werden.

Mit Spannung werden anschließend im WWF-Büro die ersten Daten vom GPS-Sender erwartet: Wie wird es dem jungen Seeadler in den nächsten Monaten ergehen?

Neuigkeiten von Sorbus

Nur wenige Wochen nach der Besenderung gibt es dann Neuigkeiten zu Sorbus: Er ist bereits Mitte Juni aus dem Nest ausgeflogen. Danach machte er sich auf zu seiner ersten Reise, denn Sorbus erkundete den Neusiedler See. Er war dabei sowohl auf der Westseite, als auch im Seewinkel auf der Ostseite unterwegs. Seine weitesten Ausflüge waren bisher jene in die Tullnerfelder Donau-Auen westlich von Wien. Und auch den Nationalpark Donau-Auen besuchte Sorbus. Doch besonders der Neusiedler See scheint es ihm angetan zu haben: Im August konnte der WWF ihn erneut in diesem Gebiet lokalisieren.

Die Erleichterung, dass es dem jungen Seeadler gut geht, ist groß. Denn leider dokumentieren die GPS-Sender auch immer wieder, dass Seeadler auf ihren Streifzügen zahlreichen Gefahren ausgesetzt sind. Kollisionen mit Windkraftanlagen werden vermehrt zum Problem. Außerdem werden die Tiere Opfer von Wildtierkriminalität. Es ist erschreckend: In Österreich ist illegale Verfolgung für Greifvögel wie Seeadler und Kaiseradler sogar die häufigste bekannte Todesursache.

Erfolgsgeschichte im Artenschutz

Der Mensch brachte den Seeadler im 19. und 20. Jahrhundert an den Rand der Ausrottung. In Österreich galt die Art ab den 1950er Jahren sogar als ausgestorben. Im Jahr 2000 startete der WWF deshalb sein Seeadlerschutzprojekt in Österreich. Ein wichtiger Baustein sind die Besenderungen: 20 Seeadler beobachtet der WWF derzeit mit Hilfe von GPS-Sendern.

Auch durch diese Daten wissen wir, dass es dank intensiver Schutzmaßnahmen gelungen ist, dass der Seeadler wieder nach Österreich zurückgekehrt ist. Eine große Erfolgsgeschichte im heimischen Artenschutz. Doch nur wenn der Mensch natürliche Lebensräume erhält, wiederherstellt und Tiere konsequent vor Verfolgung schützt, sind solche Erfolgsgeschichten möglich.

Fakten

  • Ab den 1950er Jahren galten Seeadler in Österreich als ausgestorben. Die Art wurde europaweit an den Rand der Ausrottung gebracht.
  • Im Jahr 2000 startete der WWF sein Seeadlerschutzprojekt, damit die Art nach Österreich zurückkehrt – mit Erfolg.
  • 70 Seeadler-Paare sind heute wieder in Österreich heimisch und besetzen jeweils ein Revier.
  • Der WWF führt regelmäßig Besenderungen durch: 20 Seeadler beobachtet er derzeit mit GPS-Sendern.

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