Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget
Ausbau Kraftwerk Kaunertal fällt bei Alpenschutz-Beurteilung durch
Der geplante Ausbau des Kraftwerks Kaunertal verstößt gegen mehrere Kriterien für nachhaltige Wasserkraftnutzung der Alpenschutzkommission CIPRA International, wie eine aktuelle Beurteilung ergeben hat. Die Naturschutzorganisation WWF Österreich fordert daher den sofortigen Stopp des Megavorhabens, das mehrere Tiroler Naturjuwele für immer zerstören würde. „Dieses völlig überdimensionierte Projekt steht wie kein anderes für die einseitige und überholte Energiepolitik des Landes Tirol und der TIWAG. Die von CIPRA festgestellten, substantiellen Versäumnisse zeigen, dass der Ausbau nicht naturverträglich realisierbar ist“, kritisiert Hanna Simons, Leiterin der Natur- und Umweltschutzabteilung des WWF. „Wir beurteilen normalerweise keine Einzelprojekte und sind auch nicht grundsätzlich gegen Wasserkraft in den Alpen“, erklärt Kaspar Schuler, Geschäftsführer der CIPRA International. „Der geplante Kraftwerksausbau verstößt aber so eindeutig gegen unsere Kriterien für nachhaltige Wasserkraftnutzung, dass wir die Einstellung des Projekts empfehlen.“ Anlässlich dessen fordert der WWF den Stopp aller Planungen und eine Absage aller Tiroler Parteien an die drohende Verbauung einzigartiger Naturjuwele. „Anstatt bodenfressender Megaprojekte braucht es einen konsequenten Schutz unserer Alpen und eine naturverträgliche Energiewende“, fordert Hanna Simons.
Der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal verstößt laut Kaspar Schuler vor allem gegen zwei zentrale CIPRA-Kriterien für nachhaltigen Wasserkraftausbau: Das wichtigste betrifft den Erhalt der letzten ökologisch intakten Flüsse, Bäche und Flussstrecken, was auch die von Österreich mitunterzeichnete Wasserdeklaration der Alpenkonvention festhält. „Den vom Ausbau des Kraftwerks Kaunertal betroffenen Gletscherflüssen Venter und Gurgler Ache sollen bis zu 80 Prozent des Wassers entzogen werden. Das hätte fatale Folgen für die Gewässerökologie der beiden Flüsse und auf das Ötztal, das schon jetzt zu den niederschlagsärmsten Tälern Tirols gehört“, kritisiert CIPRA-Geschäftsführer Schuler. „Dasselbe trifft auf das Platzertal zu, das hinter einem 120 Meter hohen Staudamm verschwinden soll – es darf doch kein weiteres ökologisch wertvolles Hochtal geopfert werden.“
Darüber hinaus kritisiert die Alpenschutzkommission den zu starken Fokus der Tiroler Energiewende auf die bereits extrem ausgebaute Wasserkraft. „Bevor ein Projekt von diesen Dimensionen in Betracht gezogen werden darf, muss zuerst alles getan werden, um den Energieverbrauch zu reduzieren und andere erneuerbare Energien naturverträglich stärker auszubauen.“ Derzeit produziert Tirol 95 Prozent seines Stroms aus Erneuerbaren mit Wasserkraft, während etwa der Anteil aus Photovoltaik weniger als 1,5 Prozent beträgt. Auch sind in Tirol erst rund ein bis zwei Prozent des PV-Potenzials ausgeschöpft.
Über den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal:
Neben der Ableitung großer Wassermengen aus wichtigen Gletscherflüsse und der Verbauung eines der letzten intakten Hochtäler, würde der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal auch den Verlust von 6,3 Hektar Moorlandschaft im Platzertal bedeuten. Darüber hinaus würde die Schwallbelastung im Inn verstärkt und es würden rund 90 Kilometer neue Restwasserstrecken entstehen. Insgesamt beträfe das Megaprojekt 20 Gemeinden – sei es durch jahrelange Großbaustellen oder durch den dauerhaften Entzug des Wassers, was gerade in Zeiten der Klimakrise dringend für Menschen und Landwirtschaft benötigt wird.
In der im Mai vorgestellten Kaunertal-Erklärung unterstützen über 40 weitere Organisationen und Wissenschaftler*innen die WWF-Forderungen nach einem Stopp des Projektes sowie nach einer naturverträglichen Energiewende und dem Schutz der letzten intakten Alpenflüsse.
Über CIPRA International
Der 1952 gegründeten Commission Internationale pour la Protection des Alpes, kurz CIPRA, gehören über 100 Organisationen im gesamten Alpenraum an. Die Alpenschutzkommission ist Initiatorin und Hüterin der Alpenkonvention, die 1995 in Kraft trat und von allen acht Alpenstaaten unterzeichnet wurde. Der völkerrechtliche Vertrag zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung der Alpen gilt weltweit als Vorbild.
Die CIPRA-Position zur Nutzung der Alpenflüsse für die Wasserkraft umfasst fünf Hauptkriterien:
1) Vorausschauende Planung und Reduzierung des Energieverbrauchs vor dem Ausbau der Wasserkraft,
2) Bestehende Wasserkraftwerke sanieren, statt neue zu bauen,
3) Die Süßwasserperlen der Alpen bewahren – intakte Flüsse und Flussabschnitte sowie kleine Flüsse und Bäche verschonen,
4) Einsatz kleiner Wasserkraftwerke nur für begrenzte und isolierte, lokale Bedürfnisse,
5) Verstärkung des länderübergreifenden Austauschs und der Zusammenarbeit.
Weiterführende Informationen zu CIPRA International finden Sie unter https://www.cipra.org
Fotos und Hintergrundinformationen zum Ausbauprojekt gibt es hier zum Download: https://wwf-bilder.px.media/share/1661854053JT2JvlLT5GjYx7
News
Aktuelle Beiträge
Wappentier im Aufwind: WWF weitet Seeadler-Monitoring aus
22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect










