EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
Brasilien: Jahrhundertflut im Amazonasgebiet
Manaus/Brasilia, 29. Juni 2009 – Die Einwohner im brasilianischen Amazonasgebiet erleben derzeit das schlimmste Hochwasser seit 107 Jahren. Mit 30 Metern erreichte der Pegel in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaats Amazonas, vergangenes Wochenende einen höheren Stand als während der großen Flut im Jahr 1953. Mehr als 64.000 Menschen mussten evakuiert werden, 15.000 Menschen wurden obdachlos und die Schäden werden auf 140 Millionen Euro geschätzt. „Die Zeiträume zwischen den Hochwassern werden im Amazonasgebiet immer kürzer“, warnt die WWF-Amazonasexpertin Martina Glanzl vor den Folgen des weltweiten Klimawandels. Neben Teilen des Amazonasgebiets sind auch die Städte Rio de Janeiro, Santa Catarina, Espírito Santo und weitere Städte betroffen.
Die brasilianische Zivilschutzbehörde gab bekannt, dass 57 Gemeinden vom Hochwasser unter Wasser standen, mehr als 64.000 Menschen mussten evakuiert werden und mehr als 15.000 Menschen wurden obdachlos. Bereits im Mai wurde der Notstand im gesamten Bundesstaat Amazonas ausgerufen. Durch die Überflutungen gingen viele landwirtschaftliche Flächen und ganze Strände am Fluss verloren und der Abfall verteilte sich in den überschwemmten Straßen der Stadt. In Manaus mussten zehn Kilometer neue Holzbrücken gebaut werden um den Fußgängerverkehr aufrecht zu erhalten. Die Schäden werden bis Ende Juni auf 140 Millionen Euro geschätzt.
Der nun erreichte historisch höchste Wasserstand in Manaus ist ein trauriger Rekord in der Regenwaldmetropole, die fünf Millionen Einwohner hat. Bei dieser Stadt fließt der Solimões-Fluss, der von den Anden kommt, mit dem Rio Negro aus den Tiefländern zusammen und bilden gemeinsam den Amazonasstrom, der nahe der Stadt Belem in den Atlantik fließt. Die 56-jährige in Manaus lebende Antônio Oliveira ist unmittelbar von den Fluten betroffen. „Ein solches Hochwasser habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Ich glaube, dass wir daran eine Teilschuld haben“, sagte Oliveira.
Der Amazonasregenwald ist mit 6.7 Millionen Quadratkilometern größer als Europa. Er beherbergt mehr als zehn Prozent der Artenvielfalt des Planeten. 13 Prozent des weltweiten Süßwassers werden dort produziert. Seit 1970 wurden mehr als ein Drittes des Waldes abgeholzt oder schwer geschädigt. Der Raubbau am größten zusammenhängenden Regenwald der Erde geht inzwischen weiter – trotz umfassender Schutzmaßnahmen. Auch der Klimawandel trägt zur Zerstörung des Waldes bei und durch das Sterben der Bäume wird die Erderwärmung zusätzlich angeheizt. „Solche Wetteranomalien wie die immer häufigeren Fluten in den letzten Jahrzehnten sind deutliche Warnsignale für die Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009“, sagt Glanzl.
Berechnungen zufolge werden bis zum Jahr 2030 55 Prozent des Amazonasregenwaldes irreparabel geschädigt sein, wenn der Klimawandel nicht aufgehalten wird. Der WWF arbeitet seit 2002 zusammen mit der brasilianischen Regierung und anderen internationalen Organisationen an der Schaffung des größten Schutzgebietes der Welt. Bis 2012 sollen 600.000 Quadratkilometer Regenwald im Amazonas dauerhaft geschützt werden.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231
Fotos unter www.wwf.at/presse.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Tigerinnen in Thailand ziehen erfolgreich Nachwuchs groß
Aufnahmen von Wildtierkameras zeigen, wie thailändische Tigerfamilien durch die Wälder streifen. Und auch Zahlen bestätigen, dass sich die dortigen Tigerbestände erholen – in Thailand ist er seit 2024 um 16% angestiegen.
WWF-Flüssereport: Drei Viertel der ökologisch wertvollen Flussstrecken ungeschützt
77 Prozent der wertvollen Flussstrecken ohne verbindlichen Schutz vor weiterem Wasserkraftausbau – Hitze und Dürre machen Schutz und Renaturierung dringlicher – WWF legt Zeugnisse für alle neun Bundesländer vor
UNO-Artenschutzkonferenz: WWF bewertet Ergebnis als „verpasste Chance“
Staaten bleiben bei Naturschutz-Finanzierung und Abbau umweltschädlicher Subventionen hinter notwendiger Ambition zurück – WWF fordert Konsequenzen auch in Österreich
CITES-Meeting: WWF warnt vor Tigerfarmen als Deckmantel für illegalen Wildtierhandel
Große Datenlücken erschweren Kontrolle des Handels mit Tigern – WWF fordert strengere Aufsicht und ein Ende der Zucht für den Handel mit Körperteilen – Artenschutzgremium CITES tagt in Genf
WWF und Ozeanforscherin Sylvia Earle legen Grundstein für besseren Schutz des Mittelmeers
Neue Hoffnungs-Zone für den Artenschutz im Mittelmeer – Basis für grenzüberschreitenden Schutz seltener Hai- und Rochenarten, Wale, Delfine und Meeresschildkröten – WWF fordert politische Zusagen
Weltnaturkonferenz: WWF fordert Kurskorrektur bei Milliarden-Subventionen
UNO-Konferenz vor Abschluss – Reform umweltschädlicher Subventionen stark umkämpft – Naturschutzorganisation fordert verbindlichen Finanzierungsplan
WWF zum Klimagesetz: Ohne verbindliche Pflichten droht Mogelpackung
Begutachtungsfrist endet am Freitag: Verbindliche Sektorziele und Rechtsschutz fehlen, Standortklausel ermöglicht Rückzieher – Bundesregierung und Nationalrat müssen Entwurf nachschärfen
WWF: 20 Spitzmaulnashörner zum Schutz vor Wilderern evakuiert
Nashorn-Wilderei in Südafrika bedroht Arterhalt – Umsiedlung von Tieren nach Botswana zum Aufbau neuer Populationen – WWF vor Ort im Einsatz gegen illegale Jagd und Handel mit Nashorn-Horn













