Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Dürre spitzt Lage zu: WWF warnt vor Austrocknung der Unteren Lobau
Die anhaltende Trockenheit bringt eines der ökologisch wertvollsten Auengebiete Österreichs massiv unter Druck, warnt die Naturschutzorganisation WWF am Freitag. Die Untere Lobau im Nationalpark Donau-Auen droht auszutrocknen. Der WWF fordert daher ein rasches Handeln der Stadtregierung und ein Maßnahmenpaket zur Rettung des sensiblen Ökosystems, darunter vor allem eine Dotierung mit frischem Wasser. „Die aktuelle Dürre verschärft eine ohnehin kritische Entwicklung dramatisch. Die Stadt Wien muss endlich handeln, anstatt den eigenen Stillstand zu zelebrieren“, sagt WWF-Experte Michael Stelzhammer.
Viele Gewässer in der Unteren Lobau leiden derzeit unter fehlender Durchströmung oder sind schon gänzlich ausgetrocknet, wie aktuelle WWF-Bilder zeigen. „Durch fehlende Niederschläge und niedrige Wasserstände verschlechtert sich die Lage sichtbar. Seitenarme, die um diese Jahreszeit Wasser führen sollten, sind ausgetrocknet, Kleingewässer verschwunden und die natürliche Verbindung zur Donau sowie zum Grundwasser wird immer schwächer“, berichtet Stelzhammer. Daher bestehe eine ernsthafte Gefahr für die Biodiversität und die ökologische Funktion der Au. Ohne kontinuierlichen Nachschub an sauerstoffreichem Wasser geraten die Lebensräume zahlreicher Tier- und Pflanzenarten unter Druck.
Besonders problematisch erscheint zudem, dass für die Bewässerung von Ackerflächen innerhalb der Lobau weiterhin Grundwasser entnommen wird, während den Au-Gewässern das Wasser fehlt. „Die ackerbauliche Nutzung von Flächen im Nationalpark ist noch bis Ende 2027 gestattet. Danach müssen sie in Naturflächen umgewandelt werden. Gerade angesichts der Dürrefolgen und des Artensterbens ist das wichtiger denn je“, sagt Stelzhammer.
Maßnahmen der Stadtregierung überfällig
Der WWF fordert vor allem die rasche Dotierung der Unteren Lobau, also die gezielte Zufuhr von Wasser aus der Oberen Lobau, um besonders betroffene Bereiche rasch mit Wasser zu versorgen und so kurzfristig stabilisieren zu können. Zugleich braucht es strukturelle Verbesserungen: eine starke Anbindung an die Donau im oberen Bereich, die Wiederherstellung naturnaher Fließdynamiken sowie Maßnahmen zur Anhebung des Wasserspiegels, etwa durch die gezielte Zugabe von Schotter ins Donaubett.
Zusätzlich würde der Bau einer Wasseraufbereitungsanlage für die Trinkwasserbrunnen in der Lobau bzw. der Anschluss an das Wasserwerk auf der Donauinsel, das nun errichtet wird, die Sicherheit für die Wiener Trinkwasserversorgung erhöhen. Damit wäre auch der Weg frei für eine naturnähere und typische Auenlandschaft.
Viele der notwendigen Lösungen sind seit Jahren bekannt, doch die Umsetzung komme nicht voran, kritisiert WWF-Experte Stelzhammer: „Es rächt sich zunehmend, dass die Stadtregierung im Vorjahr nochmals eine Studie zum Thema beauftragt hat, obwohl alle Lösungen seit vielen Jahren auf dem Tisch liegen. Es müsste schon längst um die konkrete Umsetzung gehen.“
Aktuelle Lobau-Bilder vom Mai 2026 sind hier abrufbar.
News
Aktuelle Beiträge
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz
WWF zum Natura 2000-Tag: Neue EU-Daten zeigen schlechte Lage der Biodiversität in Österreich
Aktuelle FFH-Datensätze: 81 Prozent der geschützten Arten und 77 Prozent der Lebensräume in keinem günstigen Zustand – WWF fordert größere und bessere Schutzgebiete










