Studie der Uni Graz zeigt steigende Kosten des Nicht-Handelns – WWF fordert verbindliche Klimaziele, Abbau klimaschädlicher Förderungen und mehr natürlichen Schutz vor Extremwetter
Neuer WWF-Bodenreport: Bis 2050 drohen weitere 1.000 Quadratkilometer verloren zu gehen

Unter dem Titel „Viel verbautes Österreich“ hat die Naturschutzorganisation WWF am Donnerstag ihren neuen Bodenreport präsentiert. Die Analyse zeigt: Der tägliche Bodenverbrauch liegt mit elf Hektar im Zehn-Jahres-Schnitt noch immer mehr als viermal über dem politischen Ziel. Ohne Gegensteuern würden bis 2050 zusätzliche 1.000 Quadratkilometer verloren gehen – das entspricht in etwa dem Vierfachen der heute verbauten Fläche Wiens. “Österreich geht immer noch extrem verschwenderisch mit der endlichen Ressource Boden um. Daher braucht es dringend einen Kurswechsel mit einem Bodenschutzvertrag”, sagt WWF-Programmleiterin Hanna Simons.
Trotz eines seit über 20 Jahren versprochenen Limits von 2,5 Hektar pro Tag ist dieses laut dem WWF-Report jedes einzelne Jahr verfehlt worden – insgesamt um rund 111.000 Hektar. Haupttreiber seien eine mangelhafte Raumordnung mit zersplitterten Kompetenzen, zahnlose Kontrollen der zuständigen Behörden, falsche Anreize und umweltschädliche Subventionen. “Es fehlen vor allem verbindliche, in Zahlen gegossene Ziele, die alle politisch Verantwortlichen zu einem schärferen Vorgehen gegen die übermäßige Verbauung drängen sollten”, sagt WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories.
Zersiedelung und Straßenbau führen zu einem Teufelskreis für die wertvollen Äcker, Wiesen und Wälder des Landes. “Insbesondere neue Straßen wirken häufig wie ein Magnet für noch mehr neue Gewerbeparks”, sagt Simon Pories vom WWF unter Verweis auf den Bodenreport. Mit einem Wachstum von mehr als drei Hektar pro Tag wurde das “2,5-Hektar-Ziel” im Zehn-Jahres-Schnitt allein durch das Wachstum der Betriebsgebiete deutlich überschritten. Bei den Fachmarktzentren gab es seit der Jahrtausendwende eine Zunahme von fast 160 Prozent. “Grundsätzliche Reformen in der Raumordnung sind daher überfällig”, fordert Simon Pories.
Der Bodenverbrauch ist laut der WWF-Analyse eines der größten Umweltprobleme Österreichs – mit vielschichtigen Auswirkungen auf Biodiversität, Klima, Gesundheit, Ernährungssicherheit und Katastrophenschutz. “Je mehr Boden versiegelt wird, desto größer ist auch das Risiko bei Extremwetter-Ereignissen, die mit der Klimakrise häufiger und stärker werden”, nennt Simon Pories ein Beispiel. Daher sei ein Umdenken entlang der Devise “mit der Natur, nicht gegen sie” notwendig. “Intakte Böden, Flüsse und Auen können auch eine Art ‘grünes Sicherheitsnetz’ bilden, indem sie enorm viel Wasser speichern und somit die Folgen von Überflutungen und Dürren eindämmen.”
Bodenreport mit 22 Maßnahmen
Um gegenzusteuern, enthält der WWF-Bodenreport 22 Lösungsvorschläge. Neben einer verbindlichen Obergrenze fordert die Umweltschutzorganisation eine umfassende Reform der Raumordnung, gezielte Entsiegelung, die Ökologisierung des Steuersystems sowie eine groß angelegte Naturschutz-Offensive. “Nur durch mutiges Handeln auf allen politischen Ebenen kann der Flächenfraß gestoppt und die Lebensgrundlage künftiger Generationen gesichert werden“, appelliert WWF-Programmleiterin Hanna Simons.
Für den Bodenreport 2025 hat der WWF aktuelle Zahlen und wissenschaftliche Berichte ausgewertet sowie Bauprojekte in mehreren Bundesländern analysiert. Die neue Ausgabe und aktuelle Bilder gibt es hier zum Download.
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