In zehn Jahren über 3.300 Störe in der Unteren Donau illegal getötet – WWF warnt vor Kollaps dieser wichtigen Vorkommen in Europa und fordert konsequentere Strafverfolgung
Rekordtemperaturen, Massentourismus, Überfischung: WWF fordert 5-Punkte-Schutzpaket für das Mittelmeer
Wien, am 3. Juli 2026 – Das Mittelmeer gerät immer stärker unter Druck. Neben Verschmutzung, Überfischung, Massentourismus und intensiver Schifffahrt verschärfen derzeit außergewöhnlich hohe Meerestemperaturen die Lage – für den WWF ein deutlicher Weckruf, das Mittelmeer mit einem 5-Punkte-Paket besser zu schützen. „Das Mittelmeer macht nur ein Prozent der globalen Meeresfläche aus, beherbergt aber fast 20 Prozent aller bekannten Meerestierarten. Gleichzeitig ist es als Binnenmeer besonders anfällig für zahlreiche menschengemachte Bedrohungen. Wir müssen es dringend besser schützen, um seine einzigartige Artenvielfalt zu erhalten“, sagt WWF-Mittelmeerexpertin Simone Niedermüller.
Um die Mehrfachbelastungen für das Mittelmeer zu reduzieren, fordert der WWF neben allgemeinen Klimaschutzmaßnahmen, insbesondere die folgenden fünf konkreten Punkte:
- Meeresschutzgebiete ausweiten
Ein zentraler Baustein des Schutzpakets ist die Ausweitung von Meeresschutzgebieten (Marine Protected Areas, MPAs). Derzeit stehen lediglich rund zehn Prozent des Mittelmeers unter Schutz. Der WWF fordert eine Verdreifachung auf mindestens 30 Prozent bis 2030 – entsprechend den europäischen und globalen Biodiversitätszielen. Meeresschutzgebiete schaffen Rückzugsräume für bedrohte Arten, schützen sensible Lebensräume vor Zerstörung und stärken die Widerstandsfähigkeit des gesamten Ökosystems.
- Plastikverschmutzung eindämmen
Das Mittelmeer zählt zu den am stärksten von Plastikmüll belasteten Meeren der Welt. Besonders problematisch sind sogenannte Geisternetze und andere Abfälle aus der Fischerei. Um den Eintrag von Plastik zu reduzieren, fordert der WWF strengere Kontrollen gegen die illegale Entsorgung, bessere Recycling- und Wiederverwendung Systeme an Land sowie verstärkte Aufklärung von Bevölkerung und Tourist:innen.
- Haie und Rochen besser schützen
Gezielte Maßnahmen zum Schutz bedrohter Arten sind dringend notwendig. Besonders alarmierend ist die Situation bei Haien und Rochen: Rund 70 Prozent der Arten im Mittelmeer sind gefährdet. Als wichtige Raubfische spielen sie eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und helfen dabei, die Ausbreitung invasiver Arten einzudämmen. Der WWF fordert daher flächendeckende Fangverbote für besonders gefährdete Haie und Rochen, sowie Fischereimanagement für kommerzielle Arten im gesamten Mittelmeer.
- Blaue Korridore errichten
Auch Meeressäuger und Meeresschildkröten benötigen besseren Schutz. Neben dem Beifang stellt vor allem die intensive Schifffahrt mit ihrem Unterwasserlärm und dem Risiko von Kollisionen eine große Gefahr dar. Der WWF fordert daher die Einrichtung sogenannter „Blauer Korridore“, die den Tieren sichere und störungsarme Wanderwege ermöglichen. Ergänzend sollen Geschwindigkeitsbeschränkungen für Freizeitboote, Fähren und Frachtschiffe sowie Ankerverbote in Gebieten mit sensiblen Seegraswiesen eingeführt werden. Diese Lebensräume dienen Seepferdchen, Weichtieren und zahlreichen Fischarten als Rückzugsort und wichtige Kinderstube.
- Hochseeabkommen umsetzen
Als weiteren Meilenstein fordert der WWF alle Mittelmeer-Anrainerstaaten auf, das Anfang des Jahres beschlossene UN-Hochseeabkommen (BBNJ) rasch zu ratifizieren und seine Umsetzung aktiv voranzutreiben. Laut einem neuen WWF-Report könnte das Mittelmeer eine Schlüsselrolle bei der praktischen Umsetzung des Abkommens spielen. Es bietet die Chance, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu stärken, bestehende Gesetzeslücken zu schließen und internationale Naturschutzziele wirksam umzusetzen. „Gerade für das Mittelmeer, eine ökologisch eng vernetzte und zugleich politisch komplexe Region, liefert das Abkommen den praktischen Rahmen, um die Zusammenarbeit zu verbessern und ambitionierte Ziele in konkretes Handeln zu übersetzen“, sagt Niedermüller.
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