Mehr Wasser, mehr Artenvielfalt: Dank der erfolgreich umgesetzten Maßnahme an der Grenzmur führt der Mühlbach heute mehr als doppelt so viel Wasser wie früher.
Rote Karte für Männlichkeit auf Kosten der Natur
Wien, am 6. Juni 2008 – Wüsten-Zistanche? Afrikanisches Stinkholz? Nie gehört? Hierzulande noch kaum bekannt, sind diese exotischen Heilpflanzen – die vor allem bei „Männerleiden“ helfen sollen – bereits massiv gefährdet. Längst nicht mehr nur in der traditionellen Medizin genutzt, gewinnen sie in der modernen Naturheilkunde und in der Wellnessindustrie auch in Europa zunehmend an Bedeutung. „Die Apotheke Natur wird bald geschlossen sein, wenn wir ihre Bestände weiterhin so schonungslos plündern!“, schlägt WWF-Artenschutzexpertin Jutta Jahrl Alarm. Schon jetzt fallen 350 Medizinalpflanzen unter den Schutz der strengen Handelsbestimmungen von CITES, dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen. In Österreich wurden 2007 erstmals größere Mengen illegal importierter Präparate aus geschützten Medizinalpflanzen beschlagnahmt. Unwissende Konsumenten hatten sie im Internet teuer bestellt und müssen nun zusätzlich mit hohen Strafen rechnen.
Der Markt für Arzneien, Kosmetikprodukte oder Tees aus Pflanzen ist ein einträgliches Geschäft. Rein rechnerisch verwenden vier von fünf Menschen Heilstoffe aus der Natur – ein Drittel des weltweiten Verbrauches fällt dabei auf Europa. Dieser Boom ist Fluch und Segen zugleich. Dass weltweit 80 Prozent der Pflanzen nicht kommerziell angebaut, sondern wild gesammelt werden, hat zu teils bedenklicher Übernutzung der Bestände geführt. Werden die Pflanzen jedoch nachhaltig geerntet, ist deren Verwendung durchaus positiv zu sehen: „Medizinalpflanzen stellen für lokale Bauern und Sammler eine wichtige Einnahmequelle dar und festigen ihr Wissen um traditionelle Heilmethoden“, erklärt Dr. Max Abensperg-Traun, CITES-Experte des Lebensministeriums.
Ankick für die Potenz: Chinesische Wüstenpflanze zunehmend bedroht
Seit wenigen Jahren sind in Online-Shops weltweit Präparate mit Extrakten der Wüsten-Zistanche (Cistanche deserticola) erhältlich, die – seit Jahrhunderten in der tradtionellen chinesischen Medizin angewendet – unter anderem Hilfe gegen Impotenz und Unfruchtbarkeit versprechen. Die steigende internationale Nachfrage hat zum Raubbau an wildwachsenden Zistanchen geführt, sodass deren Bestände bereits gefährlich geschrumpft sind. Eine Zucht ist bei diesen parasitischen Pflanzen noch nicht möglich.
Prostata im Abseits? Bäume für Arzneigewinnung stehen lassen!
Produkte, die aus der Rinde des Afrikanischen Stinkholzes (Prunus africana) gewonnen werden, erfreuen sich bei Männern mit Prostataleiden zunehmender Beliebtheit. Der immergrüne Baum wächst in afrikanischen Bergwäldern und erreicht imposante Höhen von bis zu 40 Metern. Außergewöhnlich sind auch die Gewinne, die mit dem Handel dieses Prostatamittels erzielt werden: Umgerechnet etwa 140 Millionen Euro. Stinkholz wird meist durch Fällen der Bäume gewonnen. Bleibt der Baum jedoch stehen und belässt man 50 % der Rinde am Stamm, ist die nachhaltige Nutzung ihrer Heilkraft gesichert.
„Konsumenten können derzeit zwar nicht direkt beeinflussen, wie Heilpflanzen in den Handel gelangen“, erläutert Jahrl. „Wer jedoch im Laden oder der Apotheke nachfragt, was genau in den Pillen drin ist und ob es aus legaler Quelle stammt, hat sicherlich ein besseres Gefühl. Vorsicht ist vor allem bei Käufen aus dem Internet geboten!“, so die WWF-Expertin abschließend.
Rückfragehinweis und Fotos:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250 oder 0676/83 488 203
Jutta Jahrl, WWF-Artenschutzexpertin, Tel. 01/488 17 264 oder 0676/83 488 264
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