Zum Ende der Begutachtung: Zentrale Maßnahmen fehlen, Finanzierung ungeklärt – Weitreichende Ausnahmen bei Stadtbegrünung – WWF fordert grundlegende Überarbeitung
Rückkehr der Wölfe: WWF fordert Wiederbelebung des traditionellen Hirtenwesens
Heuer bereits 27 Nachweise in sieben Bundesländern – Bestände in umliegenden Staaten steigen, drei Nachbar-Populationen in Österreich gezählt – WWF fordert gemeinsam mit Landwirten Herdenschutz-Offensive
Wien, 31.05.2021 – Anlässlich der beginnenden Almsaison veröffentlicht die Naturschutzorganisation WWF Österreich neue Zahlen zur Wolfspopulation und fordert gemeinsam mit Landwirten ein Herdenschutz-Paket. Bis Mitte Mai dokumentierten schon sieben Bundesländer insgesamt 27 Wolfsnachweise – davon je sechs in Niederösterreich und Tirol, vier in Salzburg, je drei in Vorarlberg, der Steiermark und Oberösterreich sowie zwei in Kärnten. Ein wesentlicher Grund dafür ist laut WWF die Erholung der Populationen in umliegenden Ländern. Da Wölfe auf der Suche nach neuen Lebensräumen weite Wege zurücklegen, konnten heuer bereits Individuen aus drei verschiedenen Nachbar-Populationen in Österreich festgestellt werden. “Der Wolf ist eine streng geschützte Art und eine absolute Bereicherung für unsere Natur. Für ein gutes Miteinander braucht es mehr Herdenschutz und eine Wiederbelebung des traditionellen Hirtenwesens. Das würde sich doppelt und dreifach rentieren”, sagt WWF-Wolfsexperte Christian Pichler. Zugleich benötige es ein besseres Monitoring und schärferes Vorgehen gegen kriminelle Abschüsse von Wölfen. Denn vermutlich verursachten illegale Tötungen im Vorjahr einen Rückgang auf maximal 40 Wölfe und nur noch ein Rudel in Österreich.
Auch der Vorarlberger Landwirt Herbert Strolz plädiert für mehr Herdenschutz-Maßnahmen: “Seit vielen Jahren wissen wir, dass Wölfe nach Österreich zurückkehren und wir uns darauf vorbereiten müssen. Es findet langsam ein Umdenken statt und in den Bundesländern sind engagierte Zuständige am Werk. Dennoch muss die Politik der Landwirtschaft viel stärker unter die Arme greifen und mehr informieren, um Herden besser schützen zu können.” Die Schweiz gehe seit Jahren mit gutem Beispiel voran, sagt Strolz, denn so steige zwar die Anzahl der Wolfsrudel kontinuierlich, aber sinke die Anzahl gerissener Schafe pro Beutegreifer.
Herdenschutz durch Behirtung bringe zahlreiche Vorteile, erklärt der niederösterreichische Landwirt und Gründer des Vereins ‚Hirtenkultur‘, Stefan Knöpfer: “Behirtung schützt Nutztiere vor Krankheiten, Unwetter oder Steinschlag. Das sind sehr viel häufigere Todesursachen als Wölfe. Eine von Hirtinnen und Hirten gelenkte Bewirtschaftung von Weiden oder Almen stärkt den Schutz vor Bodenerosion und belebt die biologische Vielfalt – etwa von Pflanzen und Vögeln.” Auch wenn Herdenschutz im alpinen Gelände herausfordernder sei als im Flachland, führe daran kein Weg vorbei. Kontraproduktiv seien hingegen die ständigen Rufe nach – europarechtswidrigen – Abschüssen: “Am strengen Schutzstatus wird sich nichts ändern. Wölfe aus umliegenden Ländern werden immer wieder durch Österreich streifen. Herdenschutz ist alternativlos und Behirtung bringt viele Vorteile”, ist der Landwirt überzeugt.
WWF für Herdenschutz-Paket
Der WWF fordert Länder und Bundesregierung zum raschen gemeinsamen Handeln auf: Zur Wiederbelebung des traditionellen Hirtenwesens braucht es ein besseres Ausbildungsangebot und eine höhere Bezahlung samt einer Reform des Förderwesens im Sinne der Alm- und Weidewirtschaft. Der Einsatz von Herdenschutzhunden muss erleichtert werden, die Rahmenbedingungen sind bisher unzureichend. Zudem braucht es mehr sachliche Informationen über Herdenschutz für Bäuerinnen und Bauern. Das soll mit stärkeren Förderungen für Schutzmaßnahmen und einem unbürokratischen Ausgleich im Schadensfall bei fachgerecht geschützten Herden einhergehen. Die Politik muss auch Fördertöpfe der Europäischen Union deutlich stärker als bisher ausschöpfen.
“Gibt es fachgerechten Herdenschutz, meiden Wölfe Weidetiere von Beginn an und konzentrieren sich auf ihre Rolle als eine Art Gesundheitspolizei des Waldes”, argumentiert WWF-Biologe Christian Pichler. Wölfe halten den Wildbestand und damit den Wald gesund, indem sie vor allem kranke und schwache Tiere erbeuten. Zusätzlich profitieren andere Arten von Nahrungsresten, die ihnen Meister Isegrim hinterlässt.
Aktuelle Wolfs-Populationen in einzelnen Nachbarstaaten Österreichs
Schweiz: 11 Rudel, 100 Individuen
Südtirol und Trentino: 17 Rudel, 100 Individuen
Deutschland: 128 Rudel, 500 Individuen
Slowenien: 14 Rudel, 110 Individuen
Frankreich: 100 Rudel, 570 Individuen
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
+43 676 83 488 276
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Städtecheck: Große Lücken bei Stadtbegrünungsplänen
14 Städte untersucht: Planungslücken bei Maßnahmen, Finanzierung und Erfolgskontrolle – WWF fordert langfristige Begrünungsplanung und mehr Unterstützung durch Bund und Länder
WWF Living Planet Report: Wildtierbestände weltweit massiv eingebrochen
Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
WWF Living Planet Report: Wildtierbestände weltweit massiv eingebrochen
Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten
Wassermangel im Herbst: Sehr niedrige Wasserführung an über 80 Prozent der Flusspegel
September-Bilanz: Massiver Wassermangel in Flüssen von Niederösterreich bis Vorarlberg – Grundwasserstände bleiben vielerorts niedrig – WWF fordert Schutzprogramm und mehr Renaturierung
„Reh umgefahren. Halb so Wild“: WWF legt Beschwerde beim Werberat ein
Naturschutzorganisation kritisiert Verharmlosung von Tierleid und fordert Rücknahme des Smile-Sujets – Werberat sollte sich als klares Signal für Werbestopp oder Sujetwechsel aussprechen
WWF kritisiert späten und lückenhaften Start des Wasser-Registers
Umweltschutzorganisation fordert raschere Umsetzung und umfangreichere Erfassung der Wassernutzung – WWF warnt vor „blinden Flecken“ im Wasserentnahme-Register
Welttierschutztag: WWF fordert Ende der Verfolgung geschützter Wildtiere
Wolfsabschüsse auf Rekordniveau, Tötungskontingente für über 1.000 Biber – WWF: Bund und Länder müssen Prävention und Artenschutz stärken
WWF zu Wolfsabschuss in Arzl: DNA-Befund weist Goldschakal nach
Neuer Landesbefund legt nahe, dass getöteter Wolf für Ziegenrisse nicht verantwortlich war – WWF fordert Aufklärung und Ende voreiliger Abschussfreigaben









