An rund 85 Prozent der Pegel lagen die Juni-Abflüsse unter dem langjährigen Mittel – Hohe Wassertemperaturen verschärfen Lage für Fische und Gewässerlebensräume
Vergiftete Gänsegeier: Neue Spuren im Kärntner Giftfall
Im Fall der im April vergifteten Gänsegeier im Kärntner Lesachtal gibt es neue Erkenntnisse. Zumindest drei der verendeten Vögel hatten Fleisch vom Rotwild im Magen, berichten der WWF und BirdLife Österreich auf Basis neuer Analysen des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI). Genetisch untersucht wurden die Nahrungsreste in den Mägen der Gänsegeier.
„Die neuen Erkenntnisse erhärten den Verdacht auf einen gezielten Giftanschlag gegen geschützte Wildtiere. Rotwild zählt zur Hauptbeute von Wölfen, die wiederholt Ziel von Vergiftungen gewesen sind. Daher liegt der Verdacht nahe, dass auch im Lesachtal Wölfe getroffen werden sollten“, sagt WWF-Expertin Christina Wolf-Petre. Historisch zählten Vergiftungen zu den Hauptursachen für die ursprüngliche Ausrottung des Wolfs in Österreich. Erst im April wurden in Italien zumindest 18 Wölfe mit dem EU-weit verbotenen Carbofuran vergiftet.
„Gänsegeier spüren Kadaver über große Distanzen auf und nutzen sie als Aasfresser. Ein gezielter Anschlag auf die Geier ist zwar nicht ausgeschlossen, aber bisher deutet Vieles darauf hin, dass es sich um einen Kollateralschaden handelt, der in Kauf genommen wurde“, sagt Johannes Hohenegger, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich.
„Der Fall zeigt die besondere Gefahr von Giftködern: Sie wirken völlig unkontrollierbar und können zahlreiche geschützte Arten treffen. Ein einziger präparierter Kadaver kann Wölfe, Geier, Greifvögel und andere Wildtiere gefährden“, sagt Christina Wolf-Petre vom WWF.
Carbofuran ist ein hochgiftiges Nervengift und in der Europäischen Union seit 2008 verboten, wird aber bis heute immer wieder illegal eingesetzt. Bereits geringe Mengen können nicht nur für Wildtiere, sondern auch für Haustiere und Menschen gefährlich sein. Der WWF und BirdLife fordern daher mehr Ressourcen für die ermittelnden Behörden und eine konsequente Verfolgung von Wildtierkriminalität.
Meldemöglichkeiten
Für eine lückenlose Aufklärung sind Hinweise aus der Bevölkerung essenziell. Wer verdächtige Beobachtungen im Zusammenhang mit Wildtierkriminalität macht oder Hinweise auf illegale Tötung geschützter Arten hat, wird gebeten, sich zu melden. Jede Information kann helfen, die Täter:innen zur Rechenschaft zu ziehen.
- Landespolizeidirektion Kärnten: +43 59 133 20 33 33
- WWF-Hotline: +43 676 444 66 12
- BirdCrime-Hotline: +43 660 869 2327
- E-Mail: meldung@wildlifecrime.at
- Anonyme Meldeplattform: Zur Meldestelle https://c07.aygonet.org/anonymemeldeplattform-fuer-wildtierkriminalitaet/
Bildmaterial finden Sie hier zum Download.
Hintergrund-Informationen: Grenzüberschreitendes EU-LIFE-Projekt „wildLIFEcrime“
Im Rahmen des EU-geförderten wildLIFEcrime-Projekts (LIFE22-GIE-DE-wildLIFEcrime) arbeiten 13 Organisationen aus Österreich und Deutschland an der Reduktion der Wildtierkriminalität. Eine Koalition aus Naturschutzverbänden, Polizei, Universitäten, Behörden und Veterinärmedizinern setzt sich für den besseren Schutz gefährdeter Arten ein, wodurch dieses Projekt bis 2028 dazu beitragen soll, die Wildtierkriminalität in Deutschland und Österreich zu reduzieren.
Weiterführende Links:
https://wildlifecrime.info/projekt
https://www.birdlife.at/birdcrime
https://www.wwf.at/das-schuetzen-wir/bedrohte-arten/wildtierkriminalitaet/

News
Aktuelle Beiträge
WWF warnt vor Tabubruch im Lech-Schutzgebiet
Wasser aus intaktem Namloserbach im Natura-2000-Gebiet soll großteils abgeleitet werden – WWF sieht Genehmigungsfähigkeit höchst fraglich und fordert E-Werke Reutte zum Abbruch der Planungen auf
Tiwag-Gehälter: WWF fordert neue Strategie für Landeskonzern
Debatte über millionenschwere Vorstandsbezüge zeigt großen Reformbedarf bei Transparenz, Gemeinwohl und Naturverträglichkeit
Invasive Arten im Mittelmeer: WWF warnt vor Folgen für Artenvielfalt, Fischerei und Tourismus
Hasenkopf-Kugelfisch, Rotfeuerfisch, blaue Schwimmkrabbe & Co. bedrohen Mittelmeer-Lebensraum – WWF fordert: Natürliche Feinde wie Haie, Rochen und Oktopusse besser schützen; Überfischung stoppen; Meeresschutz ausweiten
WWF-Analyse: Untere Lobau fehlt im Renaturierungsatlas für Gewässer
Ausgerechnet eines der wichtigsten Sanierungsgebiete im Nationalpark Donau-Auen ist bisher nicht ausgewiesen – WWF sieht kritische Lücke und fordert Nachmeldung durch Wien und Niederösterreich beim Umweltministerium
Rekordtemperaturen, Massentourismus, Überfischung: WWF fordert 5-Punkte-Schutzpaket für das Mittelmeer
Umweltschutzorganisation macht auf dramatischen Zustand des Mittelmeers aufmerksam – Konkrete Maßnahmen gegen Plastikverschmutzung, Überfischung, intensive Schifffahrt und Artensterben gefordert
Hitzewelle: Stark gefährdete Huchen in der Pielach verendet
Fotobelege aus Wasserkraft-Restwasserstrecken – WWF fordert akute Wasserabgabe, Schutzprogramm und rasche Renaturierung der letzten Huchenflüsse
WWF-Analyse stellt Tiroler Abschuss von Forschungswolf infrage
Auswertung der Standortdaten zeigt unauffällig wandernden Wolf abseits von Ortschaften – Forschungsleiter kritisiert Vorgehen der Behörden – WWF fordert volle Aufklärung durch Landesregierung
WWF kritisiert Niederösterreichs Angriff auf Renaturierung scharf
Naturschutzorganisation: Blockade-Drohung ist fahrlässig und verantwortungslos – Wiederherstellung der Natur schützt Gemeinden vor Hitze, Hochwasser und Folgekosten










