7,7 Hektar pro Tag – Politisches Ziel deutlich überschritten – „Boden-Budget“ bereits Ende April erschöpft – WWF fordert Maßnahmen gegen fortschreitende Verbauung
Welttag der Feuchtgebiete: WWF fordert Rettungspaket für Flüsse, Auen und Moore
WWF für ausnahmslosen Schutz wertvoller Feuchtgebiete und ein Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz mit starken Naturschutzkriterien – Ohne mehr Naturschutz werden auch die Klimaziele verfehlt
Wien, am 1. Februar 2021. Anlässlich des „Welttages der Feuchtgebiete“ am 2. Februar warnt die Naturschutzorganisation WWF Österreich vor der weiteren Verbauung österreichischer Flüsse, Auen und Moore. Derzeit befinden sich nur mehr weniger als 15 Prozent der Flüsse in einem sehr guten ökologischen Zustand. Lediglich ein Prozent wird von intakten Auen begleitet. In den vergangenen 150 Jahren gingen allein in Österreich mehr als 74.000 Hektar an Flussräumen verloren. Bis heute werden immer wieder auch wertvolle Moore zerstört sowie Flüsse mit fragwürdigen Ausnahmegenehmigungen verbaut. „Intakte Naturjuwelen sind für das Weltklima und den Artenschutz unverzichtbar. Dennoch sind sie gerade in Österreich besonders rücksichtslos verbaut worden“, kritisiert WWF-Expertin Bettina Urbanek. Daher fordert der WWF ein dreistufiges Rettungspaket, das wertvolle Feuchtgebiete österreichweit konsequent schützt, überflüssige Querbauwerke beseitigt und die Verbauung der letzten frei fließenden Flüsse verhindert.
Besonders wichtig ist ein Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) mit wirksamen Naturschutzkriterien. „Mit über 5.200 Kraftwerken sind unsere Flüsse schon jetzt viel zu stark verbaut. Dennoch werden aufgrund falsch ausgerichteter Subventionen hunderte neue Anlagen kommen, wenn die Politik nicht gegensteuert“, warnt Bettina Urbanek. Der WWF fordert daher sowohl die Energiebranche als auch die Politik zum Umsteuern auf: „Gerade in Schutzgebieten haben neue Kraftwerke nichts verloren. Wir brauchen intakte und klimafitte Flüsse anstatt subventionierter Naturzerstörung“, fordert Bettina Urbanek. In Zukunft sollten daher nur noch Projekte gefördert werden, die außerhalb von Schutzgebieten und ökologisch besonders sensiblen Gewässerstrecken liegen.

Eine aktuelle market-Umfrage zeigt eine klare Absage für den Bau und die Subventionierung neuer Wasserkraftwerke in Schutzgebieten, wofür derzeit Energiekonzerne bei der Bundesregierung lobbyieren. Insgesamt bewerten diese Forderung fast zwei Drittel der im Novemer 2020 Befragten für „ganz und gar nicht akzeptabel“, bzw. „weniger akzeptabel“. Aufgeschlüsselt nach politischer Präferenz ergibt sich bei Sympathisant*innen aller Parteien eine Mehrheit gegen neue Wasserkraftwerke in Schutzgebieten.
50 Jahre Ramsar-Konvention
Der 1971 verabschiedete Vertrag zum Schutz von Feuchtgebieten (Ramsar-Konvention) feiert 2021 sein 50-jähriges Jubiläum. Zur Erinnerung an das von über 170 Ländern ratifizierte Abkommen wird der von der UNESCO ausgerufene „Welttag der Feuchtgebiete“ begangen. Feuchtgebiete fungieren als Grundwasserfilter, speichern große Mengen an Kohlendioxid und sind ein Überschwemmungsschutz. Ihre Bewahrung spielt daher eine wichtige Rolle gegen die Erderhitzung. Auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie schreibt seit 2000 vor, dass die Mitgliedsstaaten ihre Gewässer in einen guten ökologischen Zustand bringen müssen. Österreich ist von diesem Ziel aber noch sehr weit entfernt.
Rückfragehinweis:
Mag. Volker Hollenstein
Leitung Politik und Kommunikation WWF Österreich
volker.hollenstein@wwf.at
+43 664 501 31 58
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Budget: WWF fordert Wasserzins nach Schweizer Vorbild
Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
WWF: Salzburger Wolf-Verordnung verstößt gegen EU-Recht
Naturschutzorganisation warnt vor Gefährdung des Artenschutzes und erheblichem Tierleid – Rückzug der Verordnung aufgrund zahlreicher Mängel gefordert
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Euro beim Schutz der Biodiversität – Nur 30 Prozent des Bedarfs gedeckt – WWF und Wissenschaft fordern Kurswechsel bei Budget-Entscheidungen
WWF kritisiert Österreich-Vorstoß zur Lockerung von EU-Umweltauflagen
Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima
Durchbruch an der Grenzmur: WWF zeigt, wie Renaturierung gelingt
WWF Österreich und slowenische Projektpartner stellen natürlichen Fluss der Mur wieder her – Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Flusslebensräume
Hitzetod bedroht Amazonas-Delfine: Studien zeigen gefährliche neue Normalität
Anhaltende Überhitzung von Flüssen gefährdet seltene rosa Flussdelfine – Klimakrise als Ursache für “thermische Fallen” von bis zu 41 Grad Celsius – WWF fordert besseren Schutz von Flüssen
Hunde-Spaziergang am Inn: Wie man Vogel-Nachwuchs schützen kann
An den Kiesbänken des Inns brüten derzeit wieder seltene Vogelarten. Doch Spaziergänger:innen und freilaufende Hunde können den Nachwuchs unwissentlich gefährden.
Statusbericht Wolf: 121 Wölfe in Österreich nachgewiesen, weniger Rudel, kaum Nachwuchs
Neuer Bericht des Österreichzentrums: Rückgang auf acht Wolfsrudel im Vorjahr, nur wenige Welpen, Rekordzahl an Abschüssen – WWF fordert mehr Herdenschutz










