Zwei Wochen vor EU-Deadline noch immer kein Gesamtentwurf vorliegend – Historische Dürre zeigt Notwendigkeit von Renaturierung – Umweltminister und Bundesländer in der Pflicht
WWF kritisiert Abschuss-Bilanz 2025: Alle zwei Wochen ein toter Wolf
Allein im Vorjahr wurden in Österreich insgesamt 25 Wölfe auf Basis einer Verordnung oder durch Wildtierkriminalität getötet, wie eine aktuelle Erhebung der Naturschutzorganisation WWF zeigt. Das entspricht rund einem Viertel der bislang bekannten Population von nur 102 Wölfen. „Im Schnitt wird in Österreich alle zwei Wochen ein Wolf getötet. Ein derart aggressiver Umgang mit einer geschützten Art ist völlig unverhältnismäßig und gefährdet die Entwicklung eines günstigen Bestandes“, sagt WWF-Experte Christian Pichler zu den Zahlen. Der Negativ-Trend des Vorjahres setzt sich heuer nahtlos fort, denn allein in den ersten zwei Monaten 2026 wurden in Kärnten (5) und Tirol (2) schon wieder sieben Wölfe per Verordnung getötet.
In der Detailauswertung 2025 erfolgten 22 Abschüsse auf Basis von Verordnungen, die laut einer WWF-Analyse allesamt dem EU-Recht widersprechen. Dazu kommen noch drei dokumentierte illegale Tötungen. Im Bundesländer-Vergleich liegt Kärnten mit 13 Wolfstötungen im Vorjahr an der Spitze, gefolgt von Tirol (7), Niederösterreich (3), Salzburg und Oberösterreich (je 1).
Angesichts dieser Zahlen fordert der WWF einen Kurswechsel von der Politik: „Anstatt vor allem auf Abschüsse und Stimmungsmache zu setzen, müssen rechtssichere, wissenschaftlich fundierte Lösungen dominieren. Dazu zählen die Einhaltung des EU-Artenschutzrechts, mehr Herdenschutz und ein konsequentes Vorgehen gegen Wildtierkriminalität“, sagt Christian Pichler vom WWF. Der Ökologe verweist auf die Schlüsselrolle der intelligenten und sozialen Tiere für die Natur. „Als großer Beutegreifer hilft der Wolf übermäßig hohe Wildbestände zu regulieren und die Artenvielfalt und die Waldverjüngung zu fördern“, sagt WWF-Experte Christian Pichler.
WWF: Österreich schießt seit 2022 fünf Mal mehr als Deutschland
Ein Vergleich Österreichs mit dem flächenmäßig deutlich größeren Deutschland zeigt das überschießende Vorgehen gegen den Wolf als europarechtlich geschützte Art. In Deutschland wurden seit dem Jahr 2022 insgesamt 12 Wölfe im Rahmen so genannter Managementmaßnahmen getötet. In Österreich waren es im selben Zeitraum 57 behördlich genehmigte Tötungen – also fast fünf Mal so viele (jeweils ohne Fälle von Wildtierkriminalität). „In Deutschland werden höchstens einzelne Tiere entnommen, während bei uns ein erheblicher Teil des Bestandes getötet wird. Das ist aus Artenschutz-Sicht eine fatale Entwicklung, die gestoppt werden muss“, sagt Christian Pichler vom WWF.
Laut den aktuell verfügbaren Zahlen sind hierzulande nur neun Wolfsfamilien nachgewiesen, in Deutschland jedoch 219 Rudel. Im internationalen Vergleich zählt Österreich zu den Ländern mit den kleinsten Wolfspopulationen Europas. Selbst kleinere, dichter besiedelte und aus ökologischer Sicht weniger geeignete Länder wie die Niederlande verfügen mittlerweile über eine größere Wolfspopulation als Österreich.
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