Neuer Landesbefund legt nahe, dass getöteter Wolf für Ziegenrisse nicht verantwortlich war – WWF fordert Aufklärung und Ende voreiliger Abschussfreigaben
WWF kritisiert Fischotter-Tötungsverordnung in Salzburg
Im März erklärte Landesrat Josef Schwaiger das Aus für eine geplante Fischotter-Tötungsverordnung in Salzburg. Jetzt soll ein neuer Entwurf zur Abstimmung gelangen, der die Tötung von 19 Tieren pro Jahr vorsieht, kritisiert die Naturschutzorganisation WWF Österreich. „Das besorgniserregende Fischsterben ist menschengemacht. Daran wird auch eine sinnlose und grausame Jagd auf Otter nichts ändern. Wie selbst die fachzuständige Behörde feststellt, leiden Gewässer und Fische vor allem unter Verbauung, Verschmutzung und Übernutzung. Deshalb muss Salzburg den Gewässerschutz mit Hochdruck vorantreiben statt den Artenschutz auszuhebeln“, fordert WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre. Europäisches Naturschutzrecht sieht für Ausnahmen vom strengen Schutz der Meisterschwimmer eine Einzelfallprüfung sowie die Ausschöpfung gelinderer und zielführender Mittel vor. Die Tötung eines willkürlichen Kontingents würde dies unterlaufen. Zumal Fischotter-Entnahmen in anderen Bundesländern zeigen, dass sie zu keiner Erholung der Fischbestände führen. Trotzdem sollen Otter selbst in Regionen entnommen werden, in denen sie keinen – naturschutzrechtlich geforderten – “günstigen Erhaltungszustand” aufweisen. Beteiligungsrechte von NGOs werden trotz EU-Vertragsverletzungsverfahren ignoriert. Der WWF fordert die ersatzlose Streichung der Verordnung sowie eine Sanierungsoffensive für Salzburgs Gewässer, um Fische und Otter besser zu schützen.
Trotz zaghafter Fortschritte in der Renaturierung von Salzburgs Flüssen setzen hunderte Wasserkraftwerke, Flussbegradigungen, Uferverbauungen, Querbauwerke, aber auch Wasserentnahmen den Fischen im Bundesland stark zu. Dazu kommen die Folgen der Klimakrise. Höhere Wassertemperaturen befördern die Ausbreitung von Krankheiten, verursachen Sauerstoffmangel und beeinträchtigen den Bruterfolg. Falsche Besatzpraktiken verstärken das Problem. Auch der viel zu hohe Eintrag von Schad- und Nährstoffen – Hormone, Antibiotika, Pestizide, Straßenabwässer – leistet einen signifikanten Beitrag zum Rückgang der Fischbestände, warnt der WWF. Das bestätigen offizielle Berichtsdaten von Bund und Ländern an die Europäische Kommission: Keiner der untersuchten und geschützten Lebensräume an Österreichs Gewässern befindet sich in „gutem Zustand“.
Drei-Punkte-Plan zum Schutz von Fischen und Ottern
Anstatt geschützte Tiere zu töten, braucht es eine umfassende Sanierungsoffensive für Salzburgs Gewässer. Der mit insgesamt rund 200 Millionen Euro dotierte Fördertopf des Bundes sollte dafür deutlich stärker genutzt werden. Die Landesregierung muss geltendes Recht einhalten und zunächst das Schutzgebietsnetzwerk an das aktuelle Otter-Vorkommen anpassen. Das Schutzgebietsmanagement muss mit ausreichend personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattet werden – was derzeit bei weitem nicht der Fall ist – und an Lösungen für Fische und Otter arbeiten.
Fischotter: Wichtig für unsere Natur
Fischotter sind ein zentraler Bestandteil gesunder Ökosysteme. In ihrer Rolle als Top-Prädatoren gestalten sie deren Artenzusammensetzung wesentlich mit. Sie halten naturnahe Fischbestände fit, in dem sie kranke, nicht heimische und leicht zu erbeutende Individuen zuerst fangen. Menschliche Eingriffe in naturnahe Ökosysteme und deren Übernutzung haben weitreichende Konsequenzen. Hingegen hält die Behauptung, dass Fischotter Hauptverursacher für die Gefährdung von Fischbeständen seien, keiner wissenschaftlichen Prüfung stand.
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