EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
WWF kritisiert geplante Ausrottung des Wolfs in Kärnten

Nachdem vergangene Woche bereits zum zweiten Mal eine Wölfin in Kärnten getötet wurde, kritisiert die Naturschutzorganisation WWF Österreich die Kärntner Anti-Wolf-Politik. “Die Landesregierung hat sich von einem rechtskonformen Management zur Lösung des Zusammenlebens verabschiedet und sich für eine völlige Eskalation entschieden. Mit den aktuellen Verordnungen und als Informationsschreiben getarnten Bescheiden will die Kärntner Politik ganz offensichtlich den Wolf in Kärnten ausrotten”, kritisiert der WWF. “Das ist ein massiver und offener Bruch europäischen Rechts.”
Alleine von Oktober bis Ende Dezember wurde in Kärnten 12 Mal ein Wolf zum Abschuss freigegeben – und das, obwohl es in Kärnten insgesamt vermutlich weniger als 20 Wölfe gibt. “Das Gerede von Schad- oder Risikowölfen ist nur eine Nebelgranate, um dem europarechtswidrigen Vorgehen zumindest den Anschein von Korrektheit zu geben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten wird, weil sich die Politik nicht mit vernünftigen Lösungen beschäftigen will”, warnt die Naturschutzorganisation.
Auch aktuell sind mehrere Wölfe zum Abschuss freigegeben – welche genau, wird jedoch von den Behörden geheim gehalten. “Gerade erst hat der Europarechts-Professor Walter Obwexer für die Tiroler Landesregierung in einem Rechtsgutachten festgehalten, dass es immer eine Einzelfallentscheidung geben muss, die nicht durch eine Verordnung ersetzt werden kann. Mit der Geheimhaltung von als Informationsschreiben getarnten Abschuss-Bescheiden wird die rechtswidrige Verordnungs-Politik endgültig zur Farce”, kritisiert der WWF.
Ganze 41 Mal soll ein Wolf in Kärnten alleine zwischen September und Dezember 2022 “vergrämt” worden sein. Das würde bedeuten, dass im Schnitt jeder Kärntner Wolf in dieser kurzen Zeit mehrfach vergrämt wurde – erstaunlich, denn in ganz Italien mit 3.300 Wölfen passieren Vergrämungen nur in Ausnahmefällen, einen behördlich genehmigten Abschuss gab es dort in den letzten Jahren nie. “Die angeblichen Vergrämungen in Kärnten sind ohne fachgerechte Umsetzung und Überprüfung durch die Behörde völlig wertlos. Auch bei der im Herbst getöteten Wölfin wurden die Vergrämungen in keiner Weise nachvollziehbar belegt”, so der WWF.
Keine Rolle spielt in Kärnten weiterhin der Herdenschutz, der sich in anderen Ländern längst als wirksamstes Mittel zur Vermeidung von Weidetier-Rissen erwiesen hat. “Die Kärntner Landesregierung muss zur Vernunft kommen und endlich die Landwirte beim Herdenschutz unterstützen”, fordert die Naturschutzorganisation WWF Österreich.
Fotos finden Sie hier.
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Tigerinnen in Thailand ziehen erfolgreich Nachwuchs groß
Aufnahmen von Wildtierkameras zeigen, wie thailändische Tigerfamilien durch die Wälder streifen. Und auch Zahlen bestätigen, dass sich die dortigen Tigerbestände erholen – in Thailand ist er seit 2024 um 16% angestiegen.
WWF-Flüssereport: Drei Viertel der ökologisch wertvollen Flussstrecken ungeschützt
77 Prozent der wertvollen Flussstrecken ohne verbindlichen Schutz vor weiterem Wasserkraftausbau – Hitze und Dürre machen Schutz und Renaturierung dringlicher – WWF legt Zeugnisse für alle neun Bundesländer vor
UNO-Artenschutzkonferenz: WWF bewertet Ergebnis als „verpasste Chance“
Staaten bleiben bei Naturschutz-Finanzierung und Abbau umweltschädlicher Subventionen hinter notwendiger Ambition zurück – WWF fordert Konsequenzen auch in Österreich
CITES-Meeting: WWF warnt vor Tigerfarmen als Deckmantel für illegalen Wildtierhandel
Große Datenlücken erschweren Kontrolle des Handels mit Tigern – WWF fordert strengere Aufsicht und ein Ende der Zucht für den Handel mit Körperteilen – Artenschutzgremium CITES tagt in Genf
WWF und Ozeanforscherin Sylvia Earle legen Grundstein für besseren Schutz des Mittelmeers
Neue Hoffnungs-Zone für den Artenschutz im Mittelmeer – Basis für grenzüberschreitenden Schutz seltener Hai- und Rochenarten, Wale, Delfine und Meeresschildkröten – WWF fordert politische Zusagen
Weltnaturkonferenz: WWF fordert Kurskorrektur bei Milliarden-Subventionen
UNO-Konferenz vor Abschluss – Reform umweltschädlicher Subventionen stark umkämpft – Naturschutzorganisation fordert verbindlichen Finanzierungsplan
WWF zum Klimagesetz: Ohne verbindliche Pflichten droht Mogelpackung
Begutachtungsfrist endet am Freitag: Verbindliche Sektorziele und Rechtsschutz fehlen, Standortklausel ermöglicht Rückzieher – Bundesregierung und Nationalrat müssen Entwurf nachschärfen
WWF: 20 Spitzmaulnashörner zum Schutz vor Wilderern evakuiert
Nashorn-Wilderei in Südafrika bedroht Arterhalt – Umsiedlung von Tieren nach Botswana zum Aufbau neuer Populationen – WWF vor Ort im Einsatz gegen illegale Jagd und Handel mit Nashorn-Horn










