Studie der Uni Graz zeigt steigende Kosten des Nicht-Handelns – WWF fordert verbindliche Klimaziele, Abbau klimaschädlicher Förderungen und mehr natürlichen Schutz vor Extremwetter
WWF-Studie: Heimische Forststraßen reichen fünfeinhalbmal um die Erde

In Österreich liegen durchschnittlich nur 130 Meter zwischen zwei LKW-befahrbaren Forststraßen. Das zeigt eine neue, im Auftrag der Naturschutzorganisation WWF Österreich erstellte Studie von E.C.O. – Institut für Ökologie. Zusammengenommen sind alle Forststraßen in Österreich 218.000 Kilometer lang – das entspricht dem fünfeinhalbfachen Erdumfang. Auf Hektar heruntergerechnet hat ihre Länge seit der letzten, 1996 publizierten Untersuchung um 40 Prozent zugenommen. “Das extrem dichte Netz an LKW-befahrbaren Straßen zerschneidet unsere Wälder und wirkt sich negativ auf ihr Mikroklima, ihre Artenvielfalt und ihre Fähigkeit zur Kohlenstoffspeicherung aus”, sagt WWF-Waldexpertin Karin Enzenhofer. “Doch gerade Ur- und Naturwälder gehören zu unseren wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen Klima- und Biodiversitätskrise, da sie besonders viel Kohlenstoff speichern und Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen bieten.”
Um die negativen Auswirkungen von Forststraßen zu verringern und große zusammenhängende Waldflächen zu schützen, fordert der WWF strengere rechtliche Vorgaben: “Genehmigungsverfahren müssen Natur- und Klimaschutz stärker berücksichtigen sowie bundesweit vereinheitlicht und in den Naturschutzgesetzen der Bundesländer verankert werden”, sagt Karin Enzenhofer. “Derzeit gelten selbst in Schutzgebieten oft nur sehr schwache oder gar keine Regeln für die Bewilligung von Forststraßen.” Zudem braucht es eine natur- und klimaverträgliche Planung und Gestaltung von Forststraßen. “Die zuständige Politik muss sicherstellen, dass nur solche Forststraßen gebaut und gefördert werden, deren Notwendigkeit und Dimensionierung nachvollziehbar und begründet sind.” Dazu brauche es Kosten-Nutzen-Rechnungen, Analysen zu Ökosystemleistungen und Nutzungskonzepte. Wichtig ist außerdem eine verstärkte Wald-Forschung – gerade was die Auswirkungen von Forststraßen auf Waldökosysteme im Kontext der Klimakrise und im Zusammenhang mit Naturgefahren angeht, herrschen noch erhebliche Wissenslücken.
Die neue Studie ist die erste systematische Erhebung des österreichischen Forststraßen-Netzes seit 1996. “Beinahe 30 Jahre lang standen uns keine aktuellen Daten zu den heimischen Forststraßen zur Verfügung”, erklärt E.C.O.-Geschäftsführer Hanns Kirchmeir. “Mithilfe neuer, digitaler Datensätze konnten wir nun die Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte nachvollziehen und zeigen, dass ihre Länge seither von 35 Laufmetern pro Hektar auf 49 erhöht wurde – ein Zuwachs von 40 Prozent.” Insgesamt gehen durch Forststraßen und ihre Böschungen rund vier Prozent der intakten Waldböden und der produktiven Waldfläche verloren. Das entspricht einer Gesamtfläche von rund 190.000 Hektar, oder der dreieinhalbfachen Fläche des Bodensees. “Eine stichprobenartige Überprüfung der Datenqualität ergab außerdem, dass durchschnittlich 18 Prozent der Forststraßen im verwendeten Datensatz fehlen”, sagt Kirchmeir. “Die tatsächliche Länge der Forststraßen könnte also noch wesentlich höher liegen.”
Berücksichtigte Straßenarten
Die Studie berücksichtigt ausschließlich LKW-befahrbare Straßen. Der Großteil entfällt auf Forststraßen laut Forstgesetz, die Datensätze enthalten jedoch auch öffentliche Straßen. Temporäre und unbefestigte Wege (sogenannte Rückegassen) sind nicht inbegriffen.
Die Studie sowie ein Factsheet und Bildmaterial finden Sie hier zum Download.
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