Neuer Rekord in Österreich: 123 territoriale Seeadler-Paare konnten gezählt werden. Ihr Lieblingsplatz ist das Waldviertel.
WWF: Umweltministerin warnt vor künstlicher Wasserzufuhr in den Neusiedler See
Naturschutzorganisation begrüßt klare Absage von Umweltministerin Gewessler und fordert Einstellung der Landes-Pläne: Künstliche Wasserzufuhr in Neusiedler See wäre ökologische Katastrophe
Wien, Eisenstadt, am 1. November 2020. Die Naturschutzorganisation WWF Österreich unterstützt die klare Absage von Umweltministerin Leonore Gewessler an die künstliche Wasserzuleitung in den Neusiedler See und fordert die burgenländische Landesregierung zur Aufgabe ihrer Pläne auf. „Die Ökologie des Sees würde durch eine künstliche Wasserzufuhr derart massiv geschädigt, dass sogar der weitere Fortbestand dieses einzigartigen Naturjuwels gefährdet wäre. Das muss unbedingt verhindert werden“, sagt WWF-Experte Bernhard Kohler. In einer parlamentarischen Anfragebeantwortung warnt die Umweltministerin vor den "schwerwiegenden Folgen für das gesamte Ökosystem“ und der möglichen "Aberkennung des Nationalparkstatus“. Die geplanten Eingriffe würden „die an die Bedingungen eines Steppensees angepassten Arten und Lebensgemeinschaften und damit hochrangige Schutzgüter der EU-Naturschutzrichtlinien und des Nationalparks gefährden“, schreibt Gewessler auf Anfrage von NEOS-Umweltsprecher Michael Bernhard.
Durch die Zuleitung von kalkreichem Donauwasser würde es zu einer massiven Veränderung des Chemismus im See kommen. Dies hätte sowohl kurzfristig, als auch langfristig katastrophale Folgen. „Durch den veränderten Salzhaushalt würde der See seine charakteristische Trübe verlieren. Kurzfristig würde dies zu einer Explosion des Algenwachstums führen, was sowohl für den Badetourismus, als auch für den Bootsverkehr abträglich wäre. Noch schwerwiegender wären die langfristigen Folgen einer künstlichen Wasserzufuhr. Durch den verringerten Salzgehalt und durch das Ausbleiben von Trockenphasen würde es zu einer beschleunigten Verlandung kommen, denn der Schlamm, der sich bei dauernder Wasserführung am Seeboden ansammelt, wird nur abgebaut, wenn der See vorübergehend trockenfallen kann“, sagt WWF-Experte Bernhard Kohler.
Mit dem Verlust des Salzes ginge auch die besondere Fauna und Flora verloren, die für den See typisch ist und die der Grund für alle Naturschutzbemühungen und den hohen naturtouristischen Stellenwert der Region ist. Zudem gibt es Anzeichen dafür, dass sich der charakteristische Schilfgürtel bei ständiger und gleichmäßig hoher Wasserführung auflösen würde. Damit ginge dem See die wichtige Klärfunktion des Röhrichts verloren, die maßgeblich zur Reinhaltung des Sees beiträgt. „Wir sind zu Recht stolz auf unseren europaweit einzigartigen Steppensee und dürfen ihn nicht zu einer algenüberwucherten, schlammigen Badewanne machen“, sagt Bernhard Kohler vom WWF Österreich.
Die Umweltschutzorganisation schlägt mehrere Alternativen zur künstlichen Zuleitung vor: “Wir müssen in Hochwasserphasen möglichst viel Wasser zurückhalten, damit der See in Dürreperioden länger aushält. Durch den Verzicht auf die rasche Ableitung von Hochwässern verhindern wir auch die Aussüßung des Sees. Denn jedes Mal, wenn das Wehr am Einserkanal geöffnet wird, rinnen unvorstellbar große Salzmengen zur Donau davon, die unwiederbringlich verloren sind. Anstatt Wasser je nach Bedarf zu und abzuleiten, sollten ehemalige Überschwemmungsräume im Seevorgelände reaktiviert werden, während die Seebäder und Seezufahrten hochwassersicher gemacht werden“, fordert der WWF-Experte.
Natürliche Widerstandsfähigkeit sichern
Niedrigwasserphasen und gelegentlich sogar Austrocknungs-Ereignisse müssen zugelassen werden, weil dies für das Überleben des Sees entscheidend ist. „Das Beste, was wir für den See tun können, ist seinen Charakter als Steppengewässer zu sichern. Dazu gehören ausgeprägte natürliche Schwankungen des Wasserstandes, weitgehende Abflusslosigkeit, erhöhter Salzgehalt und starke Trübe“, sagt Bernhard Kohler vom WWF Österreich. „Dank dieser Eigenschaften hat der Neusiedler See 13.000 Jahre lang überlebt. Wir sollten ihm diese Widerstandsfähigkeit weiterhin ermöglichen, anstatt folgenschwere Wasserspiele zu veranstalten.“
In seiner Geschichte ist der See im Schnitt ein bis zwei Mal pro Jahrhundert ausgetrocknet, hat sich aber immer wieder gefüllt. Aufgrund der Klimakrise werden Austrocknungsereignisse möglicherweise häufiger, aber auf Trockenperioden werden auch künftig Hochwässer folgen, weil es nicht nur zu einem Temperaturanstieg kommt, sondern auch zu vermehrten Starkregen-Ereignissen.
Rückfragehinweis:
Mag. Volker Hollenstein
Leiter Politik und Kommunikation WWF Österreich
volker.hollenstein@wwf.at
+43 664 501 31 58
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF zu CloudHQ: Großrechenzentren brauchen verpflichtenden Umweltcheck
Umweltschutzorganisation begrüßt UVP für 6,7-Hektar-Projekt in Leopoldsdorf – WWF fordert einheitliche Bundesregeln statt Fleckerlteppich
Neuer Seeadler-Rekord in Österreich: WWF-Zählung erfasst so viele Paare wie noch nie
Konsequenter Schutz zeigt Wirkung: 123 territoriale Seeadler-Paare in Österreich – Hotspot im Waldviertel – Illegale Verfolgung bleibt große Bedrohung
WWF zu Klimaneutralität 2040: Fossile Abhängigkeit ist die wahre Standort-Hypothek
Umweltschutzorganisation weist IV- und WKO-Kritik zurück – Verbindliches Klimaziel schafft Planungssicherheit, senkt Energieabhängigkeit und stärkt Innovation – WWF fordert wirksame Maßnahmen für die Umsetzung
WWF zu Wolfsabschuss im Pitztal: Verdacht auf Straftat rasch aufklären
Mutmaßlicher Fall von Wildtierkriminalität – Naturschutzorganisation fordert konsequente Ermittlungen
WWF warnt vor Artenverlust in der Unteren Lobau
Aktueller WWF-Artencheck: Langjähriger Wassermangel bedroht Bitterling, Donau-Kammmolch, Sumpfschildkröte und Flussmuscheln – Anhaltende Dürre verschärft die Lage und bedroht lokale Vorkommen
WWF-Ausblick: Österreichs Flüsse gehen stark geschwächt in den Herbst
Im August rund 90 Prozent der Pegelmessstellen mit sehr niedriger Wasserführung – Niederösterreich, Burgenland und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert Schutzprogramm und Renaturierung
Ende der Begutachtung – WWF fordert Rücknahme der Vorarlberger Biber-Verordnung
Naturschutzorganisation legt Stellungnahme vor – Entwurf sieht jährliche Tötungskontingente von bis zu 32 Tieren vor – WWF fordert Vorrang für Prävention
Biokunststoffe auf dem Prüfstand: Neue Studie untersucht tatsächliche Abbaubarkeit in der Natur
Neue Forschungsinitiative testet Zersetzbarkeit von Biokunststoffen in über 20 natürlichen Lebensräumen – Kooperation des WWF Österreich und der Technischen Universität Bratislava










