Naturschutzorganisation warnt vor immer neuen Eingriffen durch Gletscherschwund – Land Tirol soll Ausnahmen einschränken und verbindliche Ausbaugrenzen festlegen
WWF warnt: Drei Viertel der Fluss-Pegel in Österreich mit Niedrigwasser

Rund 75 Prozent der Pegelmessstellen an Österreichs Flüssen verzeichneten zuletzt niedrige bis sehr niedrige Abflüsse, informiert die Naturschutzorganisation WWF auf Basis offizieller Zahlen. Besonders stark betroffen sind demnach Flussstrecken in der Steiermark (Mur-Einzugsgebiet), in Ober- und Niederösterreich (Vöckla, March, Kamp), Kärnten (Drau) und im Burgenland. „Die anhaltende Trockenheit führt dazu, dass viele Flüsse deutlich weniger Wasser führen als im langjährigen Durchschnitt. Das hat spürbare Folgen für Ökosysteme, Artenvielfalt und Wasserqualität“, sagt WWF-Expertin Marie Pfeiffer. „Gerade für Forellen kann die Kombination von Niedrigwasser, hohen Temperaturen und weniger Sauerstoff rasch tödlich werden“, sagt Pfeiffer.
Besonders rasch sind die Pegelstände im Murgebiet gesunken. Von März bis April stieg dort die Anzahl niedriger und sehr niedriger Pegelstände von 60 auf 90 Prozent. Im Marchgebiet erhöhte sich der entsprechende Anteil von 55 auf 90 Prozent. Auch im Einzugsgebiet von Raab, Rabnitz und Leitha – also im Osten des Landes – nahm die Zahl niedriger und sehr niedriger Pegel innerhalb eines Monats stark zu: von 40 auf rund 75 Prozent. „Die aktuellen Niedrigwasserstände sind ein Warnsignal für die akuten Folgen der Klimakrise. Wenn Flüsse schon im Frühjahr dauerhaft zu wenig Wasser führen, geraten ganze Lebensräume unter Druck“, sagt Pfeiffer.
Der WWF fordert daher ein Schutzpaket für die heimischen Flüsse, das mehr Investitionen in natürliche Schutzmaßnahmen vorsieht. Dazu zählen die Wiederherstellung von Auen, die Renaturierung verbauter Flussabschnitte sowie ein nachhaltiger Umgang mit Wasserressourcen. „Jede Renaturierung schafft kühle Rückzugsräume für hitzegestresste Arten. Naturnahe Flüsse können Wasser besser speichern, Hitzeperioden abpuffern und tragen wesentlich zur Stabilisierung des Wasserhaushalts bei“, sagt Pfeiffer.
Wasserkraft-Strecken besonders betroffen – Betreiber stärker in die Pflicht nehmen
Besonders dramatisch ist die Situation in den sogenannten Restwasserstrecken. In Österreich gibt es 2.974 solcher Flussabschnitte mit einer Gesamtlänge von rund 4.447 Kilometern, in denen oft über 90 Prozent des Wassers für die Wasserkraft abgeleitet werden. Rund die Hälfte der Strecken erreicht nicht einmal den gesetzlich vorgeschriebenen ökologischen Mindestabfluss. „Diese Strecken erwärmen sich besonders schnell, der Sauerstoffgehalt sinkt, für viele Fischarten kann das rasch tödlich werden“, warnt Pfeiffer.
Der WWF fordert daher, die längst klar geregelten Mindestabflüsse konsequent umzusetzen und Wasserkraftbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen, um die Gewässerökologie nachhaltig zu sichern.
Bilder hier.
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Finn ist neuer WWF-Naturschutzhund
Der 5-jährige Rüde hilft mit seiner Spürnase dabei, Fälle von Wildtierkriminalität aufzudecken. Er gilt als besonders ausgeglichen und arbeitsfreudig.
Neuer WWF-Spürhund Finn soll illegale Wildtiertötungen aufdecken
Schäferhund-Mischling unterstützt Polizei-Ermittlungen durch Suche nach Tierkadavern und Giftködern – Einsätze vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark
WWF-Analyse: Zu wenig Bodenschutz bei neuen Betriebsgebieten
Bodenschutz bei Betriebsgebieten: Alle neun Bundesländer fallen im WWF-Check durch – Täglich fast zwei Fußballfelder zusätzlich beansprucht – WWF fordert Ende des Wildwuchses – LÄNDER-ZEUGNIS im Detail
Weltnaturkonferenz: WWF warnt vor Verfehlen der 2030-Ziele
Globale Halbzeitbilanz zeigt unzureichende Umsetzung – WWF fordert wirksame Maßnahmen und gesicherte Finanzierung, auch in Österreich – COP17-Konferenz startet am Montag
Klimastreik: WWF fordert Notfall-Programm für Klima und Natur
Umweltschutzorganisation verlangt verbindliches Klimagesetz und wirksamen Renaturierungsplan – Natürliche Schutzmaßnahmen stärken, fossile Großprojekte stoppen
Sanierungsoffensive: WWF sieht zu wenig Schub für die Wärmewende
Umweltschutzorganisation bewertet Regierungspaket als „sinnvollen, aber zu schwachen Impuls“ – WWF fordert mehrjährige Sanierungsförderung und verbindlichen Zeitplan für fossilen Heizungsausstieg
WWF: Nationaler Renaturierungsplan lückenhaft und ambitionslos
Zum Ende der Begutachtung: Zentrale Maßnahmen fehlen, Finanzierung ungeklärt – Weitreichende Ausnahmen bei Stadtbegrünung – WWF fordert grundlegende Überarbeitung
WWF-Städtecheck: Große Lücken bei Stadtbegrünungsplänen
14 Städte untersucht: Planungslücken bei Maßnahmen, Finanzierung und Erfolgskontrolle – WWF fordert langfristige Begrünungsplanung und mehr Unterstützung durch Bund und Länder









