WWF warnt vor Tabubruch im Lech-Schutzgebiet

8. Juli 2026 | Flüsse, Österreich, Politische Arbeit, Presse-Aussendung

Wasser aus intaktem Namloserbach im Natura-2000-Gebiet soll großteils abgeleitet werden – WWF sieht Genehmigungsfähigkeit höchst fraglich und fordert E-Werke Reutte zum Abbruch der Planungen auf

Reutte/Innsbruck, am 8. Juli 2026 – Der WWF warnt vor einem schweren Tabubruch im Natura-2000- und Naturschutzgebiet Tiroler Lech: Die E-Werke Reutte planen, einen Großteil des Wassers aus dem Namloserbach über einen 5,8 Kilometer langen Stollen in den Rotlech-Speicher bei Reutte zu führen. Damit würde ein intakter Seitenbach des Tiroler Lech massiv geschwächt. Der WWF fordert daher die E-Werke Reutte zum Abbruch der Planungen auf. „Der Tiroler Lech ist eines der wertvollsten Flussjuwele Europas. Seine Seitenzubringer sichern Wasserhaushalt, Geschiebe und Lebensräume. Eine moderne Energieplanung muss diese Grundlagen respektieren und bessere Lösungen nutzen“, sagt WWF-Energiesprecher Reinhard Uhrig.

Der Namloserbach befindet sich in sehr gutem ökologischem Zustand und zählt damit zu den letzten rund 14 Prozent der ökologisch intakten Flussstrecken Österreichs. Gerade naturnahe Zuflüsse sind entscheidend für die Dynamik des Tiroler Lech, eines der letzten alpinen Wildflusssysteme Mitteleuropas. Der Lech wurde bereits 2000 in das europäische Natura-2000-Netzwerk aufgenommen sowie 2004 als Naturpark und Naturschutzgebiet ausgewiesen, das die Errichtung jeglicher Anlagen verbietet. Sein Schutz ist auch Ergebnis früherer Auseinandersetzungen um Kraftwerkspläne, Flussverbauung und Wasserentnahmen. Heute ist der Naturpark Tiroler Lech ein ökologisches Juwel, ein touristisches Aushängeschild und ein Stück regionale Identität.

Das aktuelle Vorhaben der E-Werke trifft den Kern des Schutzgebiets. Die Tiroler Verordnung nennt als erstes Erhaltungsziel ausdrücklich die „Erhaltung und Förderung der Wildflusslandschaft Lech und seiner Seitenzubringer“. Zugleich greift hier das Verschlechterungsverbot der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Der geplante Eingriff würde Wasserdargebot, Wasserhaushalt, Sedimenttransport und Lebensräume stark verändern sowie die charakteristische Wildflussdynamik schwächen. „Damit ist die Genehmigungsfähigkeit massiv infrage gestellt. Ein Projekt, das ein Natura-2000-Erhaltungsziel schwächt und einen sehr guten Flusszustand gefährdet, steht auf rechtlich äußerst wackeligen Beinen“, sagt Uhrig.

Der Rotlech ist Teil des bestehenden Kraftwerkssystems Plansee und muss saniert werden, indem die gesetzlich vorgeschriebene Restwassermenge vom Kraftwerksbetreiber im Rotlech gewährleistet wird. Dafür aus dem benachbarten intakten Namloserbach 80 Prozent des Wassers abzuleiten, verstößt gegen das Verschlechterungsverbot der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Der WWF fordert daher einen naturverträglichen Plan B anstelle der von den E-Werken geplanten Eingriffe in das Lech-Schutzgebiet. Dazu gehören im Sinne einer naturverträglichen Energiewende Maßnahmen wie Photovoltaik auf bereits versiegelten Flächen, Speicherlösungen und Effizienzmaßnahmen. 

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Lara Hocek
Pressesprecherin, WWF Österreich

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