Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
15-Punkte-Plan: GLOBAL 2000, WWF und VCÖ fordern Ende des Erdgaszeitalters in Österreich
Umweltschutzorganisationen des Ökobüros legen gemeinsamen 15-Punkte-Plan für einen Ausstieg aus fossilem Gas und die richtige Anwendung erneuerbarer Gase vor
Fossiles Gas gehört weltweit zu den größten Klimakillern und ist allein in Österreich für 20 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Daher haben die Umweltschutzorganisationen GLOBAL 2000, WWF Österreich und der VCÖ einen 15 Punkte umfassenden Aktionsplan zum Ausstieg aus fossilem Gas und zur gezielten Anwendung erneuerbarer Gase erarbeitet. „Wir müssen das Erdgas-Zeitalter in Österreich rasch beenden. Dafür braucht es eine naturverträgliche Energiewende, die Halbierung unseres Energieverbrauchs und einen zielgerichteten Einsatz der knappen erneuerbaren Gase in Bereichen wie der Industrie, in denen es keine anderen Optionen gibt. Völlig falsch wäre es hingegen, wenn die Politik den trügerischen Versprechen der Gasbranche folgt”, betonen die Klima- und Energiesprecher*innen der beteiligten Umweltschutzorganisationen bei der Online-Präsentation ihrer Vorschläge am Dienstag.
Die renommierte deutsche Denkfabrik Agora Energiewende unterstützt die Stoßrichtung des Aktionsplans: „Strom wird zum Energieträger Nummer eins. Klimaneutralität kann nur durch einen starken Ausbau der Erneuerbaren und eine massive Steigerung der Energieeffizienz erreicht werden. Nach dem Kohleausstieg muss daher der Öl- und Gas-Ausstieg erfolgen“, sagt Christian Redl, Projektleiter bei Agora Energiewende.
Der Aktionsplan fordert die Entwicklung einer integrierten Gas-Strategie und ein neues Gaswirtschaftsgesetz mit einer klaren Festlegung der Einsatzbereiche von erneuerbaren Gasen sowie einem raschen Ausstiegsplan für das Flächen-Gas-Netz. „Fossiles Gas ist das Problem, nicht die Lösung. Entgegen der Behauptungen der Gasindustrie ist erneuerbares Gas weder kostengünstig, noch reichen die Potenziale für großflächige Anwendungen aus. Nur rund die Hälfte der derzeit verwendeten Menge an fossilem Gas kann in Österreich durch naturverträgliche erneuerbare Quellen zur Verfügung gestellt werden. Daher muss ihr Einsatz fokussiert sein und rasch auch gesetzlich geregelt werden“, sagt Karl Schellmann, Klimasprecher beim WWF Österreich.
Wärmestrategie und Herstellung von E-fuels
Gerade dort, wo es viele Alternativen gibt – wie bei der Raumwärme – braucht es einen klaren Ausschluss: „Erneuerbares Gas in der Raumwärme einzusetzen, behindert eine systematische Energiewende, weil die knappen Potenziale dann an anderen Stellen fehlen. Dazu ist es sehr teuer. Unsere Analyse zeigt, dass jedes andere klimafreundliche Heizsystem kostengünstiger ist. Bund und Länder sollen rasch sicherstellen, dass im Neubau keine Gasheizungen mehr zugelassen werden. Die neue Wärmestrategie muss einen koordinierten Ausstiegsplan aus Gasheizungen enthalten“, sagt Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.
Auch im Verkehrsbereich muss es laut dem 15-Punkte-Plan der Umweltorganisationen eine klare politische und wirtschaftliche Priorisierung geben: „Insbesondere im PKW-Bereich hat Gas absolut keinen Platz und ein elektrischer Betrieb ist effizienter. Auch die allermeisten LKWs sind elektrifizierbar, wobei nicht nur Batterie-Elektrischer Antrieb, sondern auch Oberleitungen in Kombination mit Akkus denkbar sind. Im Flugverkehr hingegen gibt es aus jetziger Sicht keine andere Lösung, da wird es für die Herstellung von E-Fuels erneuerbares Gas brauchen.“ sagt Ulla Rasmussen vom VCÖ – Mobilität mit Zukunft.
Rückfragehinweis:
Alexa Lutteri
Pressesprecherin WWF Österreich
+43 676 834 88 240
alexa.lutteri@wwf.at
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