7,7 Hektar pro Tag – Politisches Ziel deutlich überschritten – „Boden-Budget“ bereits Ende April erschöpft – WWF fordert Maßnahmen gegen fortschreitende Verbauung
25 Jahre Nationalpark Kalkalpen: Viel erreicht, viel zu tun
25 Jahre Nationalpark Kalkalpen: Viel erreicht, viel zu tun
Größtes Waldschutzgebiet Österreichs wird 25 – Schutz der natürlichen Dynamik und alpiner Lebensräume als oberstes Ziel – Luchs-Population retten, Nationalpark fertigstellen
Linz, am 8. Juli 2022 – Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums machen der WWF Österreich, die Naturfreunde, der Naturschutzbund und der Alpenverein Oberösterreich auf die Bedeutung des Nationalparks Kalkalpen aufmerksam und weisen auf die drängenden Aufgaben der kommenden Jahre hin. „Der Nationalpark Kalkalpen ist das größte Waldschutzgebiet Österreichs. Mit seinen Buchenwäldern beherbergt er zusammen mit dem Wildnisgebiet Dürrenstein das einzige UNESCO Weltnaturerbe Österreichs“, erklärt Leo Enzlberger von den Naturfreunden Oberösterreich. Daneben sind Forschung und Erholung wichtige Aufgaben des Nationalparks. „Die kompetente Wissensvermittlung durch die Nationalpark-Ranger ist eine Erfolgsgeschichte. Heute ist der Nationalpark ein wichtiges Markenzeichen und nicht mehr wegzudenkender Wirtschaftsfaktor in der Region“, sagt Landesnaturschutzreferent Herbert Jungwirth vom Alpenverein Oberösterreich. Die Alpin- und Naturschutzorganisationen des „Mollner Kreises“ gratulieren herzlich zum Jubiläum und zu den zahlreichen Erfolgen in 25 Jahren Nationalpark.
Luchspopulation vor dem Untergang bewahren
In der Vergangenheit hat der Nationalpark Kalkalpen in Österreich eine Vorreiterrolle in der Unterstützung des Luchses eingenommen. Doch die Luchspopulation in der Nationalparkregion droht erneut zu verschwinden, weil es seit vielen Jahren kaum Nachwuchs gibt. „Als Notfallmaßnahme braucht es schnellstmöglich eine Aussiedlung weiterer Luchse, sonst droht der Bestand zu verschwinden“, mahnt Josef Limberger vom Naturschutzbund Oberösterreich. „Parallel dazu braucht es ein bundesländerübergreifendes Luchsprojekt im gesamten Bereich der Nördlichen Kalkalpen, um ein dauerhaftes Überleben sicher zu stellen.“
Nationalpark mit Erweiterung endlich fertigstellen
Bei der Gründung im Jahr 1997 wurde der Nationalpark Kalkalpen auch im Gebiet der Haller Mauern und des Toten Gebirges per Gesetz eingerichtet. Diese gesetzlich vorgesehene Erweiterung ist bis heute allerdings nicht erfolgt. Im Rahmen der EU-Biodiversitätsstrategie hat Österreich umfassenden Zielen für mehr und bessere Schutzgebiete zugestimmt, um den rasanten Rückgang der biologischen Vielfalt zu stoppen. „Bis Ende 2022 ist Österreich aufgerufen, konkrete Vorschläge für zusätzliche strenge Schutzgebiete wie den Nationalpark Kalkalpen an die Europäische Kommission zu melden und diese bis spätestens 2030 einzurichten“, erklärt Josef Schrank vom WWF Österreich. „Das Land Oberösterreich ist gefordert, in diesem Prozess einen Beitrag zu leisten. Die seit langem gesetzlich vorgesehene Erweiterung des Nationalparks Kalkalpen samt professionellem Planungs- und Beteiligungsprozess wäre der logische erste Schritt.“
Eine im Raum stehende Verkleinerung des Nationalparks durch Ausgliederung von Almflächen im Süden des Gebiets, wie zum Beispiel der Laussabauernalm, ist für die Alpin- und Naturschutzorganisationen jedenfalls undenkbar und könnte sogar den Status als international anerkannter Nationalpark gefährden.
Über den Nationalpark Kalkalpen
In den 1980er Jahren führten verschiedene Nutzungspläne im Reichraminger Hintergebirge (Kraftwerksprojekte sowie Pläne zur Errichtung eines Kanonenschießplatzes) zum Widerstand von Alpin- und Naturschutzverbänden sowie regionalen Initiativen. 1989 forderten Alpenverein, Naturfreunde, Naturschutzbund und WWF in der sogenannten „Mollner Erklärung“ die Errichtung des Nationalparks Kalkalpen. 1996 erfolgte der einstimmige Beschluss des Gesetzes zur Errichtung des Nationalparks im oberösterreichischen Landtag. Mit der Gründung der Nationalpark O.ö. Kalkalpen Gesellschaft durch Bund und Land im April 1997 erfolgte die Taufe des Nationalparks. Von Beginn an besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Nationalparkbetrieb der Österreichischen Bundesforste. Heute umfasst das Gebiet 20.850 Hektar. Oberstes Ziel des international anerkannten Nationalparks ist der Schutz der natürlichen Dynamik von Waldgesellschaften sowie der Schutz alpiner Lebensräume und ihrer Fauna und Flora. Auf fast drei Viertel darf sich die Natur ohne menschliche Eingriffe entwickeln. In den Bewahrungszonen werden hochwertige Kulturlandschaften wie Almen erhalten und gepflegt.
Über den „Mollner Kreis“
Als breite zivilgesellschaftliche Bewegung hat sich der Mollner Kreis von Beginn an für die Realisierung des Nationalparks Kalkalpen eingesetzt. Seit seiner Gründung im Jahr 1997 vertreten Alpenverein, Naturfreunde und Naturschutzbund Oberösterreich sowie der WWF Österreich die Interessen des Naturschutzes im Nationalpark-Kuratorium. Dabei handelt es sich um ein gesetzlich und vertraglich verankertes Gremium, das den Nationalpark und die Nationalparkgesellschaft berät und unterstützt.
News
Aktuelle Beiträge
Budget: WWF fordert Wasserzins nach Schweizer Vorbild
Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
WWF: Salzburger Wolf-Verordnung verstößt gegen EU-Recht
Naturschutzorganisation warnt vor Gefährdung des Artenschutzes und erheblichem Tierleid – Rückzug der Verordnung aufgrund zahlreicher Mängel gefordert
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Euro beim Schutz der Biodiversität – Nur 30 Prozent des Bedarfs gedeckt – WWF und Wissenschaft fordern Kurswechsel bei Budget-Entscheidungen
WWF kritisiert Österreich-Vorstoß zur Lockerung von EU-Umweltauflagen
Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima
Durchbruch an der Grenzmur: WWF zeigt, wie Renaturierung gelingt
WWF Österreich und slowenische Projektpartner stellen natürlichen Fluss der Mur wieder her – Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Flusslebensräume
Hitzetod bedroht Amazonas-Delfine: Studien zeigen gefährliche neue Normalität
Anhaltende Überhitzung von Flüssen gefährdet seltene rosa Flussdelfine – Klimakrise als Ursache für “thermische Fallen” von bis zu 41 Grad Celsius – WWF fordert besseren Schutz von Flüssen
Hunde-Spaziergang am Inn: Wie man Vogel-Nachwuchs schützen kann
An den Kiesbänken des Inns brüten derzeit wieder seltene Vogelarten. Doch Spaziergänger:innen und freilaufende Hunde können den Nachwuchs unwissentlich gefährden.
Statusbericht Wolf: 121 Wölfe in Österreich nachgewiesen, weniger Rudel, kaum Nachwuchs
Neuer Bericht des Österreichzentrums: Rückgang auf acht Wolfsrudel im Vorjahr, nur wenige Welpen, Rekordzahl an Abschüssen – WWF fordert mehr Herdenschutz










