Bericht zeigt alarmierende Entwicklung: Artensterben, Klimakrise und Verschmutzung setzen europäischen Meeren massiv zu – WWF fordert verbindlichen Meeresschutz im EU Ocean Act
WWF-Bericht: Ökonomischer Wert von Süßwasser beträgt 58 Billionen US-Dollar
Geschätzte 58 Billionen US-Dollar beträgt der jährliche wirtschaftliche Wert von Süßwasser und Süßwasser-Ökosystemen – das entspricht rund 60 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts oder zusammen so viel wie jenes der USA, von China, Japan, Deutschland und Indien. Zu diesem Ergebnis kommt der neue, von der Umweltschutzorganisation WWF in Auftrag gegebene Bericht “High Cost of Cheap Water” (Die hohen Kosten billigen Wassers). “Die enorme Bedeutung von Wasser wurde bisher stets unterbewertet. Durch jahrzehntelange, nicht nachhaltige Entnahmen, schädliche Subventionen, Verbauung, Verschmutzung und auch durch die Klimakrise wird das verfügbare Wasser immer noch knapper”, warnt Bernhard Kohler, Biologe beim WWF Österreich. “Wir müssen uns daran erinnern, dass Wasser nicht aus dem Hahn kommt, sondern aus der Natur. Dafür braucht es aber unbedingt gesunde Flüsse, Seen, Feuchtgebiete und Grundwasserspeicher.” Der WWF fordert daher die umfassende Wiederherstellung geschädigter Süßwasser-Ökosysteme, wie im Weltnaturabkommen von Montreal festgehalten. “In Europa ist der Schlüssel dafür ein ambitioniertes EU-Renaturierungsgesetz mit klaren Zielen und Maßnahmen”, sagt Kohler unter Verweis auf das aktuell verhandelte “Nature Restoration Law”.
Ökosysteme schaffen Großteil des Wertes
Für den neuen WWF-Bericht wurde zum ersten Mal überhaupt der wirtschaftliche Wert von Süßwasser und Süßwasser-Ökosystemen weltweit berechnet. Demnach macht der direkte Nutzen, also zum Beispiel die Verwendung in Haushalten, Landwirtschaft und Industrie, mindestens 7,5 Billionen US-Dollar aus. Der wesentlich größere Anteil entfällt mit rund 50 Billionen jedoch auf den indirekten Wert: “Die Verbesserung der Bodengesundheit, die Speicherung von Kohlenstoff, der Schutz vor Überschwemmungen und Dürren und viele andere Leistungen werden oft gar nicht beachtet oder als selbstverständlich angesehen – obwohl ihr Wert jährlich etwa das Siebenfache des direkten Nutzens beträgt”, sagt Bernhard Kohler vom WWF. Umso alarmierender ist laut dem Bericht der globale Zustand dieser Ökosysteme: Zwei Drittel der größten Flüsse können nicht mehr frei fließen, ein Drittel der Süßwasser-Arten ist vom Aussterben bedroht, wertvolle Feuchtgebiete verschwinden drei Mal so schnell wie Wälder.
Beispiel Neusiedler See
In Österreich findet sich mit dem Neusiedler See eines der sichtbarsten Beispiele für nicht-nachhaltiges Wassermanagement: “Überschüssige Niederschläge konnten sich früher in den ausgedehnten Feuchtgebieten rund um den See sammeln. Dadurch wurden spätere Trockenzeiten abgemildert”, erklärt Bernhard Kohler vom WWF. “Inzwischen wurden jedoch zehntausende Hektar Überschwemmungsland trockengelegt und Hochwässer werden über Kanäle abgeleitet. Deshalb können sich auch kaum mehr natürliche Wasserreserven für Dürrezeiten bilden.” Gerade für die kommenden klimatischen Veränderungen seien Wiederherstellung und Wiederanbindung natürlicher Feuchtgebiete die beste Lösung der Wasserproblematik vor Ort. “Man sieht hier im Lokalen, was der neue WWF-Report global aufzeigt: Um eine unserer wichtigsten Ressourcen langfristig zu sichern, muss die Politik die noch intakten Süßwasser-Ökosysteme besser schützen und sie – wo immer möglich – wiederherstellen”, sagt WWF-Experte Kohler.
Den gesamten Bericht “High Cost of Cheap Water” (englisch) finden Sie hier zum Download.
News
Aktuelle Beiträge
Wasserkrise und Tiersterben: WWF fordert Krisengipfel zur Rettung der Unteren Lobau
Bürgermeister, Umweltstadträtin und Umweltminister sollen Sofortmaßnahmen gegen die Wasserkrise vereinbaren – Weiteres Zuschauen wäre völlig verantwortungslos
Tiefsee in Gefahr: Staaten entscheiden über Moratorium für Rohstoffabbau am Meeresgrund
Vollversammlung der internationalen Meeresbodenbehörde startet am Montag in Jamaika – Massiver Druck könnte Moratorium gefährden – WWF fordert das Verhindern einer Umweltkatastrophe
Vorarlberg – WWF kritisiert geplante Bibertötungen scharf
Neue Verordnung soll Tötung von bis zu 32 Tieren jährlich ermöglichen – Naturschutzorganisation fordert Vorrang für Prävention und unabhängige Einzelfallprüfung
Amazonas: Neue Studie warnt vor 1,4 Millionen Hektar zusätzlicher Entwaldung
Science-Studie untersucht Folgen des Rückzugs großer Sojahändler aus freiwilligem Soja-Moratorium – WWF-Umrechnung: Prognostizierte Rodungsfläche entspricht rund 34-mal Wien – Entwaldungsfreie Lieferketten gefordert
WWF startet Biodiversitäts-Training für Lehrlinge
Neues Weiterbildungsangebot verbindet Naturerlebnis, Artenschutz und Wirtschaft – Pilotphase mit Wien Energie und Caritas Wien im WWF-Auenreservat Marchegg in Niederösterreich
WWF startet erstmals Wahl zu Österreichs Fluss des Jahres
Online-Voting über neun Flüsse aus allen Bundesländern bis 1. September – Fachleute wählten Kandidaten nach Artenvielfalt, Gefährdung und Schutzbedarf aus
Google-Ausbau: WWF fordert rasche Reparatur des UVP-Gesetzes
Google-Ausbau: WWF fordert rasche Reparatur des UVP-Gesetzes
Neue Zahlen: Möglicher Stromverbrauch entspricht fast einem Drittel des Stromverbrauchs von ganz Oberösterreich – Gesamter Ausbau muss Umweltprüfung durchlaufen – Stromhunger darf nicht auf Natur abgewälzt werden
Huchensterben in der Ybbs: WWF warnt vor tödlichen Wanderhindernissen
Fotos zeigen stark gefährdete Fische vor Kraftwerksbarrieren – WWF fordert funktionsfähige Fischaufstiege und durchgängige Flüsse als Schutz vor zunehmender Hitze










