Studie der Uni Graz zeigt steigende Kosten des Nicht-Handelns – WWF fordert verbindliche Klimaziele, Abbau klimaschädlicher Förderungen und mehr natürlichen Schutz vor Extremwetter
Detektivarbeit am Polarkreis: WWF entwickelt Methode zur besseren Erforschung von Eisbären
Wer einen Eisbären in freier Wildbahn sehen will, braucht vor allem Geduld. Denn die Tiere durchstreifen riesige Gebiete im hohen Norden – sie aufzuspüren und zu erforschen ist daher sehr aufwändig. Die Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) entwickelt nun gemeinsam mit dem schwedischen Forschungsinstitut MIX Sweden und Forschern des Norwegischen Polarinstituts eine neue Methode weiter, die das Erforschen der Eisbären deutlich erleichtert: Anhand sogenannter “Umwelt-DNA”, also winzig-kleinen Rückständen, die die Tiere in der Umwelt – beispielsweise in ihren Spuren im Schnee hinterlassen – können wichtige Erkenntnisse über die Populationen, ihre Verfassung und das Verhalten der Tiere gewonnen werden. “Jedes Tier und auch jeder Mensch hinterlässt Spuren in Form von kleinen Hautpartikeln oder Haarzellen in seiner Umwelt. Ziel ist es, diese Umwelt-DNA ähnlich wie einen Fingerabdruck zu nutzen, um Individuen voneinander zu unterscheiden”, sagt Artenschutz-Experte Karim Ben Romdhane vom WWF Österreich. Diese neue Methode hat zahlreiche Vorteile: Die Tiere müssen für eine Probeentnahme nicht mehr gefunden und betäubt werden. Außerdem können ortsansässige Personen die Proben sammeln, nachdem sie ein Training absolviert haben. So lassen sich viel mehr Proben in kürzerer Zeit gewinnen. “Um große Beutegreifer wie die Eisbären zu schützen, brauchen wir so viele Informationen wie möglich über ihr Verhalten, ihre Wanderungen und ihre Anpassungsfähigkeit an veränderte Bedingungen. Mit dieser Methode können wir das notwendige Wissen sehr viel schneller und umfassender aufbauen als bisher”, sagt Ben Romdhane.
Am morgigen internationalen Tag der Eisbären macht die Umweltschutzorganisation besonders auf den notwendigen Schutz der weißen Bären aufmerksam, die zum Sinnbild der Klimakrise geworden sind. Denn sie leiden besonders unter der Erderhitzung, die ihren Lebensraum – das Packeis – drastisch schwinden lässt. Die internationale Artenschutz-Union (IUCN) prognostiziert den Eisbär-Populationen dadurch einen Rückgang um 30 Prozent bis 2050. “Aufgrund der Erderhitzung erreicht das Packeis die Küstengebiete im Herbst immer später. Je länger die Bären darauf warten müssen auf den Eisflächen nach Robben jagen zu können, umso hungriger werden sie, umso länger müssen sie an Land ausharren und umso mehr Konflikte entstehen außerdem in der Nähe von Siedlungsgebieten”, sagt Karim Ben Romdhane, Artenschutzexperte beim WWF Österreich. Der WWF setzt sich daher seit Jahren in dem Gebiet ein, um Mensch-Tier-Konflikte zu verringern. Ein erster Erfolg konnte kürzlich durch die Arbeit des WWF Kanada vor Ort verzeichnet werden, der herausfand, was genau die Eisbären in die Siedlungen lockt: Die von der Jagd lebenden Inuit ließen Jagdabfälle regelmäßig am Strand zurück, wovon die Eisbären angezogen wurden. Durch die simple Empfehlung, die tierischen Überreste im Meer zu entsorgen, konnten die Konflikte in Whale Cove nahezu auf Null reduziert werden. “Kleine Änderungen zeigen manchmal eine große Wirkung. Doch langfristig wird es viel mehr brauchen – denn die Ursache des Problems ist und bleibt die Klimakrise. Wir müssen das Tempo beim Klimaschutz drastisch erhöhen”, fordert Romdhane.
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