Ein Jahr vor EU-Deadline sind zentrale Fragen immer noch offen – Lücken und Defizite bei Finanzierung und Einbindung der Öffentlichkeit
WWF warnt am Welt-Thunfisch-Tag vor Ökosystem-Kollaps durch Überfischung

Anlässlich des heutigen Welt-Thunfisch-Tags macht die Umweltschutzorganisation WWF Österreich auf die dramatische Lage dieser Meerestiere aufmerksam. Denn Thunfische sind massiv von Überfischung bedroht. Das wirkt sich auch auf ihre Umgebung aus. “Thunfische sind Top-Räuber und legen gewaltige Strecken zurück. Damit spielen die Tiere eine Schlüsselrolle im Ökosystem. Sie sorgen für Nährstoffaustausch, regulieren die Bestände kleinerer Fische und machen die Meere insgesamt widerstandsfähiger. Ohne Thunfische droht ein Kollaps des Ökosystems”, sagt Axel Hein, Meeresexperte vom WWF Österreich. Hinzu kommt die große wirtschaftliche Bedeutung der beliebten Speisefische, von deren Beständen weltweit Millionen von Menschen abhängen.
Der WWF Österreich ist sowohl im Mittelmeer, als auch auf den Philippinen zur Rettung der Thunfische im Einsatz: “Das Wichtigste für die langfristige Erhaltung der verschiedenen Thunfischarten ist es, die Überfischung möglichst schnell zu beenden und den Fang nicht geschlechtsreifer Tiere zu stoppen”, sagt Hein. Im Mittelmeer fordert der WWF besonders verstärkte Kontrollen der Fischerei, angemessene Fangquoten und Maßnahmen zur Rückverfolgbarkeit, um illegale Fischerei zu bekämpfen – zum Beispiel durch verpflichtende Einsätze von Beobachter:innen auf Thunfischfängern oder den Einsatz von Kameras an Bord.
Auf den Philippinen arbeitet der WWF Österreich im Rahmen eines umfassenden Projektes gemeinsam mit über 5.000 Fischer:innen vor Ort an einem nachhaltigen Modell des Thunfischfangs. “Nur wenn die Bestände erhalten bleiben, ist auch langfristig der Lebensunterhalt der Küstenfischer und ihrer Familien gesichert”, sagt Hein. Zu den nachhaltigeren Fangmethoden gehören etwa selektive Handleinen, damit der Beifang möglichst niedrig gehalten wird. Zusätzlich sollten ausschließlich erwachsene Tiere gefangen werden, die sich bereits fortgepflanzt haben.
Artenschutz zeigt Wirkung
Die wachsende Thunfischindustrie und die ausgefeilten Fangmethoden führten in den 1980er Jahren dazu, dass vor allem die Bestände des großen Blauflossenthuns extrem zurückgegangen sind. Dank Beschränkung der Fangmengen in den 1990er Jahren und einer Reihe von Bewirtschaftungsmaßnahmen im Jahr 2006 konnten sie sich zwar seither erholen. Die Lage für andere beliebte Arten, wie den Großaugenthun und den Gelbflossenthun, bleibt aber weiterhin dramatisch. Sie werden gerne zu Sushi und Sashimi-Produkten verarbeitet und sind auch in den Thunfischdosen zu finden. “Im indischen Ozean haben die Bestände von Gelbflossenthunfisch in den letzten 15 Jahren um 50 Prozent abgenommen”, warnt Hein. Außerdem sorgen die eingesetzten Fangmethoden wie beispielsweise Ringwaden-Netze mit Lockbojen oder Langleinen für große Mengen an Beifang – wie Haie, Delfine oder Meeresschildkröten.
Der WWF unterstützt verantwortungsbewusste Konsumenten dabei, ihren Speiseplan nachhaltig zu gestalten: mit dem WWF Fischratgeber und dem Finprint Spiel.
Weitere Infos:
https://www.wwf.at/artenlexikon/der-thunfisch-die-schwindende-goldmine/
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