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Seeadler getötet: WWF und BirdLife fordern Aktionsplan gegen Wildtierkriminalität
Nach einem erneuten Fall von Wildtierkriminalität gegen einen Seeadler fordern die Naturschutzorganisationen WWF Österreich und BirdLife Österreich einen bundesweiten Aktionsplan gegen die illegale Verfolgung streng geschützter Arten. “Bei stark gefährdeten Arten wie dem Seeadler ist jedes einzelne Tier enorm wertvoll – umso schwerer wiegt eine solche Straftat. Daher braucht es ein koordiniertes Vorgehen und strenge Maßnahmen gegen Wildtierkriminalität, so wie es auch das EU-Recht vorsieht”, sagt WWF-Expertin Christina Wolf-Petre. Nur wenn Behörden, Naturschutzorganisationen und Justiz gemeinsam handeln und Wildtierkriminalität konsequent verfolgen, lassen sich Taten verhindern und bedrohte Arten wirksam schützen.
Der WWF hat den Seeadler mit dem Namen “Dante” mit einem GPS-Sender ausgestattet, um sein Verhalten zu beobachten. Nachdem das Signal im Mai für mehrere Stunden keine Bewegung registriert hatte, löste BirdLife eine Suchaktion aus, die schließlich die traurige Gewissheit brachte: Das Tier wurde nahe Pischelsdorf im Bezirk Bruck an der Leitha neben einem Bahngleis tot aufgefunden. Eine Obduktion durch die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmed) ergab, dass der Adler durch eine Schrotkugel am Auge verletzt worden war und schließlich durch eine Kollision mit einem Zug getötet wurde. Durch die Schrotkugel war das Tier auf einem Auge nahezu blind und somit bei der Jagd nach Beute eingeschränkt. Vermutlich suchte es entlang der Gleise nach Aas als Nahrung. “Dante wurde 2020 im Nationalpark Donau-Auen besendert und hat als Teil eines Brutpaares einen wertvollen Beitrag zum Seeadler-Bestand in Österreich geleistet. Daher ist sein Verlust besonders schmerzhaft. Glücklicherweise versorgt seine Partnerin derzeit ihren gemeinsamen Jungvogel allein“, so der Nationalpark Donau-Auen.
Greifvögel immer wieder Opfer von Wildtierkriminalität
Der Fall reiht sich in eine lange Liste illegaler Greifvogelverfolgungen in Österreich ein. Immer wieder werden streng geschützte Arten wie Seeadler, Kaiseradler oder Rotmilan Opfer von Abschüssen, Vergiftungen oder Fallen. „Solche Taten sind ein massiver Eingriff in das Ökosystem, auch der Versuch der illegalen Verfolgung ist bereits strafbar“, sagt Johannes Hohenegger von BirdLife Österreich. Wildtierkriminalität zählt zu den bedeutendsten Gefährdungsfaktoren für Greifvögel in Mitteleuropa und macht bei manchen Arten bis zu 50 Prozent aller Todesfälle aus.
Seeadler gelten in Österreich seit der Jahrhundertwende als Symbol für erfolgreiche Naturschutzarbeit. Nach ihrer Ausrottung in den 1950er-Jahren konnte die Art wieder angesiedelt werden. Aktuelle Zahlen weisen bereits rund 90 Paare aus, viele davon in Niederösterreich, dem Burgenland und entlang der Donau-Auen. Der Nationalpark Donau-Auen beherbergt bis zu sechs Brutpaare. Trotz dieses Aufwärtstrends bleibt die Population zahlreichen Gefährdungsfaktoren ausgesetzt. Die illegale Verfolgung ist dabei eine der größten Bedrohungen für die heimische Art.
Über das EU-LIFE-Projekt „wildLIFEcrime“:
Im Rahmen des EU-geförderten, grenzüberschreitenden Projekts “wildLIFEcrime” arbeiten 13 Organisationen aus Österreich und Deutschland an der Reduktion der Wildtierkriminalität. Eine Koalition aus Naturschutzverbänden, Polizei, Universitäten, Behörden und Veterinärmediziner:innen setzt sich für den besseren Schutz gefährdeter Arten ein, wodurch dieses Projekt bis 2028 dazu beitragen soll, die Wildtierkriminalität in Österreich und Deutschland zu reduzieren.


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