Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Ein Drittel des Tiroler Wolfsbestandes abgeschossen: WWF kritisiert Management des Landes scharf

Wien/Innsbruck, am 10. August 2026 – Dieses Jahr wurden in Tirol bereits zehn Wölfe abgeschossen. Das entspricht knapp einem Drittel des landesweiten Bestandes von 31 Tieren. „In Tirol wird normales Wolfsverhalten viel zu oft reflexartig zum Risiko erklärt. Statt gelindere Maßnahmen ernsthaft zu prüfen und auszuschöpfen, wird die Tötung geschützter Wölfe vorschnell freigegeben. Wild sein ist kein Verbrechen“, sagt WWF-Artenschutzexperte Christian Pichler. Der WWF fordert daher ein Ende der rechtswidrigen und kontraproduktiven Tötungspraxis des Landes, in der Abschüsse inzwischen zum Standard werden. Stattdessen sollte das Land bewährte Maßnahmen wie Herdenschutzzäune, Behirtung und Herdenschutzhunde besser fördern.
Da der Wolf in Tirol nach wie vor geschützt ist, sind Abschüsse gemäß der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Insbesondere bleibt die rechtliche Vorgabe bestehen, dass Abschussmöglichkeiten nur zulässig sind, wenn sie mit der Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands vereinbar sind – was derzeit nicht der Fall ist, wie auch der Europäische Gerichtshof bestätigt. „Gut geplante Präventionsmaßnahmen verringern Konflikte mit Beutegreifern und können auch Abstürze oder Krankheiten bei Weidetieren reduzieren. Das zeigen etwa funktionierende Beispiele aus der Schweiz, wo die Zahl der gerissenen Nutztiere pro Wolf um fast 90 Prozent zurückgegangen ist – und nicht zuletzt eigene Pilotprojekte des Landes Tirol“, so Christian Pichler vom WWF. Pauschale Abschüsse könnten hingegen kontraproduktiv wirken. Denn als „Gesundheitspolizist“ erfüllt der Wolf wichtige Funktionen in der Natur. Die heimischen Beutegreifer leisten einen natürlichen Beitrag zur Artenvielfalt. Sie verhindern die Ausbreitung von Krankheiten, halten das Wild fit und können im Idealfall auch die wichtigen Schutzwälder stärken, indem sie zu hohe Wildbestände reduzieren.
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