Jede vierte wandernde Tierart akut bedroht – WWF fordert grenzüberschreitende Schutz-Korridore – Besonderer Fokus auf Jaguaren und Meeresarten
WHO-Bericht: WWF fordert weltweiten Präventionsplan gegen künftige Pandemien
SARS-CoV2 sehr wahrscheinlich von Tier auf Menschen übertragen – Wildtier-Ausbeutung und Naturzerstörung schaffen gefährlichen Nährboden für Virensprünge auf den Menschen
Wuhan, Wien – "Wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich" sei das Coronavirus von der Fledermaus auf ein anderes Tier und von diesem auf den Menschen übergegangen, heißt es in einem neuen Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO am Montag. Aus diesem Anlass fordert die Naturschutzorganisation WWF einen weltweiten Präventionsplan gegen zukünftige Pandemien. „Der illegale Wildtierhandel und die Zerstörung von Lebensräumen zählen zu den größten Risikofaktoren für neue Pandemien. Daher muss die Politik die ökologische Pandemie-Vorsorge massiv verbessern“, fordert WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin. „Eine intakte Natur ist das beste Bollwerk gegen neue Infektionskrankheiten, die sich von Tieren auf Menschen übertragen. Daher muss der illegale, unregulierte Handel mit Wildtieren sofort gestoppt werden. Zusätzlich braucht es einen weltweiten Naturschutzpakt nach dem Vorbild des Pariser Klimavertrags, um den Verlust wertvoller Ökosysteme zu stoppen und umzukehren."
Laut einer WWF-Analyse zur Lage in Südostasien liegen von geschätzten 500 Märkten, auf denen häufig mit Wildtieren gehandelt wird, die Hälfte in Regionen mit einem potenziell hohen Zoonose-Risiko. Daher müssen die dort geltenden Regeln und ihre Kontrollen massiv verschärft werden. „Der Artenschutz für bedrohte Wildtiere und die Gesundheitsvorsorge gehen Hand in Hand. Denn große Märkte mit niedrigen Hygienestandards auf denen Wildfleisch verkauft wird, sind besonders riskant für Zoonosen“, warnt WWF-Experte Georg Scattolin. „Es liegt in unserem ureigensten Interesse, unsere Ökosysteme besser zu schützen. Denn das Problem sind nicht die Wildtiere, sondern unser falscher Umgang mit ihnen.“ Auch die massive Entwaldung in Südostasien begünstigt Virus-Sprünge auf den Menschen. „Wenn Lebensräume zerstört werden und natürliche Barrieren wegfallen, bringt das Arten in Kontakt zueinander, die vorher nicht im Kontakt waren. Werden dort neue Siedlungsräume geschaffen, entsteht eine neue räumliche Nähe zum Menschen und seinen Nutztieren“, erklärt Scattolin.
Der WWF Österreich sieht vor allem die Europäische Union in der Verantwortung, zur globalen Vorreiterin einer ökologischen Pandemievorsorge zu werden. „Europa ist einer der größten Pro-Kopf-Importeure von landwirtschaftlichen Rohstoffen. Daher muss ein wirksames Lieferkettengesetz den Import von naturzerstörerischen Produkten untersagen“, fordert WWF-Experte Scattolin.
Hintergrund zu Zoonosen und Lebend-Tiermärkten
Zahlreiche Negativbeispiele aus aller Welt verdeutlichen das Risiko: Schweinefarmen und Obstbaumplantagen in Malaysia haben den Weg bereitet für die Übertragung des Nipah-Virus von Flughunden auf Menschen. Die Expansion von Reisfeldern und Schweinehaltung in Vietnam hat die Ausbreitung der Japanischen Enzephalitis beschleunigt. Auch andere Infektionskrankheiten werden von Entwaldung getrieben: Die Abholzung von vier Prozent eines Waldes ging laut einer brasilianischen Studie mit einer fast 50-prozentigen Zunahme der Malariafälle beim Menschen einher.
Auf Lebend-Tiermärkten wie sie in weiten Teilen Chinas und Südostasiens existieren, werden Wild- und Nutztiere nebeneinander verkauft und geschlachtet. Restaurants, die Gerichte mit Wildtieren zubereiten, sowie Online- und Straßenverkäufe sind ebenfalls potenzielle Schmelztiegel für neue Krankheitserreger. Gerade in ländlichen Gegenden Asiens sind viele Gemeinden zur Ernährungssicherung noch immer auf Wildtiere angewiesen, insbesondere in abgelegenen Regionen mit hoher Mangelernährung bei Kindern. Zunehmend werden Wildtiere allerdings auch für den Verkauf auf städtischen Märkten gejagt. Doch nicht nur die Märkte stellen ein Risiko dar: Die Corona-Ausbrüche in den europäischen Nerzfarmen zeigen, dass solche Anlagen tickende Virusbomben sind. Und Wildtierfarmen gibt es auch in Südostasien schätzungsweise hunderte.
Rückfragehinweis:
Nikolai Moser
Leiter Kommunikation WWF Österreich
+43 664 883 92 489
nikolai.moser@wwf.at
www.wwf.at
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